Trends bei Linux-Virtualisierung: Anbieter von Xen und KVM kämpfen um Unternehmenskunden

Xen galt als Maßstab bei Linux-Virtualisierung. Doch heute ist die Kernel-basierte virtuelle Maschine (KVM) eine ernstzunehmende Alternative.

Noch vor zwei Jahren schien vollkommen klar, was bei Linux-Virtualisierung passieren würde. Gerade war der Xen-Hypervisor implementiert worden, und Xen stand davor, die Welt zu erobern. Heute aber ist die Kernel-basierte virtuelle Maschine (KVM) eine ernst zu nehmende Alternative für die Virtualisierung in Linux-Umgebungen. In diesem Artikel finden Sie einen Überblick über die Lage bei KVM-Virtualisierung und einen Ausblick darauf, was bei Linux-Umgebungen für Unternehmen zu erwarten ist.

Mit der Veröffentlichung von Ubuntu 8.04 war Ubuntu Server die erste Linux-Distribution, die KVM-Virtualisierung implementierte. Damals standen für KVM noch nicht die Hilfsprogramme bereit, die es heute gibt, Ubuntu Server war relativ neu auf dem Markt, und es fehlte es an einer großen Nutzerbasis. Auch war KVM in Ubuntu Server 8.04 nicht so nutzerfreundlich wie Xen oder alternative Produkte, aber immerhin stellte er eine klare Aussage dar: Canonical Ltd., das Support-Dienstleistungen für Ubuntu anbietet, sah KVM-Virtualisierung als die Zukunft.

In der Zwischenzeit arbeiteten Novell – und etwas weniger auch Red Hat – hart daran, Xen-Virtualisierung in den Enterprise-Versionen ihrer Server zu implementieren. Beide boten weitgehend vergleichbare Umgebungen. Novell übernahm den Produzenten von Tools für die Virtualisierung PlateSpin Ltd. und arbeitete an einer Umgebung zur Orchestrierung virtueller Maschinen.

Eine der ersten größeren Änderungen bei Linux-Virtualisierung ergab sich durch den Kauf von XenSource durch Citrix Systems Inc., einen großen Anbieter im Bereich Server-basiertes Computing. XenSource war im Jahr 2007 von den Erfindern von Xen gegründet worden. Citrix baute in der Folge XenServer in seine eigene Produktlinie ein und bietet ihn heute kostenlos und mit einer leicht zu bedienenden Management-System als Alternative zu den Virtualisierungsprodukten von VMware Inc. an. Citrix hat seinen XenServer kräftig beworben, so dass die meisten Leute heute nur noch an Citrix denken, wenn sie „Xen“ hören. Für Linux-Anbieter wie Red Hat oder SUSE ist das nicht unbedingt hilfreich, denn auch sie bieten noch Virtualisierung mit Xen.

Ein wichtiger Grund dafür, dass sich Anbieter auf dem Markt für Enterprise-Linux von Xen abwenden, ist technischer Natur. Der Xen-Hypervisor besteht aus einer komplexen Sammlung von Komponenten. KVM befindet sich so gesehen am anderen Ende der Skala, denn dabei handelt es sich nur um ein Kernel-Modul; dies erleichtert die Arbeit der Personen, die für das Patch-Management bei Linux-Servern verantwortlich sind. Bei jedem Update des Linux-Kernels wird auch KVM aktualisiert. Ein Xen-Update in eine Linux-Distribution zu integrieren, bedeutet dagegen deutlich mehr Aufwand.

Einen großen Schritt nach vorn bei der Linux-Virtualisierung gab es Ende 2008: Red Hat, führend auf dem Markt für Enterprise-Linux, gab den Kauf von Qumranet bekannt, einem wichtigen Entwickler im Bereich KVM-Virtualisierung. Laut Red Hat war der Grund für diese Übernahme, dass man eine Virtualisierungstechnologie der nächsten Generation anbieten wollte. Dies soll sich im anstehenden Subrelease von Red Hat Enterprise Linux 5.4 in der Integration eines vollständigen KVM-Stacks zeigen.

Der einzige größere Linux-Anbieter, der sich derzeit nicht bei KVM-Virtualisierung engagiert, ist Novell. Es gibt allerdings Anzeichen dafür, dass auch Novell für ein zukünftiges Release seines Enterprise-Servers über eine KVM-Integration nachdenkt. In einer „Technology Preview“ in SUSE Linux Enterprise Server 11 ist KVM bereits enthalten, aber der aktuelle Stack wird nicht unterstützt und ist nicht sehr benutzerfreundlich. Mehrere Personen, die an der Entwicklung von SUSE Enterprise Linux beteiligt sind, sehen KVM nach eigener Aussage als die führende Lösung für die Zukunft; es sei auf keinen Fall sicher, dass Novell Xen weiter als einzige Option für Virtualisierung anbieten werde.

Der größte Vorteil dieser Entwicklungen besteht darin, dass die Optionen auf dem Virtualisierungsmarkt für die Kunden allmählich klarer werden. In Zukunft dürfte es hier (mindestens) vier bedeutende Angebote geben: VMware mit VMWare, Citrix mit Xen, Linux mit KVM und Microsoft mit Hyper-V.

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Sander van Vugt ist unabhängiger Trainer und Berater mit Sitz in den Niederlanden. Er ist Experte für Hochverfügbarkeit, Virtualisierung und Performance unter Linux und hat mehrere Projekte zu allen drei Aspekten realisiert. Außerdem hat er mehrere Linux-Bücher geschrieben, darunter Beginning the Linux Command Line, Beginning Ubuntu Server Administration und Pro Ubuntu Server Administration.

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