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Legacy-Systeme über einen Cloud-Computing-Ansatz modernisieren

Möchte man Legacy-Anwendungen modernisieren, kann die Cloud helfen, Brücken zu bauen. Allerdings funktioniert dieser Ansatz nicht immer ideal.

Kämpft ein Unternehmen mit der Modernisierung seiner Legacy-Systeme, kann es auf Business Process Management (BPM) zurückgreifen, um eine Brück zwischen alten und neue Anwendungen zu bauen.

Doch bevor man sich entscheidet, seine Anwendungslandschaft zu modernisieren, sollen zwei Punkte diskutiert werden: Legacy-Systeme sind einerseits nicht per se schlecht. Andererseits ist die Cloud nicht immer die beste Option.

Punkt 1: Legacy ist nicht immer schlecht

Wenn es um die Modernisierung von Legacy-Systemen geht, nehmen viele Anwender an, dass sie ihre alten Systeme einfach herausreißen und durch neue ersetzen müssen. Auch wenn dieser Ansatz in manchen Fällen notwendig ist, so muss er nicht zwangsläufig angewendet werden – egal wie ernst ein Anbieter den Fall für ein Unternehmen darstellt. Viele Systeme funktionieren schon seit Jahren. Da sie bereits vor Jahren abgezahlt wurden, erzeugen sie vor allem Mehrwert.

Darüber hinaus ist nichts daran falsch, die Informationen zu verwerten, die diese Systeme enthalten. Eine Migration macht daher nicht unbedingt Sinn. Die Diskussion hat in diesem Fall häufiger eher einen philosophischen und weniger einen technologischen Charakter. Der Trick ist, sicherzustellen, dass sich die Legacy-Systeme mit dem Rest der Infrastruktur verbinden können.

Punkt 2: Die Cloud ist kein Allheilmittel

Obwohl es keine wirklich neue Technologie in der IT-Szene ist, sprechen viele Anwender noch in einem ehrfürchtigen Ton von der Cloud. Auch wenn es zutrifft, dass viele Cloud-basierte Umgebungen zeigen, dass sie effektiv sind, hat selbst die beste Umgebung noch nicht alle Probleme automatisch beseitigt. Viele intelligente Lösungen sind das Ergebnis von sorgfältig auf bestimmte Probleme abgestimmte Anwendungen.

Wie so oft, basiert der Erfolg der Cloud auf dem Rehosting existierender Anwendungen, um ihr Management und die Wartung einfacher zu machen und sie für eine größere Gruppe von Menschen, unabhängig vom Standort, zur Verfügung zu stellen. Doch es gibt noch mehr Aspekte beim Cloud Computing, und einer ist die Nutzung der Cloud für die Modernisierung einer Legacy-Anwendungslandschaft.

Einen Mittelweg finden

Man sollte Cloud-basierte Technologie als eine Art Makro-Middleware betrachten. Konventionelle Middleware verarbeitet die Informationen die sie erhält. Die Cloud sollte dagegen als ein Bindeglied angesehen werden, das einfach Informationen von einem Legacy-System auf der einen Seite zu einer ansonsten inkompatiblen Anwendung auf der anderen Seite überträgt.

Eine Analogie wäre, wenn sich eine Deutschsprachige mit einer Französisch sprechenden Person unterhalten möchte. Da beide die Sprache des anderen nicht beherrschen, kommunizieren sie über jemanden, der beide Sprachen spricht. Es ist vielleicht nicht vollkommen ideal, aber reicht, um erfolgreich zu kommunizieren.

Aus meiner Sicht war das erste Mal, dass dieser Ansatz funktionierte, SharePoint. Dabei agiert SharePoint praktisch als Vermittler. Das beflügelte bei der Veröffentlichung von SharePoint die Phantasie am Markt derart, dass viele Unternehmen darüber nachdachten, einen SharePoint Connector einzusetzen. Das Merkwürdige zu diesem Zeitpunkt war, dass SharePoint lediglich als Vermittler agiert, und nicht als ein gemeinsames Repository für die Anwendungen auf beiden Seiten eingesetzt wird.

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ERP als Ausgangspunkt wählen

Heutzutage lässt sich die Cloud als Vermittler einsetzen, da sie mittlerweile die gleiche Sichtbarkeit und technische Unterstützung wie SharePoint genießt. Besser noch: Die Cloud basiert auf einem offenen Standard, SharePoint ist dagegen ein Microsoft-Produkt.

Ein Ort an dem sich der oben geschilderte Ansatz auszahlen kann, ist die ERP-Anwendungslandschaft. Entscheidend für den Erfolg von Unternehmen jeglicher Größe, ist ein ERP-System in der Regel die erste Enterprise-Anwendung in einer Organisation. Installationskosten und Komplexität der ERP-Anwendung bedeuten, dass sie für eine lange Zeit eingesetzt wird.

Eine 2014 veröffentlichte Studie der Forschungsgesellschaft Aberdeen Group fand zum Beispiel heraus, dass das Durchschnittsalter einer ERP-Lösung in mittelständischen Unternehmen bei mehr als sieben Jahren liegt. In diesem Zeitraum kann sich viel verändern. Führungskräfte stellen daher nicht selten fest, dass ein altes System nicht mehr die Bedürfnisse des Unternehmens abdeckt.

Für Unternehmen ist es immer wieder überraschend, dass sich die Cloud für die Modernisierung der Legacy-Systeme einsetzen lässt. Aufwand und Wirtschaftlichkeit der erforderlichen Stammdaten und einer funktionierenden Interoperabilität führen nicht immer dazu, dass der skizzierte Weg eingeschlagen wird. Dennoch bietet er großes Potenzial für eine Modernisierung.

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Artikel wurde zuletzt im August 2016 aktualisiert

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