Herausforderungen bei der Integration von Cloud-Software beseitigen

Die Integration von SaaS-Anwendungen, zum Beispiel in ein bestehendes SAP-System, kann nervenaufreibend sein. Wir erläutern die richtige Strategie.

Patty Hoppenstedt kennt die Herausforderungen bei der Integration von Cloud-Software. Vor einigen Jahren haben Angestellte der Gemeinde Schaumburg (Illinois) die HR-Software SuccessFactors für die Verwaltung der Mitarbeiterdaten eingeführt.

Das Ziel war die nahtlose Integration von HR- und Finanzsoftware. Alle Mitarbeiterdaten in SuccessFactors – von der Lohnvergütung bis zur Anzahl der Mitarbeiter – sollten automatisch in Munis, der bereits implementierten ERP-Software, übertragen werden, um Lohnzahlungen und andere Aufgaben zu bearbeiten.

„Es war ein zwei Jahre dauerndes Abenteuer. Munis wollte einfach nicht mit den anderen Programmen zusammenarbeiten. Speziell mit SuccessFactors hatte es seine Probleme“, erinnert sich Hoppenstedt, Personalchefin der Gemeinde. „Ich bin mir sicher, dass Munis dieses Problem mit anderen Anwendungen auch hat. Wir hatten daher eine schwierige Beziehung zu der ERP-Software.“

Bis Munis-Anbieter Tyler Technologies den Import von Daten aus SuccessFactors erlaubt, müssen die Mitarbeiter in Schaumburg diese manuell eingeben. „Das ist ziemlich anstrengend“, sagt die Personalerin. „Wenn sie allerdings mit unserer Finanzdirektion sprechen, ist die voll des Lobes. Meiner Meinung nach ist Munis nicht benutzerfreundlich.“

SaaS ist häufig ein Silo

Die Gemeinde Schaumburg steht nicht allein vor diesem Problem. Viele Unternehmen möchte ebenfalls Geschäftsanwendungen in die Cloud verlagern.

„SaaS- (Software as a Service) Anwendungen sind gut in dem was sie machen. Allerdings bilden sie eigene Silos“, erläutert Forrester-Analyst Randy Heffner. „Jeder Anbieter hat eigene Strategien, Ressourcen und APIs, um mit Daten zu arbeiten.“ Für Heffner eine beachtliche Herausforderung, wenn ein Unternehmen kohärente Geschäftsprozesse und IT-Landschaften aufbauen möchte.

„Das ist das übliche Szenario, auch wenn nicht jede Software diese Probleme mitbringt“, so Heffner. „Dennoch sollten sie davon ausgehen, dass jede Anwendung erst einmal Probleme verursacht. Die Überraschung ist dann umso größer, wenn sie keine haben.“

Integration mit SAP Hana oder NetWeaver PI

Für SAP-Kunden gibt es eine ganze Reihe von Optionen für die Integration von On-Premise und Cloud-basierten Lösungen. Dazu gehört die Integration von einzelnen Komponenten sowie die Implementierung von Middleware von Drittanbietern oder SAP. Die Walldorfer bieten mit SAP NetWeaver Process Integration (PI) ein traditionelles On-Premise-Tool oder die neuere SAP Hana Cloud Plattform an.

Die Cloud-Integration mit SAP Hana bietet nach Angaben des Softwareanbieters eine verbesserte Architektur und mehr Optionen für die Verwendung in einer Cloud-to-Cloud- oder Cloud-to-On-Premise-Integration als NetWeaver PI. Das bedeutet aber nicht, dass Unternehmen ihre vorhandene Middleware austauschen müssen, so Sven Denecken, Vice President SAP Cloud Solutions.

„Eine Firma reißt nicht einfach ein funktionierendes System heraus“, erläutert Denecken. „Wenn ein Kunde SAP NetWeaver PI nutzt, möchte er dies vielleicht auch weiterhin tun. Die Integration von Anwendungen ist keine Einbahnstraße.“

Manche Entscheidungen gehen weniger in die Tiefe als man denkt, so Forrester-Analyst Heffner. „Für mich machen die Integrationoptionen keinen so großen Unterschied. Es unterscheidet sich lediglich beim Hosting. Dennoch sagen manche, dass die Integration von Cloud-Anwendungen etwas völlig neues ist“, ist Heffner überzeugt. Cloud-basierte Tools bringen für ihn allerdings ein paar wichtige neue Möglichkeiten mit.

Boomi von Dell bietet beispielweise eine mandantefähige Datenbank für eine spezifische Integration und Zuordnung der Anwendungen an“, erklärt der Analyst. „Das System macht Vorschläge, wie andere Kunden ein Problem gelöst haben. Das ist eine interessante Funktion, die bei der Arbeit mit SaaS hilft.“

Wieviel SAP steckt bereits im Unternehmen?

Für viele Unternehmen lässt sich die Frage nach der Auswahl des richtigen Tools darauf verkürzen: Wird die Systemlandschaft bereits von SAP-Software dominiert oder ist SAP lediglich einer unter vielen?

Für Analyst Heffner steht fest: „Unternehmen, die bereits vorwiegend SAP-Software einsetzen, neigen dazu, SAP-Technologie für Erweiterungen zu nutzen. Alle Anderen sollten erst einmal die Anbieter vergleichen. Es gibt aber nur wenig Gründe, die gegen SAP sprechen.“ Unternehmen sollte so wenig Programme wie möglich für die Integration verwenden. Zudem sind Leitlinien hilfreich, die einen bei der Wahl der richtigen Lösung für den entsprechenden Anwendungsfall unterstützen.

Die Herausforderung bei der Integration wachsen stetig an, da Hybrid- und Cloud-basierte Systeme sich weiter verbreiten, so Forrester-Analyst Stefan Ried. „Daten und Anwendungslogiken verteilen sich auf verschiedene Programme, da sie On-Premise, in einer Managed-Infrastructure oder einer Public Cloud eingesetzt werden. Während dies massive Herausforderungen für die Integration der Software bedeutet, wird die Situation noch komplexer, da sich die Schlüsseltrends weiterentwickeln“, schreibt Ried im kürzlich veröffentlichten Bericht „The Hybrid Integration Challange“.

Um die Integration zu meistern, rät Ried Unternehmen, dass sie sich an eine definitierte Roadmap für die Einführung der Software halten und dabei überwachen, wie agil die Integrations-Tools über einen gewissen Zeitraum sind. „Wie lange eine einzelne Änderung dauert ist ein entscheidender Key Performance Indicator (Leistungskennzahl, KPI)“, so Ried. „Wenn dies Monate in Anspruch nimmt, ist die Agilität ihres Unternehmens tot.“

Erfahren Sie mehr über Business-Software

- GOOGLE-ANZEIGEN

ComputerWeekly.de

Close