Dieser Artikel ist Teil unseres Guides: SAP HANA: Die In-Memory-Lösung von SAP verstehen und nutzen

SAP HANA: Die Migration von ERP-Anwendungen bewältigen

SAP setzt alles auf HANA. Für viele SAP-Kunden stellt sich daher die Frage, wie sie mit ihren bisher eingesetzten ERP-Anwendungen verfahren sollen.

SAP-Beobachter hören derzeit wohl über kein Thema so viel wie über HANA, die In-Memory-Datenbank von SAP, die mittlerweile über drei Jahre auf dem Markt ist. Da sich die Forschungs- und Entwicklungsabteilung und auch das Marketing bei SAP derzeit auf HANA konzentrieren, stellt sich die Frage, was aus älteren On-Premise-ERP-Systemen wird, die von den meisten SAP-Kunden noch verwendet werden. Konkret heißt das: Wie passt HANA in die ERP-Roadmap von SAP, und, noch wichtiger, wie passt die In-Memory-Datenbank in die langfristigen Pläne der SAP-Kunden?

Glaubt man dem Versprechen von SAP, funktioniert die Migration des Enterprise-Resource-Planning (ERP)-Systems auf HANA reibungslos – der Portierung des SAP-Flaggschiffs Business Suite auf HANA sei Dank. SAP-Berater und -Analysten, die Anwender bei ihrer HANA-Planung unterstützen und ein Interesse daran haben, die Komplexität der Anwendungen zu besprechen, ohne SAP auf die Füße zu treten, sehen darin noch ein buntes Mosaik. Dieses spannt sich von In-Memory-Analytics-Funktionen über hybride On-Premise- bis zu Cloud-ERP-Umgebungen. Die Berater sehen noch keinen großflächigen Umzug, bei dem Kunden ihre Business Suite auf HANA migrieren – allerdings eine veränderte Situation, die SAP-Anwender zwingt, ihre Geschäftssysteme zu überdenken.

Einzelne Prozesse auf HANA migrieren

„Die Kunden werden sich auf HANA in kleinen Schritte zubewegen“, sagt Nicola Morini Bianzino, Managing und Global Director für SAP Analytics und HANA bei Accenture. Die meisten SAP-Kunden beobachten HANA noch. Sie möchten ein Standardverfahren für die Entscheidung, welche Prozesse sie auf HANA verlagern. Zudem steht die Frage im Raum, ob sie das Cloud-Angebot für HANA verwenden sollen. „Unsere Kunden beginnen erst, einzelne Bereiche auf HANA zu migrieren. Gleichzeitig müssen sie aber ihre Systeme am Laufen halten“, erläutert Morini Bianzino. „Wir beobachten eine ähnliche Entwicklung wie bei Cloud-Anwendungen. Einige Geschäftsprozesse laufen on premise, einige off premise.“

Großunternehmen, die in wettbewerbsintensiven Marktbereichen unterwegs sind, zeigen das größte Interesse an Predictive Analytics, HANAs Aushängeschild. Kleinere Firmen „haben nicht das gleiche Maß an Agressivität“. Der Accenture-Berater geht davon aus, dass kleinere Firmen möglicherweise folgen werden, wenn SAP HANA Enterprise Cloud und ähnliche Optionen für sie bezahlbar sind.

Ein Selbstläufer ist hingegen SAP Business Warehouse (BW) on HANA, das „relativ billig und risikofrei ist“, so Morini Bianzino. „Normalerweise sind BW-Systeme nicht so massiv. Sie erfordern keine größeren Investitionen.“ Ein Kunde von Accenture, der eine Fabrik in Indien betreibt, ist diesen Schritt bereits gegangen. Viele sind aber nicht bereit, ihre ERP-Systeme vollständig zu migrieren. Sie schauen sich zunächst die Verarbeitung einzelner Prozesse, wie zum Beispiel im Finanzbereich, an. Speziell die Verarbeitung von Finanzdaten kann von HANAs Leistungssteigerung profitieren.

Die Geschichte umschreiben

Manche Beobachter verweisen darauf, dass SAP eine Umsatzsteigerung benötigt und daher HANA vorantreibt. „Die großen ERP-Deals gibt es aber noch nicht“, ist Mike Price, HANA-Berater bei Capgemini, überzeugt. HANA zwingt SAP dazu, in seine ERP-Systeme zu investieren – inklusive der Kernprogramme. „Ich kann mir kaum vorstellen, wie viele Entwickler sie gerade beschäftigen, nur um den Code umzuschreiben.“

SAP behauptet, die Business Suite funktioniere in gleicher Weise mit HANA wie vorher. Einige Experten stimmen dem zu. „Das ist keine neue Version, sondern eher eine Ergänzung zum bestehenden Paket“, erklärt Paul Hamerman, Analyst bei Forrester Research. „Sie sind in der Lage, einen erheblichen Leistungsgewinnen bei bestimmten Prozessen zu erzielen“, sagt er und zitiert dabei Tests, die eine Beschleunigung um den Faktor 1000 belegen.

Dennoch sagt Hamerman auch: „SAP ist sehr vorsichtig, um nicht den Eindruck zu erwecken, dass Kunden viel Aufwand bei der Implementierung von ERP auf HANA haben. Es ist nicht so wie bei Oracles Neuausrichtung“, sagt er mit Verweis auf die Einführung von Fusion Applications bei SAPs größtem Rivalen.

Die meisten Vorteile beziehen sich darauf, dass traditionelle Geschäftsprozesse in Echtzeit ablaufen. Doch Geschwindigkeit ist nicht der einzige Segen. Vor allem globale Unternehmen werden gebremst, wenn ERP-basierte Prozesse gebündelt werden, um sie nachts gemeinsam zu verarbeiten. „Für diese Firmen gibt es keine Nacht“, so Hamerman. Unternehmen, die ihre Prozesse in Echtzeit verarbeiten, erhalten neue Optionen, die sie sonst verstreichen lassen müssten.

Ein Beispiel sind komplexe Preissysteme, die mobil heruntergeladene Daten aus der Salesforce-Cloud verwenden und unmittelbar für Verkäufer und Kunden zur Verfügung stehen. „Das ist mit der heutigen ERP-Architektur nur bedingt möglich“, so der Analyst.

Die Cloud wächst

Die Kombination aus HANA und Cloud Computing macht es für SAP einfacher, ERP-Systeme in der Cloud anzubieten. Allerdings nur in Umgebungen mit einem Kunden, so Hamerman. „Das ist kein mandantenfähiges Software as a Service (SaaS).“ SAP HANA läuft aber in Rechenzentren mit einzelnen ERP-Instanzen.

Auf jeden Fall lässt sich HANA in einem breiteren Kontext einsetzen, egal ob in Kombination mit On-Premise-ERP-Systemen oder in der Cloud, ist sich Morini Bianzino sicher. „Ich sehe aber kein Unternehmen, das in den nächsten drei bis fünf Jahren seine komplette Umgebung in die Cloud verlagert.“

Morini Bianzino erwartet, dass Finanzbranche und Finanzabteilungen als Erste ERP-Systeme in die Cloud bewegen – auf Basis von SAP HANA oder anderen Lösungen. Das ist eine auf den ersten Blick kuriose Vorhersage. Viele Unternehmen reagieren bisher nervös, wenn es um das Speichern sensibler Finanzdaten außerhalb der eigenen Infrastruktur geht – auch wenn es Anzeichen dafür gibt, dass einige aus dieser Entwicklung ausbrechen. Laut Morini Bianzino wird sich dennoch folgendes Bild ergeben: Durch das Verschieben der Finanzdaten in die Cloud bewegen sich die Unternehmen weg von übermäßig maßgeschneiderten Systemen und profitieren von der SaaS-Standardisierung. Diese Art der Berechenbarkeit war es schließlich auch, die Unternehmen ursprünglich zu ERP-Systemen geführt hat.

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