Meinung: Lünendonk-Liste zu Business Intelligence ist grober unfug

Auf der gestern erschienene Lünendonk-Liste Top 15 der Anbieter für Business-Intelligence-Standardsoftware fehlen vier der größen BI-Anbieter in Deutschland.

Auf der gestern erschienen Lünendonk-Liste "Top 15 der Anbieter für Business-Intelligence-Standardsoftware" fällt etwas direkt ins Auge: Jedem halbwegs Vertrauten mit dem Business-Intelligence-Markt in Deutschland stellt sie sich sofort als groben Unfug dar.

1. Vier der fünf größten BI-Anbieter in Deutschland fehlen: SAP, Oracle, IBM, Microsoft - das sind ungefähr 50% des Umsatzes des BI-Softwaremarktes in Deutschland.

2. Das Aufnahmekriterium für eine Aufnahme in die Liste ist: „Mehr als 50% des Umsatzes werden mit der Produktion, Vertrieb und Wartung eigener Business-Intelligence-Software-Produkte erzielt“. Dies ist offensichtlich nicht erfüllt bei Sybase (als Nr. 2 der BI-Anbieter in Deutschland ausgewiesen), deren Hauptumsatz in einer relationalen Datenbank für operative Anwendungen und mobilen Applikationen liegt – der Business-Intelligence-bezogene Umsatz dürfte geringer als 10% sein, Orbis (Nr. 5 der Liste), die ihren Hauptumsatz mit ERP und CRM-Einführung machen und Novem (Nr. 13), die IBM Cognos Software weiterverkaufen. Bei CSS ist es eine Definitionsfrage, welche der angebotenen Lösungen überhaupt dem Segment Business Intelligence zugeordnet werden können. 

3. Wenn das Aufnahmekriterium in die Liste die Produktion, Vertrieb und Wartung von Standardsoftware ist, dann sollte sich der Umsatz folgerichtig auch auf dieses Tätigkeiten beziehen. Die ausgewiesenen Umsätze sind aber offensichtlich Gesamtumsätze inklusiver weiterer Leistungen wie Implementierungsberatung. Der Anteil des eigentlichen Softwareumsatzes ist aber bei den aufgeführten Anbietern höchst unterschiedlich und schwankt zwischen 55 und 95%. Damit sind die Anbieter aber zumindest hinsichtlich einer Aussagekraft für "Anbieter für Standardsoftware" nicht anhand ihres Gesamtumsatzes vergleichbar.

Fazit: Es fehlen 4 der Top 5 Anbieter, es finden sich in den angeblichen Top 15 Anbietern 3-4, die nach Aufnahmedefintion gar nicht auftauchen dürften und es wird nicht unterschieden zwischen Beratungs- und Softwareumsatz. Diese „Top 15 der Anbieter für Business-Intelligence-Standardsoftware“ erhöht nicht die Markttransparenz, sondern stellt den BI-Markt in Deutschland fundamental falsch dar.

Über den Autor:

Dr. Carsten Bange ist geschäftsführender Gesellschafter des Business Application Research Centers (BARC). Er ist seit mehr als 10 Jahren für nationale und internationale Unternehmen verschiedenster Branchen und Größen im Rahmen der Strategie- und Architekturberatung, Werkzeugauswahl und Qualitätssicherung in Business-Intelligence- und Datenmanagement-Projekten tätig. Als neutraler Beobachter des Softwaremarktes ist er ein häufiger Redner bei Tagungen und Seminaren sowie Autor zahlreicher Fachpublikationen und Marktstudien.

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