Drei Mythen über SOA – und warum Service-Provider SOA nicht abschreiben sollten

Serviceorientierte Architektur (SOA) ist häufig Missverständnissen ausgesetzt. Wir räumen mit drei Mythen über SOA auf, die sich hartnäckig halten.

Was Cloud-Provider nicht über Serviceorientierte Architektur (SOA) wissen, könnte ihren Erfolg behindern. Es gibt drei Mythen über die Nutzung von SOA innerhalb von Cloud Computing. Darüber hinaus gibt es ein Stigma, dass auf SOA lastet und Verwirrung stiftet. Wir räumen in diesem Artikel mit verschiedenen Missverständnissen über SOA auf und zeigen, dass SOA und Cloud Computing viele Gemeinsamkeiten haben.

Mythos Nummer Eins: SOA ist tot

Dieses Missverständnis hat seine Wurzeln in einem Blog-Beitrag aus dem Jahr 2009, den die damalige Analysten der Burton Group, Anne Thomas Manes, unter dem Titel „SOA ist tot; Lang leben die Services“ schrieb. Innerhalb dieses Beitrags stecken allerdings einige tiefer gehenden Erläuterungen als der erste Teil des Titels suggeriert. Wir nutzen zwar immer mehr Services, doch dies ist die Grundlage von SOA. Manes behauptet, dass SOA häufig als komplex und schwer zu verstehen dargestellt wird. Wir sollten es allerdings mit einfachen Worten beschreiben: die Verwendung von Services. „Das ist allerdings das Problem: Die Abkürzung SOA ist einen eigenen Weg gegangen. Die Menschen haben vergessen, wofür SOA steht“, schreibt sie.

Der Artikel wird seitdem immer wieder zitiert, wenn ich SOA im Kontext von Cloud Computing verwende. Service-Provider und Verbraucher betrachten SOA als tote Disziplin. In Wirklichkeit sollte man SOA als Fundament betrachten, auf dem cloud-basierte Systeme aufgebaut werden.

Alles in der Cloud ist eine Programmierschnittstelle (Application Programming Interface, API) oder ein Service. Es ist ein Serviceorientiertes Modell, egal wie Sie es nennen wollen oder unabhängig davon, ob Sie denken, dass SOA tot ist. Wir sollten SOA-basierte Ansätze verwenden, um den gewünschten Zustand eines Cloud-Services zu erzielen. Besondern vor dem Hintergrund, da SOA definiert, wie man einen Service richtig verwendet, in welcher Anordnung und mit welchem Design. Es geht darum, Geschäfts- und Infrastruktur-zentrierte Cloud-Services in gezielte Geschäftslösungen zu verwandeln, in denen sich Schwankungen in einem vertrettbaren Maß behandeln lassen.

Wenn Cloud-Anwender Ihre Services erfolgreich nutzen, um ihre Ziele zu erreichen, können Sie mehr Services verkaufen und einen höheren Gewinn erzielen. SOA ist nicht tot. Es ist am Leben und es treibt Ihr Geschäft an.

Mythos Nummer Zwei: SOA ist komplex

Das ist ebenfalls falsch. SOA ist nicht kompliziert. Es wurde vor rund zehn Jahren in eine lange, wissenschaftlichen Diskussion verstrickt, doch mittlerweile ist es wieder in der Realität angekommen. SOA dreht sich darum, Systeme in Einzelteile zu zerlegen und anschließend wieder als ein Satz von Services zusammenzubauen, die sich als zusammengesetzte Anwendung und Geschäftsprozessschichten einpassen lassen. SOA-basierte Ansätze erlauben es Anbietern, ihre Angebot schneller auf den Markt zu bringen und Services kurzfristig zu ändern, so dass sie agiler sind.

Wie SOA zielt Cloud Computing darauf ab, einen Satz von Services anzubieten, die sich in Geschäftslösungen einpassen lassen. Das ist ein Grund, warum sich die meisten cloud-basierten Anwendungen aus Services zusammensetzen, wie zum Beispiel Storage-, Rechen- Daten und Middelware-Diensten. Diese findet man etwa innerhalb von Platform as a Service (PaaS) genauso wie in Infrastructure-as-a-Service- (IaaS-) Umgebungen. Das Konzept, die Services im Rahmen einer Anwendung oder eines Geschäftsprozesses einzusetzen, findet sich ebenfalls bei SOA.

Mythos Nummer Drei: SOA ist eine Technologie

SOA ist etwas, was Sie tun, nicht etwas, was Sie kaufen. Es ist ein Muster für eine Architektur, die es ermöglicht, mit einem System von Services zu kommunizieren. Das schafft mehr Agilität und erweiterbare Geschäftsprozesse. Während die meisten Menschen SOA mit einer Technologie, wie zum Beispiel einem Enterprise Service Bus oder anderen sogenannten „SOA- Technologien“, assoziieren, war SOA eigentlich nie eine Technologie.

Wenn Anbieter SOA als Technologie verkaufen – inklusive von Produkten, die als „SOA aus der Box“ angepriesen werden – verdienen sie in der Regel nicht diese Bezeichnung. Softwarearchitekten hingegen, die SOA als Ansatz betrachten (zum Beispiel Anbieter von cloud-basierten Diensten), um Geschäftslösungen und Anwendungen mit Low- und High-Level Services zu entwickeln, erkennen, dass sie schneller und einfacher ans Ziel kommen.

Ich gehe davon aus, dass das Konzept von SOA in der Cloud-Welt weiter wachsen wird, egal wie man es nennt. Aber denken Sie daran: SOA ist nicht tot, es ist nicht komplex und es ist sicherlich keine Technologie.

Die Verwendung von Services ist grundlegen für die meisten Public-Cloud-Angebote und erfolgreiche Cloud-Provider sollten verstehen, wie sich diese Services im Rahmen von Geschäftslösungen einsetzen lassen. Diese Services sind Teil eines Systems, dass eine Sammlung von Services ist. Es macht Sinn, bewährte Praktiken in Design, Entwicklung und Bereitstellung eines Systems einfliessen zu lassen. Das ist es, worum sich SOA dreht.

Über den Autor: David S. Linthicum ist Senior Vice President von Cloud Technology Partners und international anerkannter Cloud-Experte und Vordenker. Er ist Autor und Co-Autor von 13 Büchern über IT-Themen. Dazu gehört auch der BestsellerEnterprise Application Integration. Linthicum wird zu vielen Konferenzen über Cloud-Computing, SOA, Enterprise-Applikations-Integration und Enterprise-Architektur als Redner eingeladen.

Sein neuestes Buch ist Cloud Computing an SOA Convergence in Your Enterprise: A Step-by-Step Guide. Linthicum war CTO (Chief Technology Officer) und CEO mehrerer erfolgreicher Softwareunternehmen. Zudem war er im höheren Management einiger Fortune-100-Firmen tätig. Er hat acht Jahre lang als Dozent für Informatik gearbeitet und hält Vorlesungen an verschiedenen Universitäten. Dazu gehören die University of Virginia, Arizona State University und die University of Wisconsin.

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