Huawei: Modulare Data Center sind energieeffizienter, flexibler und skalierbarer

Bei herkömmlichen Rechenzentren ist die IT-Ausstattung an die Gebäudeanlagen gekoppelt. Modulare Data Center bieten eine flexible Alternative.

Bei der Data-Center-Technologie sind immer bessere Energieeffizenz, hohe Flexibilät und Skalierbarkeit sowie ein einfaches Management gefragt. Modulare Rechenzentren sind eine Antwort auf diese Forderungen. SearchDataCenter.de hat mit Herrn Fu Yu, Vice President of Data Center Infrastructure Domain bei Huawei Technologies, über dieses Thema gesprochen.

Was ist ein Modular Data Center und welche Vorteile bietet es gegenüber herkömmlichen Lösungen?

Fu Yu: Ein Rechenzentrum besteht aus mehreren kritischen Infrastrukturen, beispielsweise Stromversorgung, Kühlung, Racks, Management und so weiter. In einem herkömmlichen Data Center sind diese Infrastrukturen in der Regel mit den Gebäudeanlagen gekoppelt. Das beansprucht bei der Implementierung eine lange Zeit. Darüber hinaus sind die Kapazität und die Struktur eines Rechenzentrums unflexibel. Das grundlegende Konzept des Modular Data Centers ist die Entkopplung aller Komponenten von der Umgebung und deren Integration in ein Modul. Ein Modul selbst kann als ein Data Center arbeiten. Die Konfiguration eines Moduls ist außerdem sehr flexibel, um den Bedarf von dynamischen Unternehmen zu erfüllen.

Fu Yu,
Vice President Data Center
Infrastructure Domain,
Huawei Technologies Co., Ltd

Mit dem Modular Data Center reduziert sich die Anzahl der Vorort zu installierenden Einzelkomponenten, da wir diese bei der Herstellung vorproduzieren und entsprechend liefern können. Wir haben das komplette Produkt mit Redundanzmechanismen und -architektur für höhere Zuverlässigkeit ausgestattet. Unsere Intelligent Data Center sind darauf ausgelegt, den Kunden dabei zu helfen, Stromverbrauch und laufende Kosten (Opex) zu reduzieren.

Bei einem Modular Data Center reduziert sich die Bereitstellungszeit im Vergleich zu einem Data Center herkömmlicher Bauart um bis zu 50 Prozent. Die Investitionskosten (Capex) fallen um bis zu 30 Prozent niedriger aus.

Eine traditionelle unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) ist in einem Rack mit einem Controller untergebracht. Bei unseren modularen UPS-Systemen (Uninterruptible Power Supply) arbeiten wir mit separaten Komponenten und Redundanz, um die Zuverlässigkeit zu erhöhen. Durch den modularen Aufbau können Kunden kritische Baugruppen selbst wechseln ohne kostspielig den Hersteller rufen zu müssen. Beispielsweise müssen in einem normalen UPS alle drei Jahre die Kondensatoren ausgetauscht werden. Bei unseren UPS ist das einfach durch Tausch der modularen Baugruppe möglich.

Außerdem sorgt unsere Embedded-Software dafür, dass alle Elemente überwacht werden, wie kritische Baugruppen sowie Lüfter und natürlich die Batterien. So managen wir den Lifecycle und den Status der Komponenten. Damit lassen sich Fehler und Probleme proaktiv finden und die Zuverlässigkeit des Infrastructure Layers gewährleisten.

Wir verwenden drahtlose Kommunikation für die Signalverbindung zum Management-System. Mit 16 Slots pro Schrank können sich schnell 200-300 Verbindungen ergeben. Dank unserer Wireless-Technologie wird dies zu einem einfachen Plug-and-Play-Modell reduziert. Für die Datenverbindungen verwenden wir dagegen Glasfaser. Wir haben unsere Management-Software so entwickelt, damit sie die Ergebnisse zentral verwalten kann. Das sind zum Beispiel der verfügbare oder belegte Platz, die Leistungsaufnahme und so weiter.

Was ist der Unterschied zwischen dem Intelligent Data Center und dem Modular Data Center von Huawei?

Yu: Die Technologien, die wir in Rechenzentren einsetzen, werden ständig weiterentwickelt, um verschiedene Arten von Herausforderungen zu begegnen. Das Modular Data Center stellt mehr Flexibilität, Skalierbarkeit und Agilität für die physische Infrastruktur im Rechenzentrum bereit und verbessert die Energieeffizienz. Das Intelligent Data Center basiert auf der Grundlage des Modular Data Center. Hier liegt die Aufmerksamkeit verstärkt auf der Interaktion zwischen IT-Einrichtungen und physischen Infrastrukturen. Damit eine weitere Optimierung der Effizienz – sowohl der Energieeffizienz als auch der O&M-Effizienz (Operations and Maintenance) – erreicht wird. Die Mission unseres Intelligent Data Center ist es, Rechenzentren einfacher, umweltfreundlicher und zuverlässiger zu machen.

Unterstützt Ihre Management-Software offene Standards und nutzt sie industrieübliche Kommunikationsschnittstellen?

Yu: Definitiv! Stellen Sie sich das Interface vor. Es besteht aus zwei Teilen: Hard- und Software. Im Fall eines Kommunikationsnetzwerks meint die Software das OSS System. Im Fall des Inventarsystems wollen wir eine offene Architektur mit offenen Schnittstellen zu allen anderen Herstellern anbieten. Huawei und alle andere Hersteller können Applikationen auf dieser Plattform entwickeln. Für die Hardware können wir die Interfaces wie SMTP oder andere Protokolle nutzen, um diese Software zu verbinden. Es ist keine geschlossen Plattform, sondern eine offene Public Platform für die Data-Center-Industrie.

Handelt es sich dabei um Ihre „eigene“ offene Plattform oder folgt sie einem offenen Standard?

Yu: Wir sind auf dem Weg die Plattform zusammen mit Kunden und anderen Herstellern zu einem Standard zu machen. Wir wollen ein Eco-System aufbauen, das offen ist für Dritte.

Für welche Unternehmensgröße eignet sich ein Intelligent Data Center?

Yu: Die Konfiguration des Intelligent Data Center ist flexibel. Sie kann so klein wie mehrere Racks und so groß wie eine unbegrenzte Anzahl von Modulen mit Hunderten oder sogar Tausenden von Racks sein. Mit anderen Worten: das Intelligent Data Center passt sich den Anforderungen von KMUs bis hin zu großen Rechenzentren von beispielsweise ISPs und Carrier-Netzwerken an.

Huawei gibt an, dass das Modular Data Center beziehungsweise Intelligent Data Center energieeffizienter ist als herkömmliche Data Center. Wie erreichen Sie das?

Yu: Hocheffiziente Komponenten und ein ausgeklügeltes Luftstrom-Management reduzieren den Kühlbedarf. Das zentrale Management-System verwaltet über intelligente Controller die Klimaanlageneinheiten. Die Daten der Sensoren im Intelligent Data Center werden drahtlos an das System übermittelt.

Alle unseren UPS erreichen mit 20 Prozent Last eine Effizienz von 95 Prozent, mit 40 Prozent Last sind es 96 Prozent. Da wir nicht nur die UPS-Hardware herstellen, sondern auch die weiteren IT-Komponenten, erfahren wir außerdem die momentane Leistungsaufnahme zum Beispiel der Server und Netzwerk-Hardware und können die Klimatisierung sehr effizient anpassen. Wir nennen das iCooling Technology.

Mit iPower steuern wir außerdem die Stromversorgung, um sicherzustellen, dass alle Geräte möglichst effizient arbeiten.

Modular Data Center: Ausgekluegeltes Luftstrom-Management reduziert den Kuehlbedarf.Modular Data Center: Ausgeklügeltes Luftstrom-Management reduziert den Kühlbedarf.

 

PUE ist der Indikator für die Energieeffizienz von Rechenzentren. In einem herkömmlichen Data Center erreicht die PUE ist in der Regel den Wert 2,0. Das bedeutet, dass mehr als 50 Prozent der Energie von Nicht-IT-Anlagen verbraucht wird. Dagegen beträgt der PUE eines Intelligent Data Center rund 1,44 (ohne freie Kühlung; kleine Unterschiede in verschiedenen Regionen). Im Intelligent Data Center wird also mehr Energie von den IT-Einrichtungen statt von Stromversorgung, Kühlung und andere untergeordneten Einrichtungen verbraucht.

An welchen zukünftigen Konzepten für das Modular Data Center arbeiten Sie?

Yu: Für die Zukunft wollen wir erreichen, dass das Data Center automatisch gemanagt wird. Dazu könnten beispielsweise Roboter Komponenten warten und austauschen, für die das Management-System einen bevorstehenden potenziellen oder aktuellen tatsächlichen Ausfall ermittelt hat. Das würde zu einer noch höheren Zuverlässigkeit und einem höheren Service Level führen. Wenn das komplette Equipment modular ist, ist es sehr leicht, etwas zu ersetzen.

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