Was Sie vor dem Kauf eines WAN-Optimierungs-Tools wissen müssen

Vor dem Kauf eines WAN-Optimierungs-Tools müssen Sie die verwendete Technik verstehen. WAN-Optimierung hängt von den Anwendungs- und Datentypen ab.

Mit der Verbreitung von Cloud-Diensten und geografisch verteilten Mitarbeitern, steht das Wide Area Network (WAN) immer häufiger im Fokus. Das WAN ist die Schnittstelle, die Mitarbeiter der Außenstellen mit Netzwerk-Anwendungen oder Cloud-Netzwerken verbindet. Auch wenn die Geschwindigkeit in den WANs in den vergangenen Jahren zugenommen hat, ist die WAN-Schnittstelle immer noch teuer und der Flaschenhals, wenn man Remote-Anwendern vernünftige Antwort-Zeiten zur Verfügung stellen möchte.

An dieser Stelle kommt WAN-Optimierung ins Spiel. In der Regel handelt es sich um die Implementierung eines System-Paares. Eines befindet sich in der Haupt- und eines an den Remote-Punkten. WAN-Optimierungs-Tools nutzen diverse Techniken, um die Sessions zu beschleunigen.

Wie WAN-Optimierung funktioniert

Wenn eine Firma WAN-Optimierungs-Tools und –Appliances benötigt, hilft ein grundsätzliches Verständnis für die Technologie. Danach ist der Kauf eines WAN-Optimierungssystems einfacher. WAN-Optimierungssysteme verwenden diverse Techniken, um zwei Dinge zu erreichen:

  • Reduzierung der Datenmenge, die durch das WAN übertragen werden muss;
  • Beschleunigung des anfallenden Traffics.

Reduziert man die Datenmenge, die durch das WAN muss, rediziert auch die Protokoll-Verzögerung. Die Kombination der beiden Punkte verringert die Latenz, wodurch sich die existierende WAN-Schnittstelle effizienter nutzen lässt.

Liest man sich die Werbebroschüren der meisten Anbieter von WAN-Optimierungs-Tools durch, hilft das leider nicht bei der Entscheidung, was Sie benötigen. LAN-Switche sind zum Großteil mit Standard-Spezifikationen der Branche ausgestattet. Dazu gehören unter anderem IEEE 802.1Q VLANs und 802.1p-Priorisierung. Doch bei WAN-Optimierungsgeräten und -Standards sieht es schlecht aus beziehungsweise sind keine vorhanden.

Allerdings gibt es einige grundlegende Leistungsmerkmale und Funktionen, die jedes WAN-Optimierungssystem haben sollte. Um sicher zu stellen, dass der Einsatz von WAN-Optimierungs-Technologie auch wirklich etwas bringt, sollten Sie folgendes beachten.

WAN-Optimierung: zwingend erforderliche Funktionen

Komprimierung: Eine einfache Art, um das WAN zu optimieren ist es, die Daten-Pakete in Echtzeit zu scannen und zu komprimieren. Danach schickt man sie auf die Reise durch das Netzwerk. Wenn das damit verbundene WAN-Optimierungs-Tool am anderen Ende des Netzwerks die Daten erhält, werden sie entpackt und an den Ziel-Server im Local Area Network (LAN) weitergegeben.

Die Kompression und Dekompression benötigt natürlich Zeit. Allerdings reduziert sich die Latenz, da sich die tatsächliche Menge über das WAN übertragener Daten vergeringert. Der Nutzen hängt aber vom Traffic ab. Haben Sie viele alphanumerische Daten mit sich oft wiederholenden Zeichen oder Leerzeichen, ist eine Optimierung garantiert. Schicken Sie allerdings Backup-Daten, die vor einer Übertragung bereits komprimiert wurden (zum Beispiel ZIP-Archive), hilft Ihnen die WAN-Optimierung nicht. Es ist sogar so, dass WAN-Optimierungs-Tools immer versuchen, alles zu komprimieren. Daher könnte es sich sogar negativ auf die Performance auswirken. Die Latenz erhöht sich wahrscheinlich, da das WAN-Gerät eine Kompression versucht. Allerdings klappt es nicht, die zu übertragenden Daten weiter zu reduzieren.

Deduplizierung/Caching: Deduplizierung und Caching gehen einen Schritt über Komprimierung hinaus. Damit lassen sich Daten, die über das WAN übertragen werden sollen, noch stärker reduzieren. Entsprechend verbessert sich die Antwort-Zeit. Die Implementierungen unterscheiden sich drastisch. Die grundlegende Idee ist aber, dass „Teile“ von Daten vom WAN-Optimierungssystem identifiziert und markiert werden. Deren Eigenschaft sind vom System abhängig.

Sobald das System eines dieser Teile über das WAN gesendet hat, schickt es dieses theoretisch nie wieder. Das WAN-Optimierungsgerät übermittelt lediglich den Tag an das Partner-WAN-System am anderen Ende. Das empfangende Gerät schnappt sich die entsprechenden Daten anhand des Tags aus seinem Cache und fügt sie dem Paket hinzu. Danach wird das gesamte Daten-Paket an das LAN weitergegeben.

Durch die günstigen Preise von Arbeitsspeicher und SSDs lassen sich auf diese Weise viele Daten speichern. Die Vorteile wirken sich direkt auf die Datenwiederholung des WAN-Traffics aus. Deduplizierung zahlt sich aber nur aus, wenn es auch wirklich Duplikate gibt.

TCP-Session-Optimierung: Auch wenn Sie die Menge des Datenflusses für eine WAN-Übertragung reduzieren, werden Durchsatz und Antwort-Zeiten oftmals durch ein ineffizientes TCP/IP-Protokoll verschlechtert.

Riskiert man eine zu starke Vereinfachung, könnte das Resultat eine enorme „Wartezeit“ während einer Sitzung sein, da ein Ende auf die Bestätigung der anderen Seite wartet. Die TCP-“Fenster“ erlauben vor dem Warten das Senden mehrerer Paketen. Ist jedoch die maximale Anzahl von Paketen erreicht, muss man warten. Ist das WAN im Leerlauf und wird nicht benutzt, kann sich das negativ auf die Performance auswirken.  Ein überfrachtetes WAN beeinflusst die Antwortzeiten.

WAN-Optimierungs-Appliances können sich einbringen, indem sie unter anderem die Bestätigungen abfangen. Das reduziert die Zeit, die man auf Bestätigungen von der anderen Seite des WANs wartet.

Die Performance der WAN-Optimierung hängt vom Netzwerk-Traffic ab

Genau wie bei anderen Funktionen hängen die gewonnenen Vorteile von der entsprechenden Anwendung ab. Interaktive Applikationen senden in der Regel kleine Pakete, die Datenanfragen enthalten. Dazu gehören Bestell- oder Such-Anwendungen. Jeder Paket-Austausch bedeutet Wartezeit auf die Paket-Bestätigung. WAN-Optimierungs-Plattformen fangen solche Austausch-Prozeduren ab und agieren als Proxy. Damit reduziert sich die Wartezeit auf die Applikation.

Letztlich ist jedes Optimierungs-Tool so geschaffen, spezielle Attribute Ihres Traffics zu verbessern. Passt Ihr Datenverkehr nicht zum jeweiligen Profil, sind die Vorteile möglicherweise nur minimal. Lesen Sie bei einem Anbieter also „bis zu 99 Prozent Datenreduzierung“, folgt dem meist eine Variante der Aussage „die Ergebnisse können variieren“. Im Endeffekt hängt es vom Traffic ab.

Nachdem Sie sich nun darüber informiert haben, wie sich WAN-Optimierungssystemen einsetzen lassen, ist der halbe Weg erreicht. Da die Effizienz dieser Techniken von den eingesetzten Anwendungen und Daten abhängen, gehört zur Wahl des richtigen Produkts mehr als eine Checkliste. Im nächsten Beitrag zu diesem Thema zeigen wir Ihnen, wie Sie einen Mikro-Kosmos Ihrer Anwendungs-Umgebung in einer Test-Umgebung aufsetzen. Dort finden Sie dann auf empirische Weise heraus, welche Vorteile das jeweilige Optimierungsprodukt bietet.

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Artikel wurde zuletzt im Juli 2014 aktualisiert

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