SAP konsolidiert sein BI-Portfolio: Was bedeutet das für Anwender?

Viele Anwender betrachten die Strategie von SAP, sein BI-Portfolio zu konsolidieren, als richtig. Wie diese genau aussieht, ist aber noch unklar.

Die Anstrengungen von SAP, sein Business-Intelligence (BI) -Portfolio zu vereinfachen, erhält bei Anwendern, Analysten und Beratern viel Zuspruch. Allerdings sind die Details dieser Strategie noch unklar und die Frage, ob Kunden auf die neuen Technologien migrieren sollten, bleibt offen.

„Es ist gut, dass es eine Strategie zur Konsolidierung gibt. Für mich ist aber unklar, wie die Strategie eigentlich im Detail aussieht“, sagt Ethan Jewett, Inhaber von Coredata LLC, einem BI-Beratungs- und Softwareunternehmen.

Das Problem

Über die Jahre hat SAP eine breite Palette von BI-Tools entwickelt oder akquiriert, von denen sich einige überschneiden. „SAP hat mehrere Reporting-Tools, Visualisierungsanwendungen und Office-Programme“, sagt Jamie Oswald, BI und SAP BusinessObjects Experte bei Mercy, einem US-Gesundheitsnetzwerk mit 32 Krankenhäusern und 300 ambulanten Einrichtungen.

SAP hat sich daher entschieden, sein Portfolio aufzuräumen und die Bereitstellung sowie Nutzung für Kunden zu vereinfachen. Das haben die Walldorfer zumindest mit ihrem „Run Simple“-Mantra auf der diesjährigen Sapphire Now angekündigt. Allgemein konzentriert sich die Ankündigung auf eine Kerngruppe von Produkten, wobei Anwender ihre existierende BI-Inhalte beibehalten können, während die Migration auf neue Anwendungen so einfach wie möglich werden soll.

„Statt in ein riesiges Produktportfolio, haben sie sich dafür entschieden, in ausgewählte Tools zu investieren, um die Kundenbedürfnisse abzudecken“, sagt Oswald. Das bedeutet, statt in den SAP BusinessObjects Explorer zu investieren, wird der Schwerpunkt auf SAP Lumira liegen. Oder im Fall der Dashboards wird SAP Abstand von Xcelsius (derzeit bekannt unter dem Namen SAP BusinessObjects Dashboards) nehmen und sich auf Design Studio konzentrieren.

Abbildung 1: Der Konsolidierungs-Fahrplan für das BI-Portfolio von SAP zeigt, welches Produkt weiterentwickelt wird und wie die unterschiedlichen Technologien zusammenarbeiten.

Laut SAP wirkt sich die Konsolidierung auf sogenannte „agile Visualisierung“-Tools, zu denen Lumira zählt, und das Enterprise-BI- und BusinessObjects-Portfolio aus. Obwohl SAP Lumira grundlegende Predictive Analytics-Funktionen enthält, bleibt das SAP-Flaggschiff in diesem Bereich, InfiniteInsight, von der Konsolidierung unberührt.

Aber während den Anwendern eine breite Roadmap präsentiert wurde, hat SAP bisher keine Details und Termine über neue Feature benannt. Außerdem sind noch keine Tool identifiziert wurden, die Anwender bei der Migration zu den neuen Tools unterstützen. Aber sie sollen in Arbeit sein.

„Was wird passieren, um Anwender bei der Migration zu unterstützen? Darauf gibt es noch keine Antwort. Wir haben einen grundlegenden Ansatz und geeignete Tools für die Konvergenz identifiziert. Als nächstes gehen wir an die technische Umsetzung“, erläutert Jayne Landry, Global Vice President und General Manager für Business Intelligence bei SAP.

Andere Beobachter betonen, dass auch vergleichbare IT-Konzerne vor ähnlichen Problemen standen. Einige vergleichen es mit der Cognos-Akquisition von IBM. „Sie mussten damals erklären, wie Cognos in ihr Portfolio passt und welches Vorteile es bietet“, sagt Coy Yonce, Principal Technical Architect bei EV Technologies. Yonce war vorher bei SAP beschäftigt. „IBM musste ebenfalls erklären, wann man IBM und wann man Cognos verwenden sollte. Zudem mussten sie ihre Strategie darlegen und wann welche Probleme beseitigt sind.“

SAP Lumira und Design Studio nicht ausgereift

Die Herausforderung für Anwender ist, dass Produkte wie Lumira und Design Studio noch nicht ausgereift sind. „Es gibt viele Nutzer, die Dashboards einsetzen und noch nicht zu Design Studio migrieren können, da das Tool nicht die gleichen Datenquellen wie das Dashboard-Tool unterstützt“, erläutert Jewett. Außerdem verfügt Lumira nicht über den gleichen Grad an Integration mit der SAP BusinessObjects Suite wie der Business Explorer.

„Sie arbeiten daran, diese Lücken zu schließen“, fügt Jewett hinzu. „Wenn sie zu ihren Kunden gehen und sagen ‚Das ist das neue Tool und Sie sollten von Ihrer alten auf die neue Anwendung migrieren‘, sollten diese in der Lage sein, alle wichtigen Funktionen wie das alte Tool auszuführen.“

Das bedeutet auch, dass sich viele Nutzer mit der Zeit von ihrer bevorzugte SAP BI-Anwendungen verabschieden müssen, so Oswald. Das muss aber nicht schlecht sein. „Die Strategie macht Sinn“, sagt Oswald. „Ich weiß zumindest, wenn ich zu Design Studio wechsle, dass es schneller weiterentwickelt wird als andere Tools.“

Oswald verweist zudem darauf, dass SAP angekündigt hat, existierende BI-Inhalte weiterhin zu unterstützen. „Wenn ich ein Unternehmen mit Xcelsius wäre und wüßte, dass ich in Zukunft eine bestimmte Funktion oder Erweiterung benötige, würde ich zu SAP Design Studio wechseln. Allerdings würde ich darauf achten, dass ich meine existierenede Dashboards behalten kann.“

Nach Angaben von Stefan Vazeery, BI-Solution-Architekt von NuVasive, ist der Wechsel von Xcelsius zu Design Studio aber nicht unproblematisch. „Ich denke, das betrifft am stärksten Xcelsius. Einige Unternehmen haben wirklich große Investitionen in diesem Bereich gemacht.“

Was Kunden darüber denken

Oswald sagt, dass sein Unternehmen eines ist, dass zwischen dem alten und neuen SAP Produkt-Portfolio gefangen ist. Mercy nutzt intensiv Web Intelligence und Crystal Reports – zwei Produkte, die SAP beibehält – aber auch einige BI-Tools, die auslaufen.

„Wir nutzen aktuell Xcelsius und Business Explorer, die auf der Liste gefährdeter Anwendungen stehen“, erklärt Oswald. „Für den Augenblick planen wird, weiterhin für beide Tools zu entwickeln. Wenn Lumira vergleichbare Funktionen wie Explorer integriert hat, können wir wahrscheinlich anfangen, auf die neuen Anwendung auszuweichen. Ich denke, vergleichbare Features sind ein Ausweg.“ Oswald sorgt sich aber nicht über die Migration von Explorer, da die Inhalte weiterhin nutzbar sind und unterstützt werden und SAP die Software kürzlich erweitert hat.

Man sollte genau beobachten, was SAP macht und analysieren, was sie ankündigen. 

Ethan Jewett, Inhaber von Coredata LLC

Die Entscheidung, von Xcelsius zu Design Studio zu migrieren, rückt bei Oswald und seinen Kollegen immer näher. Das wird vor allem der Fall sein, wenn Mercy mit der Nutzung der In-Memory-Datenbank SAP HANA beginnt. 

„Das erfordert ganz andere Fähigkeiten als Xcelsius. Wir können aber einfache mobile Anwendungen starten und HANA lässt sich für sehr große Datensätze einsetzen. Schulungen werden daher unsere größte Herausforderung sein.“

Oswalds rät Anwendern, über einen Wechsel nachzudenken, wenn es sinnvoll ist. Eine neue Geschäftsanforderung, Dashboards oder Analytics-Anwendungen erfordern zum Beispiel weiterhin den Einsatz von Xcelsius, bis Design Studio die nötigen Funktionen bietet. Die Anwender sollten sich aber bereits mit den neuen BI-Tools vertraut machen, egal ob sie schon für die Migration bereit sind oder nicht.

„Man sollte genau beobachten, was SAP macht und analysieren, was sie ankündigen. Das bedeutet aber auch, man muss warten bis ein Tool ausgereift ist“ sagt Jewett. „Ich würde auf jeden Fall Kunden dazu ermutigen, die Tools auszuprobieren, wenn sie sie noch nicht kennen, so dass sie ein gewissen Verständnis bekommen.“

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