Interview: Business-Intelligence-Strategie von SAP

Im Interview sprechen Gerd Danner und Nanshad Bardoliwalla über die Business-Intelligence-Strategie von SAP und deren zugehörige Anwendungen.

Gerd Danner ist SAP Vice President und zuständig für SAP NetWeaver Product Management.

Nanshad Bardoliwalla ist SAP Vice President und zuständig für Solution Management, Financial & Industry Performance Management in der Geschäftseinheit Business Objects von SAP.

Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die Produkte von Business Objects zukünftig als Frontends für SAP NetWeaver BI dienen sollen. Ist das richtig?

Gerd Danner: Dazu möchte ich drei Kernaussagen machen. Erstens: Für die Bereiche Reporting, Dashboarding sowie Ad-hoc-Reporting und Ad-hoc-Analysen ist der strategische Fokus von SAP und Business Objects auf den Werkzeugen und Produkten von Business Objects. Das sind im Einzelnen Crystal Reports für Reporting, Xcelsius für Dashboarding sowie WebIntelligence und Polestar für Adhoc- Reporting und Ad-hoc-Analysen. Zweitens: Für die OLAP-Analyse wird das SAP-Produkt BEx Analyzer mit dem Business-Objects-Tool Voyager zu einem neuen kombinierten Werkzeug mit dem Codenamen Pioneer zusammengeführt. Damit bekommt der Anwender das Beste aus beiden Produkten, also die analytische Tiefe aus BEx Analyzer und die hohe Benutzerfreundlichkeit und Flexibilität von Voyager. Und die dritte Botschaft ist, dass SAP definitiv in SAP NetWeaver weiterhin ein komplettes Business-Intelligence- Angebot hat und weiterhin kontinuierlich hohe Investments in den BI Accelerator und das SAP Business Warehouse tätigen wird. Um diese drei Kernaussagen gibt es wohl etwas Verwirrung – einige Artikel, die ich jüngst gelesen habe, geben diese Botschaften an den Markt aber nicht immer adäquat wieder.

Können Sie noch mehr Details zur Produkt- Roadmap nennen?

Gerd Danner: Im Bereich Dashboarding und Visualisierung liegt der strategische Fokus auf dem Produkt Xcelsius von Business Objects. Der Web Application Designer wird von der SAP nach 2008 nicht maßgeblich weiterentwickelt werden, bleibt jedoch auch weiterhin Bestandteil des SAP NetWeaver-Portfolios. Damit geben wir den Anwendern Investitionssicherheit hinsichtlich bereits entwickelter Dashboards, die nebeneinander genutzt werden können mit neu entwickelten Dashboards auf Xcelsius. Dem Portal kommt hierbei die Rolle zu, die Anwendungen für den Benutzer zu integrieren. Im Bereich Enterprise Reporting ist Crystal Reports das Produkt der Wahl. Der BEx Report Designer, heute in einem ersten Release verfügbar und bislang nur von wenigen Kunden genutzt, wird nicht weiterentwickelt und aus dem SAP NetWeaver-Portfolio genommen. Dabei werden wir das Produkt mit einer NetWeaver-Version von Crystal Reports ersetzen. Der BEx Report Designer ist das einzige Produkt, das wir abkündigen. Im Bereich Ad-hoc-Reporting ist Business Objects' WebIntelligence unser Flagschiff-Produkt. In 2008 wird Angebot ergänzt durch das Produkt Polestar, welches die Einfachheit von Suchen mit der Mächtigkeit eines Adhoc- Analysewerkzeugs kombiniert. Damit eignet sich Polestar für Adhoc-Analysen für den gelegentlichen Business-Intelligence-Nutzer. Im Bereich Ad-hoc-Reporting und -Analyse  gab es bisher kein Angebot von SAP-Seite. Die Business-Objects-Produkte tragen hier also zu einer deutlichen Erweiterung des Kundennutzens unseres Lösungsangebotes bei. Im Bereich OLAP-Analyse kombinieren wir – wie gesagt – die vorhandenen Produkte BEx Analyzer und Voyager zu einer neuen Lösung.

Wie geht es weiter mit den Anwendungen für Planung und Konsolidierung, die SAP in der SEM-Produktfamilie bündelte, die Business Objects u.a. durch den Kauf von Cartesis in sein Portfolio aufnahm und die durch die Akquisition von OutlookSoft hinzukamen?

Nenshad Bardoliwalla: Wir hatten die Möglichkeit, aus einem sehr umfangreichen Produktportfolio die Werkzeuge auszuwählen, die dem Anwender den größten Nutzen bringen. Unsere Produktstrategie besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil kommunizieren wir im Markt, insbesondere unseren Kunden und Partnern, sehr klar und deutlich, welche Produkte von der SAP- und der Business- Objects-Seite strategische Investitionen erhalten. Im zweiten Teil stellen wir sicher, dass Kunden mit Produkten, die keine strategischen Investitionen für Weiterentwicklungen erhalten, einen sehr langen Zeitraum bekommen, in dem sie ihre aktuellen Investitionen evaluieren können, um sich dann zu entscheiden, inwieweit sie der SAP-Produktstrategie folgen. Darüber hinaus bieten wir eine Vielzahl von Migrationswerkzeugen, -services und -paketen, die Anwendern ermöglichen, von den aktuell genutzten Lösungen zu den strategischen Produkten zu wechseln. SAP hat bereits in der Vergangenheit seine Kunden, unabhängig davon, welche SAP-Produkte sie im Einsatz haben, über einen sehr langen Zeitraum mit Support unterstützt. Das wird auch in der neuen Geschäftseinheit Business Objects weiterhin so sein.

Was sind denn die strategischen Produkte?

Nenshad Bardoliwalla: Die Anwendungen für Performance Management unterteilen wir in vier Bereiche, wie sie der Markt vorgibt. Der erste Bereich ist das so genannte Strategy Management, bei dem es kurz gesagt um die Bestimmung und Überwachung von Unternehmenszielen  und Initiativen zu deren Erreichung auf strategischer Ebene geht. Hier ist das strategische Produkt SAP Strategy Management, welches durch die Übernahme von Pilot Software Bestandteil des SAP-Portfolios wurde. Der zweite Bereich behandelt das Thema Profitability and Cost Management. Mit der Akquisition des Anbieters ALG im Jahre 2006 durch Business Objects wurde unser Produktportfolio um dessen Werkzeug ergänzt, das wir jetzt als strategisches Produkt mit dem Namen Business Objects Profitability and Cost Management anbieten. Der dritte und vierte Bereich behandeln die Themen Planung und Legalkonsolidierung. Für den Bereich Planung ist das strategische Produkt SAP Business Planning and Consolidation. Dabei handelt es sich um das Werkzeug von OutlookSoft, das umbenannt wurde. Für den Bereich Legalkonsolidierung gibt es zwei strategische Produkte. Zum einen Business Objects Financial Consolidation, das mit der CartesisÜbernahme durch Business Objects Teil des Produktportfolios wurde. Zum anderen bietet SAP Business Planning and Consolidation auch Funktionen für die Legalkonsolidierung und ist also in diesem Bereich unser zweites strategisches Produkt. Abhängig von Anforderungen der Kunden sprechen wir eine Empfehlung aus, welches Produkt für die Legalkonsolidierung besser geeignet ist. Diese vier genannten Produkte werden in den vier Bereichen der Anwendungen für Performance Management strategisch weiterentwickelt.

Wie geht es weiter mit dem Produkt SAP SEM BCS für die Legalkonsolidierung, das doch von vielen großen Kunden in Deutschland verwendet wird?

Nenshad Bardoliwalla: Von allen Werkzeugen in der SAP SEM-Produktfamilie hat SAP SEM BCS die meisten Anwender. Das Senior Management der SAP hat dem Produktteam, das ich leite, sehr deutlich gemacht, dass die Legalkonsolidierung eine erfolgskritische Applikation ist, weil sie konsolidierte Finanzzahlen liefert, die in der Finanzkommunikation und zur Unternehmenssteuerung unerlässlich sind. Es ist also keine Anwendung, die man einfach ausschalten kann. SAP SEM BCS wird daher in 2008 weitere Investitionsmittel für die Weiterentwicklung erhalten. Letztes Jahr haben wir uns ja dazu verpflichtet, dass im Rahmen der Enhancement Packages in SAP SEM BCS weitere Investitionen erfolgen. Auch nach 2008 wird es daher im Rahmen der Enhancement Packages Updates und Weiterentwicklungen für SAP SEM BCS geben, die etwa veränderte Buchhaltungsrichtlinien und gesetzliche Bestimmungen berücksichtigen und damit sicherstellen, dass die Kunden das Werkzeug ohne Einschränkungen noch drei, vier Jahre nutzen können. Der Support von SAP SEM BCS wird bis 2013 im Rahmen der Standardwartung stattfinden. Bis 2016 gibt es Support im Rahmen einer erweiterten War-  tung. Dies ist identisch zu den anderen Wartungsangeboten der SAP Business Suite. Gleichzeitig wird das ehemalige Cartesis- Produkt Financial Consolidation so weiterentwickelt, dass es Anwendern von SAP SEM BCS leicht gemacht wird, auf dieses Produkt für ihre Legalkonsolidierung zu migrieren, wenn sie denn von dessen Vorteilen überzeugt sind. Denn Financial Consolidation und SAP SEM BCS haben bereits jetzt ähnliche Eigenschaften und Möglichkeiten.

Muss der Anwender für die angebotenen Migrationswerkzeuge und -services zahlen oder gibt es diese kostenlos?

Nenshad Bardoliwalla: Details kann ich hierzu leider nicht nennen. Aber für das Senior Management ist eine große Anzahl loyaler Kunden sehr wichtig. SAP hat überhaupt nicht die Absicht, seine Kunden für alles zur Kasse zu bitten. Viel wichtiger ist es für uns, dass ihre Investitionen in guten Händen liegen. Damit will ich sagen, wie wichtig uns langfristige Kundenbeziehungen sind. SAP SEM BCS wird von den größten SAP-Kunden der Welt eingesetzt. Insofern ist SAP also gut beraten, den Prozess des Übergangs zu neuen Produkten möglichst einfach zu machen.

Wann werden die strategischen Produkte Financial Consolidation und Business Planning and Consolidation für SAP NetWeaver BI verfügbar sein?

Nenshad Bardoliwalla: Die Teams von Gerd Danner und mir haben gleich nach der Akquisition von OutlookSoft in einem Projekt damit begonnen, die Stärken von SAP NetWeaver BI auch als Plattform für die OutlookSoft-Anwendung zu nutzen. Ich bin sehr froh darüber, dass wir bereits im dritten Quartal dieses Jahres ein Release von Business Planning and Consolidation für Kunden verfügbar machen, das natively auf SAP Net- Weaver BI läuft. Was meine ich mit natively? Die Produkte von OutlookSoft nutzten ja bisher ausschließlich Microsoft-Technologie, wie etwa die SQL Server Analysis Services. Aber mit dem neuen Release bekommen die Kunden ein Werkzeug, was komplett die Net- Weaver-Technologie mit allen Vorteilen und Funktionen nutzt. Es gibt keine Abhängigkeiten mehr mit den Microsoft-Komponenten. Die Kunden werden von der Verbindung der neuen, einfachen Benutzeroberfläche von Business Planning and Consolidation mit der SAP-NetWeaver-Plattform begeistert sein. Financial Consolidation wird in Verbindung mit SAP NetWeaver-Plattform voraussichtlich Ende diesen oder Anfang nächsten Jahres verfügbar sein. Ich möchte noch anfügen, dass wir die Anwendungen in der Geschäftseinheit Business Objects nicht exklusiv für NetWeaver- Technologie entwickeln. Wir verfolgen einen technologisch offenen Ansatz, der die Produkte auch für Nicht-SAP-Kunden interessant macht. Schließlich sind viele Business- Objects-Anwender keine SAP-Kunden. Auch die OutlookSoft-Anwendung entwickeln wir für die Microsoft-Plattform kontinuierlich weiter.

Wie unterscheidet sich das Werkzeug BI Integrated Planning, das Teil der NetWeaver-Plattform ist, von der skizzierten Planungsanwendung Business Planning and Consolidation?

Gerd Danner: Es gab im Jahr 2007 die Grundsatzentscheidung der SAP, auf dem Markt für Performance Management eine Planungsanwendung anzubieten und kein Planungstool. Daher gilt unsere Aufmerksamkeit hauptsächlich der Entwicklung und Vermarktung von Business Planning and Consolidation. Gleichzeitig gibt es definitiv keine Abkündigung von BI Integrated Planning – das Werkzeug bekommt weitere Investitionen in 2008 und auch darüber hinaus. Allerdings wird sich die Ausrichtung von BI Integrated Planning ändern – von einem Toolset hin zu einem Framework, das anderen Anwendungen der SAP Business Suite Planungsfunktionen zur Verfügung stellt. Alle von Kunden getätigten Investitionen in BI Integrated Planning sind also sicher. Wir werden auch hier für die notwendige Migration Unterstützung bieten. Kunden, die das Tool noch nicht im Einsatz haben, empfehle ich, sich direkt mit den Vorteilen von Business Planning and Consolidation zu befassen.

Das Interview führte Dietmar Köthner.

Über den Autor:

Dietmar Köthner ist Gründungschefredakteur der Fachzeitschrift is report und Geschäftsführer des OXYGON Verlags. www.isreport.de

Artikel wurde zuletzt im Mai 2008 aktualisiert

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