Open-Source-Datenbank Ingres bietet komplettes Produktbündel für BI-Systeme

Ingres bietet mit dem der Icebreaker BI Appliance ein Produktbündel aus Open-Source-Komponenten zum Aufbau von Business-Intelligence-Systemen an.

Ingres ist wieder da: als Open-Source-Datenbank und mit einem Icebreaker BI Appliance genanntem Produktbündel aus Open-Source-Komponenten zum Aufbau von Business-Intelligence (BI) -Systemen.

Open Source liegt Ingres quasi in den Genen - als eine der Pioniere der relationalen Datenbanktechnologie von Michael Stonebraker und Eugene Wong an der Universität Berkley entwickelt, hat Ingres schon in den 70er Jahren seinen Source Code für eine niedrige Gebühr verfügbar gemacht. So haben folgerichtig viele Datenbanken ihre Wurzeln in der in Ingres Datenbank, zum Beispiel Sybase und Microsoft SQL Server (ursprünglich eine Sybase Lizenz), PostgreSQL oder Tandem NonStop SQL (die jetzt als Datenbank in der HP Neoview Data Warehouse Appliance wieder zu größerer Aufmerksamkeit in der Data Warehouse Szene gelangt). Auch Datenbank-Pionier Michael Stonebraker ist weiterhin präsent und hat sich mit Vertica erst vor kurzer Zeit wieder mit einer neuen Datenbank-Firma zurückgemeldet (wie der Name impliziert diesmal mit einer vertikal indizierten Datenbank a la Sybase IQ).

Nachdem Ingres in den 90er Jahren immer unbedeutender wurde und im Sammelbecken von Computer Associates landete, kam es 2005 zu einer Revitalisierung. CA und private Investoren gründeten Ingres aus CA aus und dieser Sprung in die Unabhängigkeit scheint Ingres gut getan zu haben, denn das Geschäft läuft wieder besser. Neben einem Headquarter in Langen ist auch der zweitgrößte Entwicklungsstandort weltweit mit 50 Mitarbeitern in Ilmenau beheimatet. Insgesamt sind in der Region Central EMEA (DACH) 80 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Datenbank selbst ist eine klassische relationale Datenbank, die momentan vor allem von Lösungsanbietern als eingebettete Datenbank genutzt wird. Eine für einen Open Source Anbieter gute Basis stellen die rund 10.000 vorhandenen Kunden dar, deren Wartungsgebühren für einen stetigen Umsatzstrom sorgen. Geld verdient Ingres mit Implementierungsdienstleistungen und Subskriptionen, die Support und die Lieferung von Patches enthalten. Kosten für eine Subskription liegen bei 6.210 Euro/ CPU für Endanwender.

Ein aktueller Fokus von Ingres ist der Ausbau des Partnergeschäftes. Ein Partner war bis vor Kurzem der Data Warehouse Appliance Anbieter DatAllegro, der die Ingres Datenbank nutzte und spezielle Funktionalität für Skalierbarkeit und Performance für Data Warehousing entwickelt und in die Code-Basis zurückgegeben hat. Nach der kürzlich angekündigten Übernahme durch Microsoft soll die DatAllegro Appliance auf Microsoft SQL Server migriert werden. Schlechte Nachrichten für Ingres, denn DATAllegro war sicherlich ein wichtiger Partner die Datenbank für anspruchsvolle Data-Warehousing-Aufgaben zu verbessern. Andererseits hat DATAllegro gezeigt, dass man auf Basis von Ingres dies auch reallisieren kann.

Für den BI-Markt besonders spannend ist die IceBreaker BI Appliance. Dahinter verbirgt sich eine Bündelung von Open Source Komponenten in einem Angebot: Datenbank (Ingres 2006 DBMS), BI-Lösung (JasperSoft Business Intelligence Suite) und Betriebssystem (rPath Linux) in einer Installation, von einem Anbieter geliefert. Der Wartungspreis pro Jahr für das Paket liegt bei 32.000 Euro für 1-2 CPUs / Jahr.

IceBreaker BI Appliance soll in Zukunft auch verstärkt an Endkunden vertrieben werden. Das Paket ist interessant, da es die Komplexität der Installation reduziert und Anwender nur einen Ansprechpartner für die komplette Open-Source-Lösung haben. Mir ist keine vergleichbare Bündelung einer BI-Lösung aus einer Hand im Open-Source-Bereich bekannt. Wie bei allen Open Source BI-Lösungen gilt, dass die Funktionalität und Einsetzbarkeit der angebotenen Komponenten gegen die eigenen Anforderungen vor einem Einsatz verglichen werden sollte. Insgesamt darf man gespannt sein, wie sie der Markt aufnimmt.

Über den Autor:

Dr. Carsten Bange ist geschäftsführender Gesellschafter des Business Application Research Centers (BARC). Er ist seit mehr als 10 Jahren für nationale und internationale Unternehmen verschiedenster Branchen und Größen im Rahmen der Strategie- und Architekturberatung, Werkzeugauswahl und Qualitätssicherung in Business-Intelligence- und Datenmanagement-Projekten tätig. Als neutraler Beobachter des Softwaremarktes ist er ein häufiger Redner bei Tagungen und Seminaren sowie Autor zahlreicher Fachpublikationen und Marktstudien.

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Artikel wurde zuletzt im Juli 2008 aktualisiert

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