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LinkedIn-Kauf erweitert das HR- und Talent-Management-Portfolio von Microsoft

Mit dem Kauf von LinkedIn für 26,2 Milliarden Dollar könnte Microsoft zu einem der führenden Unternehmen im Bereich HR-Technologie aufsteigen.

Mit dem Angebot, LinkedIn für 26,2 Milliarden Dollar zu kaufen, positioniert sich Microsoft im Bereich Talent-Management neu, indem es Lern-, Recruitement- und Social-Networking-Anwendungen für Unternehmen übernimmt und in sein Office-Softwareportfolio integriert.

Laut Holger Mueller, Vice President und Principal Analyst bei Constellation Research, signalisiert der Kauf, dass Microsoft Office 365 eines Tages ein Cloud-basiertes HR-System mit Funktionen für das Tracken von Mitarbeiterinformationen, Leistungen und Daten werden könnte. „Der Kauf bietet viel Potenzial“, ist Mueller überzeugt.

Mit mehr als drei Milliarden Dollar Jahresumsatz rangiert LinkedIn unter den fünf größten HCM-Anbietern. Das weltweite Karrierenetzwerk LinkedIn kaufte letztes Jahr zudem die Online-Lernplattform Lynda.com und ist bekannt für seine Recruiting-Technologie.

„LinkedIn bietet eine enorme Menge von Daten, mit denen sich Cortana, dem persönlichen Assistenten in Microsoft Windows 10, weiterentwickeln lässt“, sagt Mueller. „Das wird sicher die Zukunft der Arbeit beeinflussen.“

Microsoft CEO unterstreicht Bedeutung des Talent-Managements

In einer E-Mail an die Mitarbeiter betont Microsoft CEO Satya Nadella welche Bedeutung das Talent-Management für den Kauf von LinkedIn hat: „Im Grunde können wir neue Möglichkeiten entwickeln, um Fachpersonal produktiver zu machen, während wir zur gleichen Zeit den Verkaufs-, Marketing- und Talent-Management-Geschäftsprozess neu erfinden.“

Microsoft zahlt 196 Dollar pro LinkedIn-Aktie, was einen Wert von 50 Prozent über dem Aktienschlusskurs vom 10. Juni 2016 entspricht. LinkedIn wird als Marke erhalten bleiben und unabhängig arbeiten können, so Nadella. Jeff Weiner wird CEO des Karrierenetzwerks bleiben.

Aus Sicht verschiedener Analysten könnte sich der Deal in mehrerer Hinsicht lohnen. „Der Kauf ist eine phänomenale Möglichkeit für Microsoft, die Reichweite seiner Office-Tools zu erweitern“, ist John Sumser, Principal Analyst bei HRExaminer, überzeugt. „Mit der Übernahme konzentriert sich Microsoft auf seine Stärken als Anbieter von Produktivitätssoftware.“

Microsoft erhält Lernplattform

Durch den Kauf erhält Microsoft die Online-Lernbibliothek von Lynda.com; SlideShare, der weltweit größten Plattform zum Teilen von PowerPoint-Präsentationen; und Tools wie Rapportive, das Nutzern alles zu ihren Kontakten im Posteingang zeigt. Diese Assets können nach Ansicht von Sumser die Produktivitätsanwendungen von Microsoft erweitern.

SlideShare könnte den Lebenszyklus von PowerPoint um weitere zehn bis 15 Jahre verlängern, da es die Verwendung von PowerPoint einfacher und relevanter macht. Zum Beispiel kann ein Mitarbeiter, der zum ersten Mal eine PowerPoint-Präsentation erstellt, zu SlideShare gehen und eine Präsentation suchen, die seinen Bedürfnissen entspricht.

„LinkedIn ist eine der besten und meistgenutzten Social-Media-Plattformen für das Recruiting“, sagt Jenna Filipkowski, Forschungsleiterin des Human Capital Institutes. „LinkedIn bietet Unternehmen und Personalvermittlern Zugang zu einem der größten sozialen Netzwerke.“

Im Bereich Rekrutierungstechnologie bietet LinkedIn verschiedene Tools, inklusive der Fähigkeit, nach idealen Kandidaten unter den 400 Millionen Mitgliedern, Berichten und Analysen zu suchen. Unternehmen können sich außerdem bewerben und eigene Karriereseiten, personalisierte Rekrutierungsseiten und Verweise erstellen.

LinkedIn als soziales Business-Netzwerk

Laut Filipkowski ergänzt der Kauf beide Unternehmen im Hinblick auf die Bedeutung von Talent-Management- und wissensbasierter Technologie. „HR-Profis und Recruiter verwenden LinkedIn die ganze Zeit, um neue Mitarbeiter für ihre Organisation zu finden. Es ist nur natürlich, Talente mit Technologien zu verbinden.“

Brian Sommer, Gründer des Forschungsunternehmens Vital Analysis, hat gemischte Gefühle bei dem Deal, denkt aber auch, dass es eine große Chance für das Talent-Management von Microsoft bietet. „Microsoft könnte davon profitieren, wenn es seine Tools im Bereich künstliche Intelligenz und Analytics mit der Datenbank und den Profilen von LinkedIn verbindet“, sagt Sommer.

„Wenn diese Technologie auf ein LinkedIn-Profil zugreifen kann, kann sie dieses mappen und herausfinden, wo und wie eine Karriere vorangekommen ist“, erläutert er. „Es könnte extrapolieren und vorhersagen, welcher der nächste Karriereschritt sein könnte, und mit diesem Wissen Vorschläge für bestimmte Arten von Schulungen machen.“

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Die Schwäche von LinkedIn ist nach Ansicht von Sommer, dass Manager aus dem mittleren Management gut in der LinkedIn-Datenbank vertreten sind, normale Arbeiter, Führungskräfte oder Hochschulabsolventen aber nicht. „LinkedIn könnte sich hier verbessern, indem es einige Teile dieser Gruppen in das Netzwerk lockt. Microsoft wird dabei helfen.“

„Für Microsoft macht es Sinn, in den Talent-Management-Markt einzutreten. Die Akquisition von LinkedIn ist ein logischer Schritt“, sagt Brent Skinner, Principal Analyst von Nucleus Research. „Die meisten Mitarbeiter verbringen einen großen Teil ihrer Arbeitszeit bereits mit Microsoft Office. Es ist daher eine Frage des Talent-Managements aus Sicht des Arbeitnehmers.“

Der Kauf macht es für Talent-Management-Anbieter notwendig, eine Partnerschaft mit Microsoft einzugehen. Anwendungen von SilkRoad arbeiten laut Skinner bereits Hand in Hand mit Office 365 zusammen.

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Artikel wurde zuletzt im Juni 2016 aktualisiert

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