Netzwerk-Strategien für 2015

Aufstrebende Firmen bringen 2015 neue Technologien und somit neuen Schwung in die Netzwerk-Branche und die dazugehörigen Hardware-Komponenten.

Am Anfang des Jahres 2015 ist es sinnvoll, einen Blick auf die Netzwerk-Hardware-Trends für die nächsten 12 Monate zu werfen. Sich nur auf die Optionen für den Austausch von Komponenten zu konzentrieren, reicht dabei nicht aus. Wir müssen uns ansehen, in welche Richtung die Netzwerk-Technologie geht und was das für uns bedeutet.

Ignoriert man Kaufentscheidungen und sieht sich das große Ganze an, dann lässt sich bewerten, was aufstrebende Firmen unternehmen, um unsere Ansichten in Sachen Netzwerk neu zu definieren. Es geht hier um höhere Standardisierungs-Niveaus, Konvergenz und Virtualisierung, aber auch wie sich Start-up-Unternehmen diesen Herausforderungen stellen.

Nachfolgend haben wir zusammengefassst, was Sie für das Jahr 2015 auf dem Radar haben sollten.

Standardisierung

Im Jahre 2015 werden wir eine Verschiebung bei den IT-Investitionen in Richtung standardisierter Hardware- und Software-Produkte sehen. Die Anstrengungen für Hardware- und Software-Standardisierung bei SDN (Software-defined Network) und NFV (Network Function Virtualisation) im WAN-Bereich (Wide Area Network) werden die Architekturen der Unternehmens-Netzwerke und deswegen die Ausgaben beeinflussen.

Virtualisierung

Existierende Hardware im Data Center wird in virtualisierten Umgebungen optimiert. Anwendungen wird man an Provider von Public Clouds auslagern und somit die Hardware-Gleichung grundlegend verändern.

Konvergenz

Hyper-konvergente Infrastrutkur-Produkte kombinieren Computing-, Networking- sowie Storage-Ressourcen und sind eine Universallösung. Hyper-konvergente Appliances bieten skalierbare Architekturen, die die Ansprüche der meisten gemeinsam genutzten Virtualisierungs-Umgebungen erfüllen. 

Um dies zu ermöglichen, wurden Software-Pakete vereint und entsprechend angepasst, um Konvergenz für Netzwerk-Funktionen zu ermöglichen, für die bisher dedizierter Hardware erforderlich war. Wir sprechen an dieser Stelle zum Beispiel von WAN-Optimierungs-Lösungen, Paket-Shaper, Application-Development-Controller, Performance-Manager für Anwendungen und Netzwerk, Load Balancer und Next-Generation Firewalls. Damit werden Storage und Security enger mit Netzwerk-Topologien verbunden und aus diesem Grund in Netzwerk-Hardware und -Software eingebettet oder implementiert.

Neue Herausforderungen für das Jahr 2015

Mit den nachfolgenden Anforderungen der Geschäftsleitung müssen sich die meisten Netzwerk-Manager von Unternehmen im Jahre 2015 befassen:

  • Sie müssen mit 100 Prozent Traffic-Wachstum umgehen können, haben dafür allerdings genau das gleiche Budget wie 2014 zur Verfügung.
  • Ein Großteil dieses Traffic-Wachstums wird sensibel auf Latenz reagieren. In erster Linie wird das Video sein.
  • Der Bedarf an BYOD (Bring Your Own Deivce) wird wachsen. Netzwerk-Administratoren müssen sich um die Sicherheit kümmern und QoS (Quality of Service) garantieren.
  • Sie müssen den Investitionsaufwand minimieren und sich an Branchenstandards und Bare-Metal-Hardware halten, um SDN/NFV unterstützen zu können.
  • Es ist eine maximale Optimierung der Betriebskosten in Sachen Software und Hardware erforderlich.

Mit diesen Schlüssel-Konzepten für Netzwerke unterstützen Sie Business-Prozesse. Weiterhin verschiebt sich mehr Traffic in Richtung Ethernet, es gibt flexiblen Cloud-Einsatz und bessere Integration von Security- und Storage-Leistungsmerkmalen. Start-up-Unternehmen präsentieren den dominanten Ausrüstern interessante und neue Produkte in all diesen Kategorien.

Die Netzwerk-Hardware an die Business-Prozesse anpassen

Verschiebt sich der Fokus der Käufer von der Marke zu Ware, ist das eine größere Herausforderung für die Profitspannen der Premium-Netzwerk-Hersteller wie Cisco, HP und IBM. Auf der anderen Seite ist es eine Chance für geschickte Start-up-Unternehmen in der Netzwerk-Hardware-Branche. Die Loyalität zur Marke nimmt ab und der Fokus verschiebt sich in Richtung Unterstützung horizontaler Business-Prozesse.

Start-up-Hardware-Anbieter übernehmen die gleiche Hyper-Konvergenz-Logik, die auch die Software-Hersteller an den Tag legen. Sie integrieren komplementäre Software-Funktionalität in Ihre Hardware, um Kern-Business-Prozesse zu unterstützen. 

Das Resultat ist Hardware mit besserem Integrations-Niveau. Es ergeben sich günstigere und einfachere Einsatzmöglichkeiten. Die Skalierbarkeit ist besser als bei der Software- und Markenware-Konkurrenz möglich. Anstatt Funktionen auszulagern, plädieren diese Netzwerk-Hardware-Start-ups für Enterprise-Netzwerk-Strategien am Standort. Dieses Signal macht Investoren Appetit.

Die Investoren suchen an dieser Stelle nicht nach Start-up-Unternehmen, die Bausteine und Anleitungen zum Selbermachen (DYI) ausliefern. Man wirft den Blick eher auf aufstrebende Lieferanten mit integrierter Hardware und Software. Diese können spezielle Business-Anforderungen mit einem besseren Amortisierungsfaktor (Time-to-Value) adressieren als existierende Wertversprechen auf dem Markt. 

Der Marktführer VMware hat bei seinem Evo:Rail-Konzept alle Teile von vSphere und vSAN mit sieben Hardware-Partnern aufeinander abgestimmt. Das sind Dell, EMC, Fujitsu, Chinas marktbeherrschender Cloud-Computing- und Service-Provider Inspur, der Infrastruktur-Optimierer aus Japan NetOne, HP und SuperMicro. Letzteres Unternehmen ist ein Anbieter für Applikations-optimierte Server, Workstations, Blade, Storage und GPU-Systeme.

Das Start-up-Unternehmen Scale Computing mit seinen HC3-Plattformen ist eine interessante Herausforderung für das Design von Evo:Rail. Scale Computing richtet sich an kleine bis mittelständische Unternehmen (SMB) und verspricht einfachen sowie schnellen Einsatz. 

Die drei HC3-Plattformen skalieren von 40 bis zu 400 virtuellen Maschinen (VM). Scale Computing verwendet eine angepasste Version von Red Hats Hypervisor KVM und nutzt eine Block-Storage-Architektur. Das steht im Gegensatz zu VMware Virtual SAN und seinem Objekt-basierten Ansatz. 

KVM bietet vielleicht nicht so viele Funktionen wie vSphere, dafür setzt Scale Computing auf die Schlichtheit des Betriebs und auf attraktive Preise. Weiterhin verwendet das Unternehmen eine skalierbare Architektur, die mit vier Nodes umgehen kann, falls die Infrastruktur wächst.

Große Unternehmen sollten sich die Start-up-Unternehmen SimpliVity und das Produkt OmniCube genauer ansehen. Es handelt sich hier um eine hyper-konvergente Infrastruktur. Sie liefert die Skalierbarkeit eines Cloud-Computing-Modells, garantiert der Enterprise-IT aber gleichzeitig Performance und Elastizität für virtuelle Workloads. 

OmniCube besitzt eine Datenarchitektur, die Dateneffizienz und globale Management-Anforderungen in virtualisierten und Cloud-Computing-Umgebungen adressiert. Der einzelne, zusammengefasste Stack läuft auf standardmäßigen und hyper-konvergenten x86-Bausteinen. Das vereinfacht die Infrastruktur und senkt gleichzeitig die Kosten. Rollt man ein Netzwerk mit zwei oder mehreren OmniCubes aus, kreiert das einen globalen Verband, der Daten-Bewegungen, gemeinsames Nutzen von Ressourcen und Skalierbarkeit ermöglicht.

Ethernet-Einsatz

Die Akzeptanz von Ethernet ist weiterhin auf dem Vormarsch. Start-up-Unternehmen wie Arista steuern Wichtiges zu den 10-1000-Gbps-Ethernet-Switches bei, die bei Cloud-Service-Providern mit speziell angefertigter Hardware eingesetzt werden sollen. Das Netzwerk-Betriebssystem Arista EOS bietet ein einzelnes, binäres System-Abbild für alle Plattformen. 

So maximiert man die System-Uptime und kann zustandsbezogene Fehler-Reparatur, Zero-Touch Provisioning und Latenz-Analyse durchführen. Außerdem erhält man Zugriff auf eine vollständige Linux-Shell oder Kommandozeilen-Umgebung. Durch die native Unterstützung für VMware-Virtualisierung und mehrere Hundert hardwareintegrierten Linux-Applikationen, erfüllt das System die strengen Strom- und Klimatisierungs-Anforderungen der modernen Data Center.

Cloud in einer Box

Im SMB-Markt steht mit Nuvlabox von SixSq eine schlüsselfertige Cloud-in-a-Box-Lösung zur Verfügung. Die Hardware in Größe eines Mac Minis beinhaltet ein komplettes IaaS-Framework von StratusLab plus einem von Slipstream-PaaS (Platform as a Service). Das eingebaute WLAN stellt Netzwerkkonnektivität zur Verfügung. 

Sie können bis zu acht virtuelle Maschinen laufen lassen. Die Kapazitätsgrenzen lassen sich das Hinzufügen weiterer Boxen erweitern, die dann wie eine einzelne Einheit gemanagt werden. Nuvlabox bringt diverse Standard-Apps und Betriebssystem-Abbilder mit. Dazu gehören verschiedene Versionen an Linux und Windows

Weiterhin sind ein sicheres Remote-Monitoring und das Ausrollen von Anwendungen von einem einzelnen Dashboard aus möglich. Um die Diskussionen beim Investitionsaufwand zu adressieren, hat SixSq sein Geschäftsmodell in Richtung B2B-Lizenzierung verschoben. Service-Provider zahlen eine Leihgebühr für die Ausrüstung, SixSq kümmert sich um die Wartung und stellt Call-Center-Support zur Verfügung.

Netzwerk-Security

Der erhöhte Einsatz von IT bietet Unternehmen einen Mehrwert bezüglich Netzwerk-Transaktionen, lockt aber auch jede Menge unerwünschte Aufmerksamkeit an. Im Jahre 2015 erwarten wir, dass mehr böswillige Hacker, Skript-Kiddies, professionelle Diebe und von Regierungen gesponserte APT-Angriffe (Advanced Persistent Threat) Firmennetzwerke ins Visier nehmen. 

Man muss sich aber weiterhin um die niedrig hängenden Früchte kümmern. Das wären zum Beispiel die Sensibilisierung von Mitarbeitern für schwache Passwörter, Phishing-Angriffe, schnelleres Patchen von Sicherheitslücken und bessere Verteidigungs-Maßnahmen gegen DoS (Denial of Service). Man braucht außerdem bessere Tools und Prozeduren, um die Enterprise-Netzwerke zu schützen. Außerdem ist zu garantieren, dass diese Maßnahmen die Governance, sowie die Risiken- und Konformitäts-Anforderungen von Unternehmen erfüllen (GRC – Governance, Risk, Compliance).

Bromium ist ein Anbieter, der sich um diese Anforderungen kümmert. Die Firma kombiniert einen Software-Client auf jedem Gerät mit einem zentralen Security-Server. Für die Identifizierung von Gefahren werden weder Signaturen noch Verhalten oder Heuristik genutzt. Der vSentry-Client kreiert eine von der Hardware isolierte Mikro-VM für jede Netzwerk-Aufgabe. 

Dazu gehört zum Beispiel der Besuch einer Website, das Downloaden eines Dokuments oder das Öffnen eines E-Mail-Anhangs. Jede Mikro-VM ist von den anderen und vom vertrauenswürdigen Enterprise-Netzwerk getrennt. Somit ist potenzielle Malware in einer von der Hardware isolierten Mikro-VM eingeschlossen. 

Bromiums Lava-Server (Live Attack Visualization and Analysis) wandelt jede Mikro-VM im Unternehmen in einen so genannten Honeypot und automatisiert den oft langwierigen Analyse-Prozess nach einem Malware-Befall. Ein kompletter Angriff wird automatisch und sofort an die Lava-Konsole weitergeleitet. Dort wird dann eine automatische und ausführliche Analyse der APT-Malware durchgeführt.

Netzwerk-Storage

Kommunikation via Video und soziale Netzwerke von mobilen Geräten aus mit „Always-on“-Technologie hat die Datenmengen dramatisch steigen lassen. In Unternehmen setzt Big-Data-Analyse auf riesige Mengen an unstrukturierten Daten. Oftmals besteht das aus großen Dateiformaten, die sicheren Storage benötigen. 

Weiterhin braucht man schnelle Wiederherstellungskapazitäten. Die Netzwerk-Datenspeicher wachsen von Exabyte- auf Zettabyte-Niveau und noch höher. Die meisten Kritiker und einige Analysten-Firmen orakeln, dass sich Traffic und Storage-Volumen weiterhin alle zwei Jahre lang verdoppeln werden. 

Next-Generation Storage-Systeme beinhalten hyper-skalierbares Daten-Storage. Für die Verbesserung der Nutzung ist Virtualisierung an Bord, sowie Cloud-Storage für Disaster Recovery. Außerdem verbrauchen sie weniger Strom, womit sich Kosten sparen lassen. Um die Storage-Sicherheit zu erhöhen, bringen die Storage-Systeme Datenverteilung und Keyless-Verschlüsselung mit sich. Das soll die Datensicherheit erhöhen und vor Einbrüchen schützen.

Das Start-up-Unternehmen Solidfire hat ein Storage-System entwickelt, das sich sehr gut skalieren lässt. Solidfire garantiert entsprechende Storage-Performance und es ist vollständige System-Automatisierung gegeben. Kombiniert mit Enterprise-Anwendungen und einer tiefgehenden Integration mit Schlüssel-Management-Frameworks, bietet Solidfire validierte Produkte, die den Einsatz von Next-Generation Data Centern geschlossener, höher automatisiert und dynamisch skalierbarer machen.

Am oberen Ende ist Insieme Networks die treibende Kraft hinter Cisco ACI (Application Centric Infrastructure), der lang erwarteten SDN-Strategie von Cisco. Die ACI-Architektur verwendet eine Mischung aus handelsüblichen und maßgeschneiderten Asics, plus der neuen Serie an Nexus-9000-Switches und seinem APIC (Application Policy Infrastructure Controller).

Etablieren von Business-Modellen

Start-up-Unternehmen in der Netzwerk-Hardware-Branche eröffnen nicht nur neue Technologie-Perspektiven. Sie schaffen auch neue Business-Modelle und etablieren Beziehungen zu Kunden. Setzen Anwender auf standardisierte Plattformen, können Sie selbst mehr Prozess-Management und Security-Aufgaben übernehmen. Durch ein höheres Niveau an Personalisierung und Kontrolle können Nutzer auf einfache Weise alternative Business-Prozesse erkunden und Funktionen plattformübergreifend kombinieren. Damit lässt sich einen schnellere Amortisierung erzielen.

2015 verspricht ein sehr aufregendes Jahr für die IT-Abteilungen zu werden, die ihre Netzwerk-Infrastruktur im Unternehmen reorganisieren wollen. Möglicherweise lassen sich sogar alle Netzwerk-Ziele der Geschäftsleitung erfüllen.

Über den Autor:
Bernt Ostergaad ist Analyst bei Quocirca.

Folgen Sie SearchNetworking.de auch auf Facebook, Twitter und Google+!

Erfahren Sie mehr über Software-defined Networking

- GOOGLE-ANZEIGEN

ComputerWeekly.de

Close