Warum Informatica Heiler Software kauft

Der Datenmanagement-Spezialist Informatica hat den deutschen Konkurrenten Heiler Software mit einem deutlichen Aufschlag mehrheitlich übernommen.

Gegen einen saftigen Aufschlag auf den Börsenwert hat kürzlich der Datenmanagement-Spezialist Informatica den deutschen Konkurrenten Heiler Software mehrheitlich übernommen. Strategisch zumindest macht das durchaus Sinn.

Warum sich Informatica den Kauf der Mehrheit an Heiler Software offiziell über 80,8 Millionen Euro, und damit das Zweieinhalbfache des Börsenwerts kosten lässt, bliebt unklar. Vielleicht waren andere Bieter im Spiel. Auch hätte Eigentümer Rolf Heiler nicht verkaufen müssen. Das Unternehmen mit 140 Mitarbeitern erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2010/11 (bis 30. September) 17,4 Millionen Euro und konnte einen Gewinn von 1,45 Millionen Euro ausweisen. Doch offenbar war das Angebot zu verlockend. So erklärte dann auch Heiler bei Bekanntgabe der Übernahme Anfang des Monats, er verspreche sich vom Zusammengehen vor allem steigende Umsätze und eine höhere Rendite.

Strategisch hingegen finden sich gute Gründe für den Deal. So bietet Heiler hierzulande Dank der breiten Kundenbasis einen guten Marktzugang (Multi-Channel) und stärkt Informaticas Produktstrategie im Stammdatenmangement sowie für Big Data. Auch könnte das Interesse an Heilers Branchen- und Sparten-Knowhow eine Rolle gespielt haben und signalisieren, dass Informatica sich etwas von dem Image eines reinen Technologielieferanten lösen möchte.

Multi-Channel Produktdatenmanagement trifft Datenintegration

Technisch könnten sich aus einer Kombination der Datenintegrationsplattform von Informatica mit den Produktdatenmanagement-Produkten Heilers interessante neue Einsatzgebiete für Kunden ergeben. So eröffnen sich für Informatica-Anwender neue Möglichkeiten im Multi-Channel-Management und Collaboration. Heiler-Kunden erhalten im Gegenzug Zugriff auf eine erprobte und skalierbare Technologie für Datenintegration und Datenqualitätsmanagement, die sich zudem als Komponente im Lieferkettenmanagement sowie zum Aufbau eines unternehmensweiten Stammdatenmanagements nutzen lassen könnte.

Die Risiken für Kunden beider Firmen sind aus unserer Sicht gering, wenn sich auch wie immer bei Übernahmen Fragen nach Support, organisatorischer Integration und Weiterentwicklung der Angebote stellen. Allerdings bedarf es durchaus einer klaren Produktstrategie bei der Integration und Vermarktung der Produkte beider Hersteller für die Stammdatenverwaltung, da es Überlappungen und unterschiedliche Marktstrategien gibt.

Insgesamt paßt die Positionierung im Multi-Channel Bereich mit seinen Trendthemen Mobile und Social Media gut zu Informaticas Big Data Strategie. Die Kombination Informatica+Heiler kann die notwendige Datenbasis für erfolgreiche Mobile BI und Social Media Engagements im Rahmen der End-Kunden-Kommunikation (Multi-Channel) schaffen.

Über den Autor:

Dr. Carsten Bange ist geschäftsführender Gesellschafter des Business Application Research Centers (BARC). Er ist seit mehr als 10 Jahren für nationale und internationale Unternehmen verschiedenster Branchen und Größen im Rahmen der Strategie- und Architekturberatung, Werkzeugauswahl und Qualitätssicherung in Business-Intelligence- und Datenmanagement-Projekten tätig. Als neutraler Beobachter des Softwaremarktes ist er ein häufiger Redner bei Tagungen und Seminaren sowie Autor zahlreicher Fachpublikationen und Marktstudien.

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