SAS sieht seine Zukunft in analytischen Applikationen

Der Softwareanbieter SAS erzielte 2007 über zwei Milliarden US-Dollar Umsatz mit Business-Intelligence (BI) -Software. Damit ist die Firma einer größten BI-Anbieter.

SAS Institute erzielte 2007 über zwei Milliarden US-Dollar Umsatz mit Business-Intelligence (BI) -Software. Auch wenn SAS in Deutschland Ende letzten Jahres von der SAP durch die vereinten Umsätze mit Business Objects als Marktführer abgelöst hat, ist SAS weltweit gesehen der größte Anbieter von Business-Intelligence-Software, da nur ca. 10% -15% des Gesamtumsatzes von ca. 2,4 Milliarden US-Dollar nicht durch Softwarelizenzumsätze erzielt werden (alle Zahlen basieren auf eigenen Angaben, da SAS als privat gehaltenes Unternehmen keine geprüften Zahlen veröffentlichen muss).

SAS bietet ein sehr breites Portfolio für Business Intelligence an, von Datenintegration über Reporting, einfachen wie fortgeschrittenen Analysewerkzeugen bis hin zu analytischen Applikationen. Letztere sind vordefinierte Lösungen für bestimmte Fragestellungen wie zum Beispiel Risikomanagement bei Banken oder Versicherungen und umfassen typischerweise ein vordefiniertes Datenmodell, thematisch bestimmte Methodologien oder Prozesse und vordefinierte Berichte. Genau im Bereich dieser analytischen Applikationen sieht SAS nicht nur starkes Wachstum sondern auch seine Zukunft in einem Markt, der sicherlich von der im letzten Jahr formierten Konkurrenz aus den Großanbietern IBM, Oracle, SAP und Microsoft massiv beeinflusst werden wird

Interessant in diesem Zusammenhang war die Aussage, dass zusätzliche 3-5% des erzielten Wachstums in 2007 unerwartet im 4. Quartal aufgetreten sind und auf die großen Übernahmen im BI-Markt und den damit verbundenen Unsicherheiten bei Kunden zurückzuführen wären. Langfristig kann man sich natürlich nicht darauf verlassen, dass Unternehmen sich für den BI-Spezialisten und nicht die großen Infrastrukturanbieter entscheiden. Daher macht die Verstärkung der Ausrichtung von SAS auf Applikationen sicherlich Sinn, um nicht nur Datenmanagement- und Business Intelligence-Werkzeuge an sich zu verkaufen, sondern sie als Basis für analytische Applikationen zu nutzen und so ein Angebot mit Mehrwert vorstellen zu können. Folgerichtig sollen zu den momentan über 100 existierenden Lösungen weitere hinzukommen. Gerade vorgestellt wurde ein Beispiel wie so etwas aussehen kann. Aus einer Kundenanfrage heraus wurde eine Applikation für Sustainability- (Nachhaltigkeits-) Management entwickelt, die Unternehmen durch vordefinierte Kennzahlen und Berichten hilft, das Thema schneller umsetzen zu können ohne inhaltlich oder werkzeugseitig alles selbst entwickeln zu müssen.

Die Herausforderungen dieser Strategie liegen auf der Hand: Auf Seite der Technik müssen alle Applikationen ständig weitergeführt und gepflegt werden, was vor allem Architekturwechsel sehr aufwändig macht. Die Konkurrenz schläft natürlich auch nicht: SAP/BO hat schon ähnliche Ansätze im BW Business Content oder BO Rapid Marts; Cognos hat einige Schritte in diese Richtung unternommen, Siebels Akquisition nQuire (über Siebel Analytics jetzt als Oracle Enterprise BI eine zentrale Lösung im Oracle BI-Portfolio) war stark auf horizontale und vertikale Applikationen ausgerichtet. Lediglich Microsoft setzt beim Thema Lösungen momentan auf Partner. Eine wesentliche Hürde im Vertrieb von Lösungen ist die Ansprache von Anwender in Fachabteilungen. 

Bisher ist SAS eher in den IT-Bereichen verwurzelt und muss daher seinen zum Beispiel auch bei CRM-Lösungen eingeschlagenen Weg der Adressierung von Fachanwendern fortführen beziehungsweise verstärken. Letztlich wird die größte Herausforderung allerdings in der Qualifikation der eigenen Mitarbeiter in Vertrieb und Beratung liegen. Eine hochspezialisierte analytische Applikation verkauft sich deutlich schwieriger als ein BI-Werkzeug kann dem Kunden allerdings der Wert deutlich gemacht werden, dann ist die Preissensitivität sicherlich geringer als bei BI-Werkzeugen, bei denen der Preiskampf im vollen Gange ist.

Bei allen Herausforderungen insgesamt aber eine schlüssige Strategie und wahrscheinlich erfolgversprechender, als nur darauf zu setzen, dass neben großen, breit aufgestellten Anbietern auch BI-Spezialisten weiter ihren Platz behalten werden.

Über den Autor:

Dr. Carsten Bange ist geschäftsführender Gesellschafter des Business Application Research Centers (BARC). Er ist seit mehr als 10 Jahren für nationale und internationale Unternehmen verschiedenster Branchen und Größen im Rahmen der Strategie- und Architekturberatung, Werkzeugauswahl und Qualitätssicherung in Business-Intelligence- und Datenmanagement-Projekten tätig. Als neutraler Beobachter des Softwaremarktes ist er ein häufiger Redner bei Tagungen und Seminaren sowie Autor zahlreicher Fachpublikationen und Marktstudien.

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