Cloud-HCM, UI5, Hadoop und Co.: Aktuelle Trends im SAP-Umfeld

Analysten blicken auf aktuelle Trends: Derzeit stehen SaaS-basiertes HCM, SAP UI5, Hadoop und die Vereinfachung der ERP-Landschaft im Fokus von SAP.

Human Capital Management (HCM) aus der Cloud, die Verbreitung des neuen SAP UI5 und zahlreiche Hadoop-Implementierungen: Unsere Experten befragte fünf Analysten und Berater nach den aktuellen Top-SAP-Trends.

Zweifel an mehr Flexibilität bei der Lizenzpolitik

Duncan Jones, Principal Analyst bei Forrester Research

In dem Maße, in dem SAP sein Software-as-a-Service-(SaaS)-Angebot ausbaut, muss sich auch die Firmenkultur verändern. Der Konzern sollte sich weniger auf seine Umsatzziele fokussieren, sondern darauf Kunden erfolgreicher zu machen. Der scheidende SAP-CEO Jim Hagemann Snabe hat dies verstanden. Auch deswegen hat er Lars Dalgaard, den früheren CEO von SuccessFactors, und Bob Calderoni, den früheren CEO von Ariba, ins Unternehmen geholt. Beide sollten ihn dabei unterstützen, den kulturellen Wandel bei SAP voranzutreiben. Zwar arbeiten große Teile der SAP-Vertriebsmannschaft bereits kundenbezogen, doch sie wird noch immer zu häufig durch die althergebrachte Orientierung an Umsatzzielen in die falsche Richtung gelenkt.

Vor einem Jahr war ich noch zuversichtlich, dass SAP diese falschen Anreize durch die Zukäufe von SuccessFactors und Ariba und den damit verbundenen Ausbau seines SaaS-Angebots überwindet und eine flexiblere Lizenzpolitik einführt. Dadurch könnten Kunden den Kauf von SAP-Software mit ihren mehrjährigen Rollout-Projekten in Einklang bringen und müssten kein Geld für SAP-Produkte ausgeben, die sie nicht nutzen. In der SaaS-Welt ist beides gängige Praxis. Ich bin überzeugt, dass durch das vorzeitige Ausscheiden der drei Mitglieder des SAP-Vorstands das Vorhaben nicht wie geplant umgesetzt wird.

Das neue SAP UI5 verbreitet sich rasch

Chris Kernaghan, Senior SAP Technical Architect bei Capgemini

Dieses Jahr wird es viele SAP-Anwendungen mit Benutzeroberflächen geben, die auf SAP UI5 basieren, und für ganz spezifische Businesszwecke gedacht sind. Bei SAP UI5 handelt es sich um eine Javascript-Bibliothek zur Entwicklung browserbasierter und mobiler Applikationen. Nach dem neuen Bedienungsoberflächenkonzept sind zum Beispiel die SAP-Fiori-Apps gestaltet.

Allerdings wird SAP UI5 auch zu einigen Problemen bei der Systemadministration mit dem SAP Solution Manager als Anwendungs-Managementlösung führen. Der Solution Manager wird von vielen Administratoren nicht vollständig konfiguriert, weil dies sehr zeitaufwändig ist. Ein weiterer Nachteil ist, dass ein Teil dieser spezifischen Lösungen nicht ausreichend skalierbar sein wird, um in den Produktivbetrieb zu gehen, und das trotz der tollen Erfahrungen die man mit diesen Anwendungen im Proof of Concept gemacht hatte. Hoffentlich inspiriert dies Entwickler und Administratoren dazu, auf Grundlage des neuen UI5-Entwicklungs-Frameworks interessante, funktionsfähige und moderne Applikationen zu gestalten.

Da SAP immer mehr Hadoop-Distributionen unterstützt, werden auch Hadoop-Implementierungen in SAP-Landschaften stark zulegen. Einige meiner Kunden warten darauf, dass die Walldorfer künftig auch das Hadoop-Framework Amazon Elastic MapReduce (EMR) unterstützen. In Verbindung mit der Datenvirtualisierungstechnologie SAP HANA Smart Data Access (SDA) ergeben sich bei Storage-Konzepten neue und interessante Möglichkeiten.

ERP-Systeme einfacher verwalten

Cindy Jutras, Präsidentin von Mint Jutras Consulting

Der Trend zur IT-Konsumerisierung im Bereich der Enterprise-Lösungen, der seit einigen Jahren zu beobachten ist, geht unvermindert weiter. Ziel ist es, dass Anwender ihre SAP-Applikationen in Zukunft genauso einfach und komfortabel nutzen können wie eine App auf ihrem privaten Mobilgerät. Oft wird über die Begrenzungen monolithischer ERP-Landschaften gesprochen als sei dies bereits Jahrzehnte her. Doch selbst bei aktuellen Implementierungen sind kaum nennenswerte Fortschritte zu erkennen. Obwohl die ERP-Hersteller ihre Innovationszyklen beschleunigt haben, sind ERP-Upgrade-Projekte noch immer kostenintensiv und bedeuten eine große Umwälzung.

Das steht in Widerspruch zu dem Versprechen der Hersteller, darunter auch SAP, dass neue Funktionen und Technologien als einfache Erweiterungen genutzt werden können. Immer mehr ERP-Hersteller liefern neue Features und Funktionen jedoch in Form "lose" miteinander verbundener Komponenten aus. Kunden müssen daher bestehende Installationen nicht mehr komplett ablösen, sondern können die neuen Funktionen dort hinzufügen, wo sie benötigt wird, und die bislang vorhandene, fest eingebettete Funktionalität ersetzen. Viele dieser Komponenten werden als Cloud-Service angeboten, sodass Anwender auch per Mobilgerät sehr einfach auf neue Funktionen zugreifen können. Auf diese Weise wird sich die Zahl der ERP-Anwender im Unternehmen erhöhen, was dazu führt, dass Geschäftsprozesse strukturierter und effizienter erledigt werden. Das Management profitiert somit von einer breiteren und damit auch qualitativ hochwertigeren Datenbasis.

On Premise HR-Systeme werden aus der IT-Landschaft herausgelöst

Luke Marson, Principal Consultant und Direktor für Cloud-HCM-Technologie bei HRIZONS

Die Lizenzverkäufe für Human Resources Informationssysteme (HRIS), die Unternehmen On Premise im eigenen Haus betreiben, sanken im Jahr 2013. Dieser Trend setzt sich auch derzeit fort. Die Kern-HRIS-Anwendungen sind oft seit mehr als 20 Jahren im Einsatz und waren für die Anforderungen der Personalarbeit dieser Zeit ausgelegt. Doch inzwischen hat sich beim Personalmanagement die Geschäftswelt rasant verändert. Firmen, die dem Wettbewerb mit einem effizienten und modernen Personalwesen einen Schritt voraus sein wollen, suchen daher vor allem in der Cloud nach innovativen Lösungen.

Die großen Hersteller haben die Zeichen der Zeit erkannt und stellen HRIS-Kernfunktionalitäten vermehrt in Form von SaaS-Anwendungen im Cloud-Betrieb zur Verfügung. Ganz weit vorne liegt hierbei die Cloud-basierte HR-Suite SuccessFactors Employee Central. Auch wenn im HR-Bereich häufig ein hybrider Ansatz aus On-Premise- und Cloud-Software angepriesen wird, gehe ich davon aus, dass die Kunden ihre On Premise HRIS-Kernapplikationen Schritt für Schritt durch Cloud-Anwendungen ersetzen werden. Damit ersparen sie sich den Albtraum einer Integration von On-Premise- und SaaS-Software. Darüber hinaus lässt sich ein zeitgemäßes Talentmanagement mit einer SaaS-basierten Lösung deutlich besser und effizienter umsetzen als On Premise.

OpenUI5-Oberflächen sind reif

Ethan Jewett, Inhaber von Coredatra BI Software and Consulting Services

Ich möchte besonders die Entwicklungsleistung von SAP hervorheben und erwarte aktuell viele neue Details zum OpenUI5-Projekt, der Open-Source-Version der SAP UI5-Bibliothek, einem der Hauptentwicklungsprojekte. Vor allem in Bangalore (Indien) wurden große Fortschritte gemacht.

SAP wird die Open-Source-UI5-Bibliothek künftig nicht nur in Form einer Open-Source-Lizenz bereitstellen, sondern auch deren Quellcode. Somit akzeptiert SAP die Mitwirkung der Entwickler-Community an Verbesserungsprozessen, die dann in den aktuellen Masterbranch einfließen können.

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