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SAP Sapphire Now 2017: McDermott kündigt Änderung bei indirekter Nutzung an

Der indirekte Softwareeinsatz stellt viele Unternehmen vor Probleme. SAP möchte nun mit verschiedenen Veränderungen seinen Kunden entgegenkommen.

SAP CEO Bill McDermott hat das Thema der indirekten Lizenzierung in seiner Keynote auf der jährlichen SAP-Konferenz Sapphire Now 2017 in Orlando aufgegriffen.

Auf der letztjährigen Veranstaltung versprach McDermott bereits Bemühungen für eine erhöhte Kundenfreundlichkeit. Dieses Jahr nannte er als Beispiel hierfür die Entscheidung des Unternehmens, den Ansatz der indirekten Lizenzierung beziehungsweise Nutzung zu ändern.

„Ich habe gehört, dass der indirekte Zugang einige Sorgen bereitet, also lassen Sie es uns so sagen, wie es ist. Der Schutz geistigen Eigentums und die Erleichterung von Geschäftstätigkeiten ist ein heikler Balanceakt. Doch selbst wenn wir diese Balance schaffen, müssen wir mehr Einfühlungsvermögen zeigen“, sagte der SAP CEO.

„Heute verkünde ich daher eine vereinfachte Preisgestaltung. ‚Procure-to-Pay’- und ‚Order-to-Cash’-Szenarien werden nun auf Aufträgen basieren, was ein messbares Ergebnis für jedes Unternehmen ist. Statischer Lesezugriff in Drittanbietersystemen betrifft Ihre Daten, und deshalb wird SAP diese nicht berechnen.“

SAP führte in jüngster Zeit mehrere Gerichtsprozesse – einen mit dem britischen Getränkehersteller Diageo und einen mit dem belgischen Brauereikonzern Anheuser-Busch InBev – in denen verhandelt wurde, dass diese mutmaßlich SAP-Systeme und –Daten ohne die entsprechenden Lizenzen eingesetzt hätten.

Im Fall von Diageo entschied ein britisches Gericht zugunsten von SAP und gegen Diageo. Dabei ging es um den indirekten Einsatz des mySAP ERP-Systems auf einer Salesforce-Plattform.

In einem Presse- und Analystengespräch im Anschluss an seine Keynote sagte McDermott, dass es „einen notwendigen Balanceakt zwischen dem Schutz des geistigen Eigentums und einem empathischen Herzen“ gibt.

Als Antwort auf eine Frage von ComputerWorldUK sagte er, die Rechtsstreitigkeiten zwischen SAP und Diageo und in jüngerer Zeit mit der belgischen Brauerei „sind getrennte und vertrauliche Dinge, und ich bin zuversichtlich, dass es einen Ausweg geben wird.“

SAP-Preise modernisieren

In einem Blogpost schreibt Hala Zeine, SAP Corporate Development Officer, zum Thema: „Wir haben erkannt, dass traditionelle Geschäftsansätze durch neue, transparentere, modernere Denk- und Handlungsweisen ersetzt werden müssen, weshalb wir uns verpflichten, unseren Preisansatz zu modernisieren.“

„Als wir mit unseren Anwendergruppen darüber sprachen, wie wir das genau adressieren können, kam das Thema des indirekten Zugangs immer wieder auf. Indirekter Zugriff ist ein Begriff, der von unseren Anwendergruppen geschaffen wurde, um zu beschreiben, wenn ein Benutzer über eine Drittanbieter- oder benutzerspezifische Software auf ein SAP-System zugreift.“

In ihrem Post geht Zeine vor allem auf Procure-to-Pay- und Order-to-Cash-Szenarien in ERP-Systemen ein. Allerdings erscheinen in erster Linie ihre Kommentare zum indirekten statischen Lesezugriff von Bedeutung im Zusammenhang mit Fällen, die dem Diageo-Fall ähneln, zu sein.

Laut Zeine stärke der indirekte statische Lesezugriff das Argument, dass die Daten eines Kunden ihm gehören. Nur weil Daten im SAP-System seien, bedeute das nicht, dass man für deren Betrachtung zahlen muss, wenn sie außerhalb des SAP-Systems sind.

„Indirektes statisches Lesen bedeutet nur lesen, was nicht im Zusammenhang mit Echtzeit-Systemabfragen oder –anforderungen steht und keine Verarbeitung oder Rechenleistung in einem SAP-System erfordert. Indirektes statisches Lesen wird nun in die zugrundeliegende Softwarelizenz aufgenommen – das heißt, es ist von zusätzlichen Gebühren befreit, wenn ein Kunde ansonsten ordnungsgemäß lizenziert ist.“

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Im Interview auf der Sapphire Now macht Sonya Swann, Vice President und Global Head of Pricing and Commercialisation bei SAP, gegenüber der TechTarget-Schwesternpublikation Computer Weekly klar, dass das Thema der indirekten Lizenzierung bereits seit Ende 2015 von den SAP-Anwendergruppen angesprochen wurde.

„Die Industrie verändert sich und wir müssen uns mit diesen Veränderungen mitentwickeln“, sagt sie. Dabei bezieht sie sich vor allem auf die Verschiebung zur Cloud als Bereitstellungsmodell und auf SAP-Kunden, die andere Anwendungen verwenden, die mit dem SAP-ERP-System verbunden sind.

„Die Welt hat sich seit den 1990er Jahren verändert, als sich Mitarbeiter unserer Kunden direkt in den [Enterprise-Software-] Systemen angemeldet haben. Heute kann es eine Vielzahl von Gruppen von Nutzer geben – Partner, Konsumenten, die Aufträge über E-Commerce-Portale machen, und so weiter. Es gibt sogar Geräte, wie zum Beispiel Sensoren, die den menschlichen Zugriff nachahmen.“

Die benutzerbasierte Preisgestaltung hätte nach Angaben von Swann zwar in der Vergangenheit gut funktioniert und funktioniert bis zum einem gewissen Grad immer noch, doch sie funktioniere nicht für indirekte Nutzungsszenarien. Dies sei keine Reaktion auf den Fall Diageo.

„Wir denken seit zwei Jahren über dieses Thema nach“, erläutert Swann. „Es ist ein jahrzehntealtes Problem, und SAP ist nicht das einzige Unternehmen, das diesem gegenübersteht. Es ist eine sehr komplexe Herausforderung und wir werden es nicht über Nacht lösen können.“

„Geht es um den Umstieg vom Verkauf von Code zum Verkauf von Geschäftsergebnissen? Ja, so ist es. Im Wesentlichen sagen wir, dass wir uns auf die Ergebnisse von Prozessen konzentrieren, wo der Geschäftswert, den man erhält, der Bearbeitung der Aufträge entspricht.“

„Was wir für unsere Kunden nicht wollen ist, dass sie zu Drittanbietern gehen, die unseren Kunden nicht unbedingt den besten Rat [über die Lizenzierung] geben. Wir wollen, dass sich die Kunden bei der Annäherung an uns wohl fühlen und uns beraten.“

SAP-Anwendergruppen sehen Entwicklung positiv

Von Anwenderseite kommentiert Paul Cooper, Vorsitzender der SAP-Anwendergruppe in Großbritannien und Irland, das Umdenken positiv: „Wir freuen uns, dass SAP endlich tätig wird, da wir seit mehreren Jahren die Frage der indirekten Lizenzierung direkt und über die SAP-Anwendergruppen [SAP User Group Executive Network, SUGEN] angesprochen haben. Es hat sich zu einem kritischen Thema für viele unserer Mitglieder entwickelt und wir sind sicher, dass dem neuen Lizenzmodell mit Interesse begegnet wird. Im Großen und Ganzen sollte der Umzug von einem benannten Benutzer zu einem Business-Metrik-Modell, das Leben für die meisten Kunden einfacher machen.“

„Insgesamt ist es ein Anfang und es ist gut, etwas Klarheit über drei der beliebtesten Prozesse zu bekommen, die SAP unterstützt, aber es ist noch ein langer Weg. Über SUGEN haben wir bereits Feedback gegeben, wo Verbesserungen vorgenommen werden müssen und Bereiche hervorgehoben, in denen es mehr Klarheit geben muss. Zum Beispiel gibt es nur sehr wenige Benutzer, die nur Aufträge bearbeiten. Wenn es darum geht zu entscheiden, welche Lizenzmetrik verwendet soll (benannte Benutzer oder Auftragsmenge), müssen Kunden sicherstellen, dass sie verstehen, was für sie und ihr Geschäft am besten ist, sowohl jetzt als auch in Zukunft.“

„Die Lizenzierung ist ein unglaublich komplexes Thema, so dass es zwingend erforderlich ist, dass SAP so viele Informationen und Schulungen für Kunden bietet wie möglich, mit Arbeitsbeispielen, die Kunden klar verstehen. SAP muss außerdem sicherstellen, dass Account Manager im vollen Umfang ausgebildet sind, so dass sie mit Kunden arbeiten können und den richtigen Weg artikulieren, den man gehen muss.“

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