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Network as a Service leitet Connectivity-Revolution ein

Dynamische virtuelle Netzwerk-Services nutzen NFV (Network Functions Virtualization), um Dienste im Unternehmen schnell und günstiger bereitzustellen.

Anmerkung der Redaktion: Der folgende Artikel über dynamische virtuelle Netzwerk-Services (Network as a Service) ist der letzte in unserer dreiteiligen Serie über Netzwerk-Services, die auf die veränderten Anforderungen der Unternehmens-IT reagieren. Der erste Artikel der Serie befasst sich mit der zunehmenden Anzahl von Optionen beim WAN-Zugriff, der zweite Teil erläutert die Entwicklung von Cloud Exchange-Lösungen für Unternehmen, die eine sichere Verbindung zur Public Cloud benötigen.

Software-defined Networking (SDN) und Network Functions Virtualization (NFV) sind im Unternehmen angekommen. NFV entkoppelt die einzelnen Netzwerkfunktionen von teurer Hardware, so dass sie als Software betrieben werden können, die auf kostengünstigeren Standardservern läuft. Zu diesen Funktionen gehören etwa der Schutz durch Firewalls, Intrusion Detection, Caching oder WAN-Beschleunigung oder virtualisierte Anwendungen wie Cloud-Applikationen oder virtuelle Datenspeicher.

Die Virtualisierung der Netzwerkfunktionalitäten bildet im Prinzip die Basis für Software gesteuerte Netzwerke (Software-defined Networking). SDN trennt das Netzwerk in separate Ebenen für Datenanalyse und -steuerung (Control Plane) sowie den Datentransport (Data Plane). Dadurch ist es möglich, die Analyse- und Steuerungsebene vollständig zu virtualisieren. Die Virtualisierung von Netzwerkfunktionen ist auch ohne SDN möglich; SDN verbessert aber die Leistung von NFV und vereinfacht Betrieb und Wartung.

Da eine wachsende Zahl von Software- und Gerätehersteller NFV unterstützt, bieten mittlerweile viele Netzwerk-Service-Provider eine neue Klasse von Dienstleistungen für Unternehmen an: Dynamische virtuelle Netzwerk-Services, auch Network as a Service genannt.

Ziel der dynamischen virtuellen Netzwerk-Services ist es, die Verbindungen vom Unternehmen zum externen Carrier so schnell und flexibel zu gestalten wie die internen Netzwerke. Dazu ist es nicht mehr notwendig, bei der Implementierung neuer Services für einen Unternehmenskunden jedes Mal spezialisierte Hardware oder Ausstattung beim Carrier oder am Rand des Unternehmensnetzwerks bereitzustellen.

Für die Netzwerk-Service-Provider bieten dynamische virtuelle Netzwerk-Services erhebliche geschäftliche Vorteile: Sie können neue Services schneller und einfacher konzipieren, umsetzen und ausliefern denn je; die Bereitstellungszeit verkürzt sich von Jahren auf Monate oder sogar Wochen. Die Unternehmen profitieren, da sie neue Serviceangebote der Carrier ohne großen Aufwand und mit weniger Unterbrechungen testen und online stellen können.

Der Mehrwert von dynamischen virtuellen Netzwerkservices ergibt sich vor allem durch NFV an beiden Rändern des Netzwerks: zum einen beim Customer Premises Equipment (CPE), sprich dem Endgerät oder Modem, das der Provider seinem Kunden für den Netzwerkzugang bereitstellt, zum anderen bei der Ausstattung, über die der Provider selbst die Verbindung zum Unternehmen herstellt. Schließlich profitieren die Carrier mittelfristig auch selbst, wenn sie NFV in ihre eigenen Netzwerke implementieren: Sie können teure, proprietäre Netzwerk-Appliances mit begrenzten und spezifischen Funktionen durch  Netzwerkknoten auf Basis von generischen x86-Servern mit allgemeinen Funktionen ersetzen, die mehrere virtualisierte Netzwerkfunktionen (VNFs) ausführen.

VNFs sind die eigentlichen Arbeitspferde einer NFV-Umgebung, da sie die gleichen Netzwerkfunktionen wie spezielle Hardware bieten, zum Beispiel Routing, Firewall-Filterung, Load Balancing oder WAN-Optimierung. Konzeptionell lässt sich jeder Netzwerk-Service virtualisieren und auf einem VNF-Hosting-Knoten betreiben.

Die ersten Angebote für Network as a Service legten den Fokus darauf, den Dienst für die Standardkonnektivität dynamischer zu gestalten. Zum Beispiel kann der Netzwerk-Service-Provider seine neue CPE-Box zusammen mit einer schnellen Ethernet-Verbindung und der Option anbieten, die Verbindungsgeschwindigkeiten und die damit verbundene Abrechnung je nach Bedarf des Unternehmens nach oben oder unten anzupassen. Diese Veränderung erfordert natürlich separat eine Revolution des Betriebsmodells beim Carrier sowie bei der Abrechnungssoftware.

Letztlich werden dynamische virtuelle Netzwerkservices nicht nur die traditionelle Landschaft der Enterprise-Carrier und Carrier-Zulieferer aufrütteln, sondern auch die Ausrüster von Enterprise-WANs mit Produkten wie Routern, Optimizern oder Security-Appliances, etwa Firewalls und Geräten zur Abwehr von DDoS-Attacken. Enterprise-WAN-Funktionen werden dadurch flexibler und agiler als je zuvor, da sie als Service vom Carrier bereitgestellt werden, und nicht mehr als Appliance-basierte Lösung mit eigenem Layer.

Dieser Wandel erfordert auch von den Unternehmen eine klare Entscheidung:

  • Wollen Sie ihre Netzwerkfunktionen selbst aufsetzen, betreiben und kontrollieren?
  • Oder nutzen sie Network as a Service, bei dem sie die Kontrolle teilweise an einen Provider verlieren und einen Vendor Lock-In riskieren?

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Artikel wurde zuletzt im August 2016 aktualisiert

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