Virtualisierung oder Cloud: Was bringt Ihrem Unternehmen mehr Vorteile?

Virtualisierung und Cloud-Computing sorgen für eine flexible IT. Die Wahl des Betriebsmodells hängt von der Agilität des jeweiligen Unternehmens ab.

Sowohl Cloud-Computing als auch Virtualisierung haben ihre Vorteile, die Wahl zwischen beiden Betriebsmodellen hängt dabei maßgeblich davon ab, wie gut Unternehmen auf die damit einhergehenden Konsequenzen eingestellt ist. Auch heute stehen viele Unternehmen noch ganz am Anfang der Virtualisierung und haben entsprechend weitreichende Entscheidungen zu treffen. Grundlegend gilt es zu überlegen, ob man zunächst dem üblichen Weg der Server-Virtualisierung folgen will oder direkt die Migration in die Private Cloud in Betracht zieht.

Server-Virtualisierung spart vor allem bei einer Hardware-Erneuerung enorm viel Kosten ein. Mit der Zeit wandelt sich der Budget-Fokus dann weg von Anschaffungs- hin zu Betriebskosten

Bei Cloud-Computing, egal ob Public, Private oder Hybrid Cloud, geht es dann fast ausschließlich um Betriebskosteneffizienz, während immer mehr Kontrollmöglichkeiten von der IT hin zu Fachabteilungen wandert. Die Fähigkeit, mit einem so starken Fokus auf die Betriebskosteneffizienz umgehen zu können, ist schließlich der Gradmesser dafür, ob Unternehmen den direkten Sprung in die Private Cloud wagen sollten.

Unternehmen, die auf die mit Cloud-Modellen einhergehenden operativen Veränderungen nicht vorbereitet sind, sind entsprechend mit der Server-Virtualisierung besser beraten. Agileren Unternehmen aber steht der Weg in die Private Cloud offen.

Welchen Vorteil bringt die Server-Virtualisierung?

Die Server-Virtualisierung geht Cloud-Modellen gewissermaßen voraus und ist inzwischen vor allem aufgrund des enormen Einsparpotenzials von Capex-Ausgaben enorm populär. Ein paar wenige Hypervisor-Hosts zusammen mit Management-Konsolen können leicht dutzende oder gar hunderte physische Server ersetzen. Durch die damit einhergehende Server-Konsolidierung können Data Center also große Kosteneinsparungen einfach durch den Kauf von weniger Server-Hardware realisieren.

Heutzutage wird die Server-Virtualisierung nur noch als Zwischenschritt auf dem Weg zu Private- oder Hybrid-Cloud-Modellen betrachtet. Server-Virtualisierung macht große Kosteneinsparungen möglich und demonstriert die Fähigkeit der IT-Abteilung, auf Geschäftsanforderungen anderer Fachabteilungen eingehen zu können. 

Der langsamere Weg über die Server-Virtualisierung hin zum agilen Unternehmen ist wesentlich weniger disruptiv als der Schritt hin zu Cloud-Computing. Konservativere Unternehmen können so in ihrem eigenen Tempo die ersten Grundlagen für eine Architektur-Modernisierung legen.

Sobald ein Unternehmen dann vollständig in der Server-Virtualisierung angekommen ist, ist auch das Fundament für Cloud-Computing gelegt. Virtualisierte Data Center haben schließlich ein wesentlich besseres Verständnis dafür, welche Vorteile durch den Schritt in die Cloud auf sie warten.

Wie profitieren Unternehmen von der Private Cloud?

An diesem Punkt kommt der große Unterschied zwischen beiden Konzepten zum Tragen: Bei der Server-Virtualisierung geht es im Grunde um Technologie-Fragen. Die Private Cloud aber erfordert ein ganz anderes Betriebsmodell.

Über die Jahre entwickeln IT-Abteilungen durch Virtualisierung eine Plattform, die äußerst flexible Änderungen ermöglicht. Gerade durch die Möglichkeit, mit virtuellen Maschinen in wenigen Minuten ganze Server bereitstellen zu können, können IT-Abteilungen äußerst agil auf Geschäftsanforderungen aus den Fachabteilungen reagieren. Mit zunehmender Nutzung der Server-Virtualisierung wird schließlich das Anfordern von virtuellen Maschinen aus den Fachabteilungen zum Flaschenhals werden, womit Self-Service-Portale ins Spiel kommen, mit denen Anwender über eine einfache Oberfläche selbst virtuelle Maschinen bereitstellen und verwalten können.

Die Private Cloud automatisiert dieses VM-Provisioning und die umgebende Infrastruktur. Die Cloud-Plattform übernimmt dann zum großen Teil selbstständig die Bereitstellung von Servern sowie Storage- und Netzwerkaufgaben. Mit diesem Schritt geht ein großer Wandel des Betriebsmodells einher, bei dem IT-Abteilungen bereit sein müssen, Kontrolle an die Endanwender im Unternehmen abzugeben.

Cloud oder Virtualisierung – welcher Weg ist besser?

Gibt es bei der Wahl zwischen Virtualisierung oder Cloud also eine klare Empfehlung? Eine Antwort auf diese Frage ist nur mit Blick auf typische IT-Szenarien möglich. Gerade für Unternehmen mit hohen Compliance-Anforderungen und Kontrollinstanzen dürfte Cloud-Computing sehr hohe Hürden beinhalten. Ein Pharmazie-Unternehmen beispielsweise mit einem sechswöchigen Genehmigungsprozess für die Zuweisung von IP-Adressen dürfte wenig Vorteile daraus ziehen können, wenn Projektteams innerhalb von 30 Minuten virtuelle Maschinen bereitstellen können.

In anderen Fällen werden IT-Abteilungen aber durchaus einen großen Nutzen daraus ziehen können, agil und flexibel auf veränderte Geschäftsanforderungen reagieren zu können. Wenn sich beispielsweise schon ein Request-Backlog von mehr als 100 Anfragen angesammelt hat, bedeutet die Automatisierung der VM-Bereitstellung durch Private-Cloud-Infrastrukturen einen nicht zu unterschätzenden Vorteil.

Eine derart umfassende Umwälzung in der Organisationsstruktur kann dabei äußerst disruptive Wirkung entfalten. Die Server-Virtualisierung als Zwischenschritt bringt bereits ein großes Einsparpotenzial mit, ohne gleichzeitig diesen Wandel der Unternehmensorganisation zu erfordern. 

Um aber die größten Vorteile aus der Server-Virtualisierung zu ziehen, werden sich Struktur und Organisation der IT-Abteilung mehr oder weniger von ganz alleine in diese Richtung entwickeln. Mit Private Clouds wird diese Veränderung schließlich ins Extrem getrieben. Viele Unternehmen wählen daher die stufenweise Einführung zuerst der Server-Virtualisierung und schließlich der Private Cloud, um Probleme mit sich überschneidenden Verantwortlichkeiten oder unter- und überforderten Mitarbeitern zu vermeiden.

Statt Server-Virtualisierung und Cloud-Computing getrennt zu betrachten, sollte die Cloud vielmehr als Tool betrachtet werden, mit dem sich der Einsatz der Server-Virtualisierung wesentlich erleichtern lässt. Damit ändern sich zwar nicht die täglichen Anforderungen, wohl aber die anfallenden Aufgaben der IT-Abteilung.

Warum dann nicht einfach Virtualisierung und Cloud?

Der Grad der Server-Virtualisierung hängt also maßgeblich davon ab, wie weit ein Unternehmen mit seiner Produktivumgebung gehen will. In diesem Stadium ist noch viel Kontrolle möglich, während die Effizienz bereits deutlich erhöht wird. Auf der anderen Seite gelten für Entwicklungs- und Testumgebungen wesentlich geringere Richtlinien. 

Hier werden auch weitaus häufiger Änderungen nötig werden als in Produktionsumgebungen, wodurch IT-Abteilungen relativ gesehen meist mehr Aufwand in den Support stecken müssen. Daher bietet sich gerade für Test- und Entwicklungsumgebungen eine Private Cloud an.

In diesem Szenario lässt sich die Cloud-Umgebung gleichzeitig dafür nutzen, Erfahrungen aus dem Umgang mit Private Clouds zu ziehen und herauszufinden, wie diese Geschäftsabläufe und Infrastruktur beeinflusst. Schon wenige Monate mit einer isolierten Cloud reichen in der Regel, um Vertrauen in die Plattform zu gewinnen und Erfahrung aufzubauen. Mit diesem Wissen in der Hinterhand lassen sich Entscheidungen darüber, die Cloud zum zukünftigen Mittelpunkt der Produktionsumgebung zu machen, wesentlich sicherer fällen.

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