CA World 2017: Vom Underdog zur Softwareschmiede

Der Transformationsprozess bei CA geht unvermindert weiter. CEO Mike Gregoire konsolidiert das früher diffuse Angebot und fokussiert sich auf neue IT-Felder.

Hunderte an Akquisitionen hatte Computer Associates (CA) in der Vergangenheit abgeschlossen und damit ein unüberschaubares Angebot von tausenden Produkten zusammengekauft. Diese liefen vor allem auf den seinerzeit dominierenden Mainframe-Systemen.

Gemeinsamkeiten gab es zwischen den vielen Einzelprodukten kaum und auch keine Strategie, diese auf höheren Ebenen zu integrieren. Seit dem Unternehmens-Rebranding in CA Technologies und der Berufung von Mike Gregoire zum CEO 2013, versucht das Unternehmen allerdings Klarheit und Struktur in diesen Wildwuchs zu bringen.

Nummer eins für Softwareentwickler

Heute adressiert das Angebot im Wesentlichen drei IT-Bereiche: Softwareentwicklung, Operation-Management und Sicherheit. Auf der jüngsten Hausmesse in Las Vegas zeigte das Unternehmen erneut, wie es diesen Konsolidierungskurs fortsetzen möchte.

„Wir wollen die Nummer eins für Softwareentwickler werden, und das bedeutet eine solide Entwicklungs-, Operations- und Security-Plattform“, sagt der CA Strategie-Chef Jacob Lamm im Gespräch.

Was das konkret bedeutet, hatte Gregoire schon zuvor erläutert. „In vielen Unternehmen geht die Digitalisierung zu langsam voran, da die Integration von neuen Anwendungen mit allen betroffenen IT-Systeme zu langsam und zu risikoreich ist“, erläutert er gleich in seiner Eröffnungs-Keynote. Die Lösung für dieses Problem sieht Gregoire vor allem in einem umfassenden Entwicklungs-Framework. „Unser gesamtes Produkt-Portfolio basiert auf der Software Factory. Damit lassen sich Geschäftskritische Anwendungen wesentlich schneller, sicherer und performanter erstellen“, sagt er über die Palette an Entwicklungs-Tools von CA.

Unterstützung für Administratoren

Im Bereich Operations sieht sich CA als Hüter der Admin-Interessen, insbesondere, wenn es um die Transparenz der internen Abläufe geht. „Virtualisierung war ein Meilenstein in der IT-Entwicklung und bescherte gewaltige Produktivitätssprünge – bis es unter der eigenen Last zusammenbrach, weil keiner mehr wusste wo, welche Anwendung läuft. Erst als man das Problem des VM-Wildwuchses in den Griff bekam, konnte diese Technologie wieder an Fahrt aufnehmen“, erklärt Gregoire in einer Pressekonferenz auf der CA World.

Mike Gregoire CEO CA Technologies
„Virtualisierung war ein Meilenstein in der IT-Entwicklung und bescherte gewaltige Produktivitätssprünge – bis es unter der eigenen Last zusammenbrach“, sagt Mike Gregoire, CEO CA Technologies, in seiner Keynote.

Heute sei es mit den Containern ähnlich und beim Cloud Computing würde sich bereits die gleiche Entwicklung abzeichnen. „In vielen großen Unternehmen weiß kaum noch jemand welche Cloud-Dienste von wem, für was und mit welchen Daten genutzt werden“, bestätigt Marina Lu, Analystin bei ABI Research, die Kehrseite der zunehmenden Cloud-Anwendungen. CA kann hier mit seinen neuen Microgateways eine kontinuierliche Kontrollfunktion installieren. Über deren Konsolen kann man sofort erkennen, was, wo, wie im Einsatz ist.

DevSecOps als Neuausrichtung

Mit der Verbindung von Softwareentwicklung und –Betrieb nimmt das Angebot an DevOps-Tools einen breiten Raum ein. Hier will sich das Unternehmen vor allem über den Bereich Sicherheit eine Alleinstellung im Bereich DevSecOps erobern. DevSecOps hat einen integrierten Zwischenschritt, der dafür sorgen soll, dass Software einerseits sicherer entwickelt wird, andererseits aber auch im Ablauf weniger angreifbar ist.

Das Ziel von CA ist hier vor allem eine automatische Code-Inspektion und ein verbessertes Identity Management. Code-Inspektion ist per se nicht neu, doch CA hat eine sehr ambitionierte Vision. „Wenn man bei einer Textverarbeitung die Rechtschreibeprüfung eingeschaltet hat, wird jedes Wort sofort überprüft und es gibt unmittelbare Hinweise auf mögliche oder definitive Rechtschreibfehler. Etwas Ähnliches müssen wir auch schnellstmöglich beim Codieren erreichen, damit nicht erst später beim Test oder bei der Implementierung die Sicherheitsrisiken ermittelt und ausgeräumt werden“, erläutert Gregoire die Zukunft von automatischen Code-Prüfungen.

Stabiles Mainframe-Geschäft

Neben all den neuen Ausrichtungen bleibt der Bereich Softwarelösungen für Mainframes weiterhin ein wichtiger Geschäftsbereich. Rund 540 Millionen Dollar Umsatz und 188 Millionen Dollar Gewinn hat CA damit im jüngsten Quartal erzielt. Hinzu kommen Beratungs- und Support-Leistungen. Dieser Bereich könnte sogar bald wieder kräftig zulegen, denn der einzige Mainframe-Lieferant ist IBM – und die melden ein erneutes Ansteigen dieses Marktsegmentes. So konnte IBM seinen Mainframe-Umsatz im jüngsten Quartal von 1,7 auf 1,9 Milliarden Dollar steigern - ein Plus von 12,3 Prozent. Und der Gewinn kletterte sogar um 150 Prozent auf 339 Millionen Dollar.

Wir wollen die Nummer eins für Softwareentwickler werden, und das bedeutet eine solide Entwicklungs-, Operations- und Security-Plattform.
Jacob Lamm, Executive Vice President, Strategy and Corporate Development CA Technologies.

Vor allem bei Banken, Versicherungen und großen Handelshäusern haben Mainframes weiterhin einen festen Platz. Zum Beispiel arbeiten 92 der weltweit 100 größten Banken damit. 87 Prozent aller weltweiten Kreditkarten-Operationen werden über Mainframes abgewickelt und 29 Milliarden Bankautomaten-Transaktionen sowie vier Milliarden Flüge laufen ebenfalls auf diesen IT-Arbeitstieren. Insgesamt sind heute rund 4.500 Mainframes im Einsatz, davon etwa 350 in Europa.

Zurück in die Zukunft: Mainframe ersetzt Client-Server

Doch trotz der weiten Verbreitung ist das Mainframe-Image nicht besonders hoch. Sie werden eher als Dinosaurier angesehen, deren Zeit abgelaufen ist – doch genau das Gegenteil ist der Fall. Big Data, Realtime Analytics, künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning verlangen eine immer größere Rechenleistung.

Neben den klassischen Datenbank- und ERP-Anwendungen sind inzwischen neue Aufgaben hinzugekommen – zum Beispiel Blockchain. „Immer mehr Unternehmen führen Blockchain als eine besonders sichere Form zur Protokollierung von Transaktionen ein. Im großen Stil und mit der gebotenen Verschlüsselung lässt sich das auf Mainframes besonders wirtschaftlich abwickeln“, sagt Darrell Long, verantwortlich für das Software- und Beratungsgeschäft im Bereich Mainframe bei CA.

Er sieht bei einigen Kunden sogar schon eine Abkehr von Client-Server-Architekturen. „Ich kann noch keine Namen verraten, aber wir haben bereits zwei Großunternehmen, die ihre Anwendungen aus der Cloud und von eigenen Server-Farmen aus Kosten- und Performance-Gründen auf einen Mainframe umstellen“, sagt er über diese Entwicklung.

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