SAP Solution Manager: kundeneigene Entwicklungen richtig verwalten

Mit dem SAP Solution Manager bekommen Unternehmen Kontrolle über kundeneigene Entwicklungen, die Qualität und Performance des SAP-Systems erhöht sich.

Die Situation ist bekannt: Da Unternehmen ihre Geschäftsabläufe stetig weiterentwickeln und durch neue Funktionen abbilden, steigt im Laufe der Jahre in der SAP-Systemlandschaft die Anzahl der SAP-basierten Eigenprogrammierungen kontinuierlich an. Dabei verursacht jedes kundeneigene Objekt einen bestimmten Wartungsaufwand sowie Speicherkosten. 

Doch häufig lässt sich die tatsächliche Anzahl an Eigenprogrammierungen in der SAP-Landschaft nicht mehr genau erfassen und es fehlt der Überblick, da sich über Jahre hinweg immer mehr kundeneigene Objekte als Folge des normalen Geschäftsbetriebs angesammelt haben.

Mit Hilfe der Custom-Code-Management-Funktionen des SAP Solution Managers können die Kosten für die Verwaltung der kundeneigenen Entwicklungen gesenkt werden. Zugleich wird die Qualität der Eigenentwicklungen erhöht, da sich nicht genutzte kundeneigene Codes ausfindig machen und löschen lassen.

In den nachfolgenden Abschnitten werde ich anhand einiger Beispiele zeigen, in welchen Bereichen kundeneigene Entwicklungen die SAP-Landschaft belasten und zu einem Kostentreiber werden. Es werden ebenfalls Verfahren erläutert, die Anwender einsetzen können, um Risiken beim Einsatz kundeneigener SAP-Objekte zu verringern.

Erhöhung der Support-Kosten

Jedes SAP-Anwenderunternehmen, das kundeneigene Entwicklungen nutzt, hat irgendwann mit Support-Problemen zu kämpfen. 

Die Eigenentwicklungen müssen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg gewartet, bei einem SAP-Upgrade an das neue Release angepasst und zudem funktional erweitert werden. 

Hinzu kommt, dass auch zusätzliche Infrastrukturkosten anfallen können, etwa wenn die Verarbeitungsgeschwindigkeit der Eigenentwicklungen nachlässt, weil das zu verarbeitende Datenvolumen stetig steigt.

Viele Firmen vergessen zudem, in die Dokumentation einer Eigenentwicklung auch Funktionen mit aufzunehmen, die neue entwickelt wurden. 

Wenn Neuerungen nicht oder nur unzureichend dokumentiert sind, was auch Informationen zu den Eignern der Businessfunktionen einschließt, erhöhen sich die Kosten für den Support der SAP-Eigenprogrammierungen kontinuierlich.

Nicht genutzte Eigenentwicklungen

Ein hoher Prozentsatz der Eigenentwicklungen, die ein Unternehmen einsetzt, ist überflüssig oder wird nur selten genutzt. Zum Beispiel wurde rund ein Drittel der Individualprogrammierungen, die ich bei einer Firma an zehn Standorten in Australien klassifiziert habe, gar nicht genutzt. Um herauszufinden wie individuelle SAP-Programmierungen genutzt werden oder ob nicht, müssen deren Eigner identifiziert und der Wert für das Business bestimmt werden.

Verpasste Innovationen als Kostentreiber

Unzureichendes SAP-Know-how bei den internen IT-Mitarbeitern führt in Unternehmen dazu, dass zur Abbildung spezieller Prozessanforderungen die SAP-Standardprogramme modifiziert oder geklont werden statt dafür moderne Erweiterungstechnologien einzusetzen. Wer weiterhin daran festhält, SAP-Standardprogramme zu klonen oder zu modifizieren, wendet ein veraltetes und kostenintensives Verfahren an. Dadurch bleiben zudem viele Innovationen, die SAP regelmäßig über die Erweiterungspakete (SAP Enhancement Packages) und Upgrades ausliefert, ungenutzt.

Höheres Risiko und mehr Testaufwand bei Upgrade-Projekten

Jeder weiß, dass bei einem SAP-Upgrade-Prozess ein erheblicher Aufwand für das Testen der davon betroffenen Anwendungen anfallen kann. Der benötigte Aufwand und damit das Risiko können Unternehmen verringern, indem sie wissen auf welchen SAP-Komponenten ihre Eigenentwicklungen basieren. 

Auf diese Weise kann besser abgeschätzt werden, wie Änderungen an diesen SAP-Komponenten durch ein Upgrade oder einen Support-Paket sich auf die Eigenprogrammierungen auswirken und wie hoch der Testaufwand voraussichtlich sein wird.

In vier Schritten zur effizienten Verwaltung der SAP-Eigenentwicklungen

Damit ein Projekt zum Management der ABAP-Eigenprogrammierungen erfolgreich bewältigt werden kann, empfiehlt sich die Einhaltung des folgenden vierstufigen Prozesses:

1. Alle Eigenentwicklungen transparent darstellen

Abbildung 1: Bestimmen Sie, wie viele Eigenprogrammierungen vorhanden sind.

Ein lückenloser Überblick über die gesamten Eigenprogrammierungen wird durch den Aufbau eines Verzeichnisses (Repository) erzielt, in dem sämtliche selbst entwickelten Code-Objekte in einer SAP-Systemlandschaft exakt erfasst werden. Dieses zentrale Repository bildet außerdem eine wichtige Informationsgrundlage, um herauszufinden wozu und wie häufig Eigenentwicklungen genutzt werden oder für Business-Impact-Analysen.

Abbildung 2: Wie häufig werden die bestehenden Eigenentwicklungen genutzt?

Im SAP Solution Manager bildet dabei die Anwendung Custom Code Lifecycle Management (CCLM) den zentralen Zugriffspunkt für eine transparente Verwaltung der kundeneigenen Entwicklungen. Dazu zählen neben Programmen und Transaktionen auch andere Objekte wie Entwicklungsklasse, Autor, Version und Nutzungsdaten.

2. Kontrolle über kundeneigene Entwicklungen gewinnen

Abbildung 3: Der SAP Solution Manager

Der SAP Solution Manager stellt für jedes verwaltete SAP-System eine Reihe von Werkzeugen bereit, mit denen kundeneigene Entwicklungen nach verschiedenen Kriterien analysiert werden können.

Unternehmen können ihre kundeneigenen Programmierungen kontrollieren und überwachen, indem sie identifizieren, welche Teile einer Eigenentwicklungen in der SAP-Landschaft auch tatsächlich ausgeführt werden und welche nicht verwendet werden und somit „tot“ sind.

Abbildung 4

Mit Hilfe des SAP Clone Finder lassen sich replizierte Codes sowie „Klone“, also Kopien von SAP-Standardobjekten, auffinden (siehe Abbildung 4).

Mit dem SAP Clone Finder stellt die CCLM-Anwendung ein nützliches Werkzeug zur Überwachung der kundeneigenen Entwicklungen bereit. Damit lässt sich die gesamte Bibliothek der Eigenentwicklungen nach Klonen (= Kopien von SAP-Standardobjekten), Modifikationen und Links zu SAP-Standardobjekte durchsuchen und diese analysieren. Der direkte Zugriff auf dieses Tool erfolgt über die Transaktion /SDF/CD_CCA.

Der SAP Clone Finder kann darüber hinaus auch für Ähnlichkeitsanalysen eingesetzt werden. Dadurch lässt sich ausfindig machen wie groß die Ähnlichkeit der kundeneigenen Objekte mit den SAP-Standardobjekten ist, von denen sie ursprünglich kopiert wurden.

3. Optimierung der kundeneigenen Entwicklungen

Abbildung 5. Ein Change-Impact-Analysis-Report

Sobald der tatsächliche Umfang der Eigenentwicklungen in einer SAP-Landschaft identifiziert ist und ebenfalls die Häufigkeit mit der kundeneigene Objekte darin ausgeführt werden oder ungenutzt bleiben, können diese „aufgeräumt“ werden. So wird die Performance des gesamten SAP-Systems optimiert.

Mögliche Folgen oder Probleme, die ein SAP-Upgrade oder das Einspielen und die Aktivierung eines SAP Enhancement Packages für Eigenentwicklungen hat, lassen sich mit dem Custom Development Management Cockpit (CDMC) erkennen.

4. Dashboard für das Reporting kundeneigener Entwicklungen

Der SAP Solution Manager stellt darüber hinaus eine Reihe von Dashboards für die Verwaltung wichtiger Kennzahlen (Key Performance Indicators, KPIs) zu den kundeneigenen Entwicklungen in einer SAP-Systemlandschaft zur Verfügung. In diesen Dashboards werden aktuelle Auswertungen etwa zur Qualität oder der Verwendung von Eigenentwicklungen grafisch dargestellt, was eine konsistente Kommunikation der Analyseergebnisse auf allen Ebenen eines Unternehmens ermöglicht.

Abbildung 6: Ein typisches Reporting-Dashboard für Eigenentwicklungen

Standardmäßig werden mit dem SAP Solution Manager mehrere Dashboards ausgeliefert, die folgende Reporting-Möglichkeiten bieten:

  • Evaluierung des Umfangs an Eigenentwicklungen durch Messung und Auswertung aller Erweiterungen und Entwicklungen in der Systemlandschaft, klassifiziert nach Objektarten.
  • Optimierung der Qualität kundeneigener Objekte durch die Messung des Erfolgs der Eigenentwicklungen.
  • Genaue Ermittlung und Übersicht, wie viele kundeneigene Entwicklungen verwendet werden.
  • Exakte Übersicht über alle nicht verwendeten kundeneigenen Objekte.
  • Anzeige der statistischen Daten zur Verwendung der Eigenentwicklungen nach Woche oder Monat.

Über den Autor:
Tony De Thomasis arbeitet seit 1986 im Bereich SAP Software. Er hat bei Veranstaltungen wie SAP TechEd, Mastering SAP Technologies und SAUG Vorträge gehalten, hat zudem mehr als 30 SAP Community Network Blogs veröffentlicht, hat für das SAP Professional Journal Artikel geschrieben und Publikationen bei SAP Press veröffentlicht.

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