freshidea - Fotolia

Das SAP Business Network steht noch vor großen Herausforderungen

SAP zahlte fast 15 Milliarden Dollar für Ariba, Concur und Fieldglass, die das Business Network bilden. Analysten betrachten dessen Erfolg skeptisch.

SAP gab über 14 Milliarden US-Dollar aus, um Unternehmen zu erwerben, die heute das SAP Business Network bilden. Eine schöne Summe, bei der sich zwangsläufig die Frage stellt, ob SAP tatsächlich von diesen Investitionen profitieren wird.

Vor allem drei Aquisitionen sorgten für Schlagzeilen:

  • Die weltweite elektronische Procurement-Plattform Ariba wurde im Jahr 2012 für 4,3 Milliarden Dollar erworben und bietet Beschaffungsservices zum Ausgaben-Management.
  • Concur, im Jahr 2014 für neun Milliarden gekauft, ermöglicht das Management von Reisekosten.
  • Fieldglass wurde ebenfalls 2014 für eine Milliarde Dollar aquiriert und übernimmt das Management des Leiharbeiterbedarfs.

Anfang 2015 fügte SAP diese drei Unternehmen zum SAP Business Network zusammen, das von Concur CEO Steve Singh geleitet wird.

Gemeinsam ist allen drei Übernahmekandidaten, dass sie stark auf Cloud-Services setzen – ein Bereich, in dem sich auch SAP stark engagiert. Steht SAP also eine rosige Zukunft bevor? Nicht ganz. Denn das Unternehmen steht an fast allen Fronten im Wettbewerb mit kleinen, innovativen Anbietern. Einige Analysten glauben deshalb, dass die Ambitionen von SAP seine Möglichkeiten übersteigen könnten.

„Ich sehe für SAP keinen Gegenwert, um so viel Geld für diese Unternehmen zu zahlen“, sagt Duncan Jones, Vice President und Principle Analyst bei Forrester Research. „Die Märkte sind nicht so groß, und die Konkurrenz ist zahlreich. Wir schätzen einfach nicht, dass SAP in der Lage ist, die erworbenen Unternehmen so zu erweitern, dass sie dem Wert entsprechen, den SAP dafür bezahlt hat.“

Ein Problem, mit dem das SAP Business Network konfrontiert ist, ist das Erlösmodell, das sich nur auf die Lieferanten bezieht. SAP möchte gern wie Amazon agieren und ein One-Stop-Shop für Unternehmen sein, wo man alles aus einer Hand bekommt. Jones behauptet allerdings, dass dies nur für größere Unternehmen funktioniert.

„Es ist gut, wenn Sie ein großes Unternehmen sind, aber wenn Sie kleiner oder mittelgroß sind, dann können Sie Ihren Lieferanten nicht einfach sagen, was sie tun sollen“, sagt er. Kleinere Unternehmen würde stattdessen einen Service nutzen, der für ihre Lieferanten kostenlos oder zumindest sehr kostengünstig ist.

Das SAP Business Network steht einem großem Wettbewerb gegenüber, ist Debbie Wilson, Research Vice President und spezialisiert auf Procurement-Lösungen und -Strategien bei Gartner, überzeugt. „Allgemeine Procure to Pay (P2P) Anbieter wie Coupa, Verian, Proactis, Basware und SciQuest konkurrieren bei Geschäftsmodell, Preis, Suite-Level-Integration und der Fähigkeit zur Anpassung und dem lokalen Know-how miteinander“, schreibt sie via E-Mail. „Wir sehen auch eine Konkurrenz durch P2P-Anbieter, die sich auf bestimmte Abläufe spezialisiert haben, wie Tangoe für Telecom Expense Management und jCatalog für MRO-Procurement [Maintenance (Instandhaltung), Reparatur und Operations]."

Wettbewerb treibt Innovation an

Analysten sind sich weitgehend einig, dass die Konkurrenz für das SAP Business Network nicht unbedingt von der Netzwerkseite kommen wird. Gefährlicher für SAP sind die vielen Features, die die kleineren, innovativeren Unternehmen hinzufügen können – vor allem im Bereich Benutzerfreundlichkeit. Den Mitarbeitern das Leben leichter zu machen, damit sie ihre Jobs besser erledigen können, ist von entscheidender Bedeutung.

„Genau dies ist ein Bereich, in dem Concur sehr gut, Ariba weniger gut und SAP schrecklich ist. Deshalb gibt es für SAP die große Chance, die Teile so zusammenzuführen, dass die besten Stücke aus allen integriert werden und sie am Ende etwas haben, das viel besser nutzbar und smarter ist und vor allem mehr Spass macht als alles, was SAP je zuvor produziert hat“, erläutert Jones.

Allerding gibt er zu bedenken: „In der Zwischenzeit machen dies aber auch kleinere Wettbewerber wie Coupa und SciQuest. Deren Vorteil ist, dass sie nicht den Overhead von SAP haben und nicht den internen Machtkämpfen ausgesetzt sind, die sie zurückhalten. Deshalb erneuern sich im Moment die kleinen Unternehmen viel schneller und sie sind viel innovativer, als SAP dazu in der Lage ist."

Laut Pierre Mitchell, Chief Research Officer bei Spend Matters, einer Organisation, die sich auf Procurement und Supply Chain Research spezialisiert hat, sind die Mitbewerber SAP möglicherweise einen Schritt voraus. Der Grund: Sie sind viel intensiver mit den heutigen Nutzern in Kontakt und kennen deshalb deren Anforderungen besser.

„Die Philosophie und Funktionalitäten von Apps haben heute beispielsweise einen enormen Einfluss. In einer zunehmend mobilen Welt mit jüngeren Mitarbeitern haben die User einfach nicht mehr die Geduld, um sich durch eine komplizierte Benutzeroberfläche zu kämpfen, die eigentlich für Power User gebaut wurde“, sagt Mitchell. „Hier bieten die neueren Systeme von Coupa und BuyerQuest tolle Beispiele von E-Procurement Lösungen, die komplett für die Cloud entwickelt wurden und eine ganz andere Benutzererfahrung ermöglichen.“

Coupa konkurriert Kopf an Kopf mit dem SAP Business Network

Einer dieser SAP-Herausforderer, Coupa, ist ein kleines, aber stetig wachsendes Unternehmen aus San Mateo in Kalifornien. Es bietet Cloud-basierte Software und Dienstleistungen für das Ausgaben-Management an. Coupa erhielt im Juni 2015 80 Millionen US-Dollar für die Finanzierung und plant, zusätzliche Ressourcen für Vertrieb, Marketing, Forschung und Entwicklung zu verwenden. Damit hätte Coupa das Potential, Kopf an Kopf mit dem SAP Business Network zu konkurrieren.

„Bei der Diskussion über den Wettbewerb mit Fieldglass, Concur und Ariba sprechen wir gerade über einen neuen Bezugsrahmen“, sagt CEO Rob Bernshteyn. „Das Ausgaben-Management wird komplett überdacht und neu organisiert. Nun nehmen wir radikal die Sicht der Nutzer ein, und gestalten das Netzwerk, die Benutzeroberfläche und die Funktionalität anders.“

„Ich sehe für SAP keinen Gegenwert, um so viel Geld für diese Unternehmen zu zahlen.“
Duncan Jones, Vice President und Principle Analyst, Forrester Research

Coupa bezeichnet sein Angebot selbst als „Savings as a Service“. Damit soll suggeriert werden, es helfe Unternehmen beim Einkauf durch einen „reibungslosen“ Prozess seine Kosten zu reduzieren. Das Unternehmen berichtet, dass seine mehr als 500 Kunden rund fünf Millarden US-Dollar gespart haben.

„Wir haben mit dem Endanwendern begonnen und gefragt, was die am wenigsten problematische Möglichkeit ist, den Ausgabenprozess zu verwalten“, sagt Bernshteyn. „Die beste Benutzeroberfläche ist überhaupt keine Benutzeroberfläche, und deshalb haben wir mit diesem Prozess begonnen. Wir sind nun in der Lage, alle Mitarbeiter einer Organisation zu erreichen und die Benutzererfahrung zu verbessern – indem wir uns von der ganzen Komplexität befreit haben.“

Obwohl Bernshteyn behauptet, dass Coupa mit SAP ERP und Oracle gut zusammenarbeitet – was etwa 20 Prozent der Kunden betrifft – zielt das Unternehmen beim Abschluss von Neugeschäften nicht auf SAP-Anwender. „Etwa 75 Prozent des Neukundengeschäfts im vergangenen Jahr war ,white space', das heißt, die Kunden hatten überhaupt keine Ausgaben-Management-Lösung im Einsatz“, sagt er.

Die Analysten sind sich einig, dass es für alle Anbieter noch viele Geschäftsmöglichkeiten gibt. „Langfristig bedienen wir einen dynamischen Markt, der Kaufinteressenten viele und sinnvolle Optionen für P2P-Lösungen anbietet“, erklärt Wilson. „Unterm Strich gilt: Während die Akquisitionen von SAP die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit ihrer Procurement und Sourcing Enterprise Lösungen verbessert haben, heißt das noch lange nicht, dass das ‚Spiel vorbei‘ ist.“

Der Grund dafür ist: der Erwerb dieser „Best of Breed“ Unternehmen facht laut Mitchell Innovation und Wettbewerb an. „Wann immer ein Unternehmen von einem größeren übernommen wird, neigt man dazu zu glauben, dass die Innovation ein wenig abebnet. Denn viele Bemühungen zielen jetzt darauf, sicherzustellen, dass die neuen Funktionen gut in den Bestand des erwerbenden Unternehmens integriert werden. Das ist schließlich das, was die Kunden fordern“, sagt er.

„Die Innovationen und alle coolen neuen Features verlangsamen sich in der Regel ein wenig, und genau dies übernimmt dann die Konkurrenz“, fügt Mitchell hinzu. „Man könnte denken, dass es jetzt eine massive Konsolidierung der Commodity-Funktionalitäten im Procurement-Markt gibt. Aber die sind so lebendig wie eh und je, und es gibt immer wieder neue Start-ups, die in den Markt eintreten und versuchen, eine kritische Masse zu erreichen. Deshalb wird es immer Wahlmöglichkeiten geben.“

Jones stimmt zu, dass die Akquisitionsstrategie von SAP den Wettbewerb belebt hat. „Diese kleinen, innovativen Anbieter werden entweder so groß wie Salesforce und beginnen dann, sich wie die Großen zu verhalten. Oder sie werden wie Ariba übernommen – und das schafft wiederum Platz für neue, die von draußen reinkommen“, ist er überzeugt.

„Die Erfahrung zeigt: Unternehmen wollen nicht von einem Anbieter abhängig sein. Deshalb werden sie immer auch von unabhängigen Anbietern kaufen. Und wenn diese Unabhängigen aufgekauft werden, werden sie einfach wieder durch neue ersetzt. Deshalb denke ich, es wird immer einen Wettbewerb zum Konzept des SAP Business Networks geben. Für SAP bedeutet das: Der Konzern braucht einen Plan, wie er sich dem Wettbewerb stellt – anstatt weiterzumachen, als wäre er ein Monopol-Anbieter.“

Mehr zum Thema SAP:

SAP Foundation for Health und SAP Medical Research Insights angekündigt.

Warum Unternehmen SAP-Softwareschulungen gerne übersehen.

SAP ERP: Qualitätskosten bei Produktion und Supply-Chain-Management beachten.

Experton und West Trax: SAP HANA Dienstleister Vendor Benchmark 2016 vorgestellt.

Vorsicht Kostenfalle: SAP-Apps können indirekte Kosten verursachen.

Folgen Sie SearchEnterpriseSoftware.de auch auf Twitter, Google+ und Facebook!

Artikel wurde zuletzt im Dezember 2015 aktualisiert

Erfahren Sie mehr über Business-Software

- GOOGLE-ANZEIGEN

ComputerWeekly.de

Close