Formel 1: Wenn die Zuverlässigkeit des Netzwerks mehr zählt als seine Performance

Auch wenn in der Formel 1 die Geschwindigkeit im Vordergrund steht, setzt die IT von Williams Martini Racing auf die Zuverlässigkeit des Netzwerks.

Es gibt an Land nur wenige Dinge, die sich schneller als ein Formel-1-Wagen bewegen. Möglicherweise können es nur sehr wenige IT-Abteilungen mit der Arbeitsgeschwindigkeit von F1-Teams aufnehmen. Dort ist manchmal eine Zehntelsekunde entscheidend.

Williams Martini Racing ist ein Formel-1-Team aus Großbritannien, das 2016 an 21 um den Erdball verteilten Rennen in verschiedenen Ländern teilnehmen wird. Dazu gehören Abu Dhabi, Australien, Aserbaidschan, Brasilien, Kanada, China, Italien, Japan, Monaco und Russland. Bei Ankunft wird jedem Team eine leere Box an der Rennstrecke zur Verfügung gestellt, in der sie die Rennwagen, Ersatzteile und Technologie für die Unterstützung der Renner unterbringen.

Oftmals befindet sich in der Box lediglich ein Stromanschluss. Zwei der IT-Mitarbeiter von Williams sind bei jedem Rennen dabei. Sie installieren und konfigurieren immer wieder Netzwerkhardware von Cisco. Das gilt sowohl für drahtlos als auch drahtgebundene Netzwerkkomponenten. Weiterhin sind zwei von Dells konvergenten Servern und Storage-Systemen an Bord. Die Aufbaugeschwindigkeit ist in der Tat beeindruckend schnell.

Die IT-Mitarbeiter haben normalerweise anderthalb bis zwei Tage Zeit, um die Infrastruktur aufzusetzen. Dann muss die Sache stehen. Das heißt alle Updates müssen eingespielt sein, die Verkabelung muss funktionieren und alle Tests durchgeführt sein. Das sagte der Teamleiter des IT-Teams, Graeme Hackland. Nach einem Rennen bleiben dem Team gerade mal vier bis sechs Stunden, um alles abgebaut und verstaut zu haben. Natürlich müssen die Mitarbeiter die Hardware so sorgfältig verpacken, dass sie den nächsten Flug zum nächsten Grand Prix überleben.

Technologie spielt bei der Formel 1 eine sehr große Rolle. In den Rennautos sind 200 bis 300 Sensoren verbaut. Sie übertragen die Daten per Funk, während sie sich auf der Rennstrecke befinden, erklärt Hackland. Sobald der entsprechende Wagen zurück in der Box ist, verbindet er sich mit dem IP-Netzwerk und es werden zusätzlich Daten ausgelesen. Gleichzeitig starren die Techniker auf die Anwendungen, die für die Datenanalyse in Echtzeit verantwortlich sind. Auf diese Weise lassen sich der Zustand und die Performance des Rennwagens überwachen.

Aus diesem Grund genießen die Zuverlässigkeit, die Einfachheit und die Elastizität des Netzwerks höchste Priorität bei der Technologie, sagt Hackland.

Abbildung 1: Susie Wolff ist eine ehemalige Testfahrerin des Formel-1-Teams Williams Martini Racing. In diesem Foto diskutiert das Team die Daten, die während einer Session auf der Rennstrecke in Barcelona im Mai 2015 erfasst wurden.

„Downtime schadet der Performance des Rennwagens. Wenn die Techniker keinen Einblick in die Daten haben, dann lassen sich keine schnellen Entscheidungen treffen oder eine Strategie ausarbeiten. Sie können das Auto nicht rechtzeitig in die Box rufen und wissen auch nicht, was die Konkurrenz treibt. Somit lässt sich nicht auf Änderungen reagieren. Wir setzen lieber auf ein etwas langsameres Netzwerk, das allerdings sehr zuverlässig ist“, so Hackland.

Das Netzwerk des Teams besteht aus einer 10GbE-Backbone (10 Gigabit Ethernet), das durch zwei Core Switches unterstützt wird. Auf der Zugriffsschicht laufen 100 Mbps. Das drahtlose Netzwerk läuft auf Ciscos Meraki-Hardware. Damit sind sowohl die Boxen als auch die temporären Büroräume für Marketing-Mitarbeiter versorgt. Ciscos Firewalls und starke Verschlüsselung schützen die Daten vor neugierigen Augen. Egal wo sich Williams gerade befindet, es wird immer via British Telecom eine Verbindung mit 100 Mbps MPLS zum Hauptquartier in England etabliert.

Ein weiteres Problem bei Rennen in der Wüste oder in tropischen Gefilden ist, dass die Boxen über keine herkömmlichen Kühlsysteme verfügen. In so einem Fall ist der reibungslose Betrieb der Systeme eine weitere Herausforderung, um die Zuverlässigkeit des Netzwerks garantieren zu können.

„Es handelt sich hier nicht um ein Data Center, das Sie als solches erkennen würden“, sagte Hackland. „In heißeren Ländern wie zum Beispiel Malaysia, Bahrain und Abu Dhabi installieren wir Lüfter oder Gebläse, um die Luft einfach nur umzuwälzen. Aber in diesen Boxen ist Platz sehr wertvoll und deswegen kann Hitze schon zu einem Problem werden. Hin und wieder befindet sich die Hardware am oberen Limit der Betriebstemperaturen“, räumt Hackland ein.

Wenn es um neue und möglicherweise komplexe Technologie geht, dann ist Williams laut Hackland in Sachen Netzwerk sehr konservativ und vorsichtig. Das liegt daran, dass die Zuverlässigkeit des Netzwerks oberste Priorität genießt.

„Dinge wie Spanning Tree und diese ganzen Protokolle sind uns eher suspekt, wenn es um Hochverfügbarkeit geht. Der Grund ist, weil die Komplexität des Netzwerks ganz einfach steigt. Sollte etwas schief laufen, dann ist eine Diagnose oftmals schwierig“, erklärt Hackland. „Wir können uns eine Verschlechterung der Performance nicht leisten, nur weil wir cool sein wollen.“

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Artikel wurde zuletzt im Mai 2016 aktualisiert

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