Mark Zimmermann, Geschäftsführer Infomotion: Jetzt kommt die Einbindung von Prozessen

Ein Interview mit Mark Zimmermann, Geschäftsführer des BI-Beratungshauses Infomotion, über die Entwicklung des BI-Marktes und die Auswirkungen der Finanzkrise.

Der Business-Intelligence (BI) -Markt ist softwaretechnisch konsolidiert. Inhaltlich wird der Blick auf das operative Geschäft immer wichtiger. Das korrespondiert mit einem starken Trend zur Funktionalisierung. Doch was ist zu tun, um Projekten zum Erfolg zu verhelfen? Und wie wirkt sich die Finanzkrise auf das BI-Geschäft aus? Ein Interview mit Mark Zimmermann, Geschäftsführer des BI-Beratungshauses Infomotion.

Der BI-Markt hat in 2007 und 2008 eine Konsolidierungswelle erfahren. Welche Entwicklungen erwarten Sie für die kommenden Monate und Jahre? 

Mark Zimmermann: Die wesentlichen Umwälzungen und Umverteilungen auf Firmenebene haben sich auf dem BI-Markt inzwischen vollzogen – die Phase der Unternehmenskonsolidierung ist damit bis auf weiteres gestoppt. Aktuell steht dementsprechend die Integration der Akquisitionen im Mittelpunkt, wie zum Beispiel diejenige von Business Objects in SAP. Parallel verstärkt Microsoft seine Bemühungen auf dem BI-Markt und hat sich hier inzwischen zu einem wichtigen Player gemausert. Auch wenn der PerformancePoint Server eingestellt wurde, gehen wir davon aus, dass die BI-relevanten Funktionen vermutlich schnell in den Microsoft SharePoint Server integriert werden. Die BI-Plattform von Microsoft bliebe damit weiterhin vollständig erhalten. 

Abgesehen von diesen strukturellen Veränderungen im Markt, in welche Richtung entwickelt sich die BI inhaltlich weiter?
 

Zimmermann: Wir konnten in den vergangenen zwölf Monaten einen starken Trend zur Funktionalisierung der BI ausmachen. Zwar hat die Datenorientierung nach wie vor oberste Priorität. Aber die Unternehmen, die wir betreuen, sind hinsichtlich der Datensammlung und -aufbereitung meistens schon sehr gut aufgestellt. Die Anforderungen gehen stattdessen weit über das bloße Reporting hinaus und beinhalten eine immer stärkere Einbindung von Prozessen und Anwendungen. Zum Beispiel in Form von Extranet-Portalen für die Kunden unserer Kunden, in denen Reporting und OLAP – neben Datenpflege, Bestellfunktionen etc. – nur einen Teil der angebotenen Funktionen ausmachen. Diese Funktionalisierung geht einher mit dem Thema Process-Centric-BI: Anstatt eines separaten Stand-alone-Systems werden BI-Funktionalitäten hier exakt an den Stellen der Geschäftsprozesse angesiedelt, wo sie konkret benötigt werden. 

Nicht selten scheitern Unternehmen bei der Umsetzung komplexer IT-Projekte wie der Einführung eines unternehmensweiten BI-Systems. Was kann ein tun, um den Erfolg eines solchen Projektes zu sichern?
 

Zimmermann: Unserer Erfahrung nach gibt es verschiedene „neuralgische Punkte“, die über den beziehungsweise Misserfolg eines entscheiden. Eines unserer Grundprinzipien ist beispielsweise „Think big – start small“: Bei der Entwicklung einer BI-Lösung sollte das Unternehmen beziehungsweise der Dienstleister immer das zukünftige Gesamtsystem im Blick haben und auf dieser Basis entsprechend die Weichen stellen. Die Entwicklung selbst sollte hingegen schrittweise in geschlossenen Zyklen erfolgen, um Teile des späteren Gesamtsystems frühzeitig nutzen zu können. Darüber hinaus setzen wird auf ein klares Top-Down-Vorgehen, sprich: Die Anwender bestimmen, welche Informationen in das System kommen – nicht die IT. 

Was ist beim Zuschnitt von Projekten zu beachten?
 

Zimmermann: Grundsätzlich sollte ein Unternehmen sich darüber hinaus nie von irgendwelchen Toolentscheidungen oder Datenquellen treiben lassen. Die Modellierung der Data Warehouses sollte sich immer an den Nutzern orientieren, nicht an den Quellen. Bewährt haben sich auch frühe Feedbackschleifen, um eventuelle Fehlentwicklungen so früh wie möglich korrigieren zu können. Und auch wenn es banal klingt: Die Basis für ein erfolgreiches Projekt ist immer noch eine klare Zielsetzung und ein detaillierter Anforderungskatalog. Unternehmen sollten bei der Bedarfsanalyse möglichst frühzeitig ins Detail gehen, sprich nicht nur klären, welche konkreten Kennzahlen benötigt werden, sondern auch, auf welcher Aggregatsebene und in welcher Aktualität gearbeitet wird. Dabei bleibt das wichtigste Fundament immer eines: die Datengrundlage. Nur wenn hier Qualität und Konsistenz sichergestellt sind, kann das System auch die richtigen Ergebnisse liefern. Leider werden diese „Binsenweisheiten“, wenn man im Verlauf des Projektes mit Tausenden Detailfragen konfrontiert wird, viel zu schnell aus dem Blick verloren. 

Was ist mit der viel beschworenen Krise? Ist diese auch auf dem BI-Markt angekommen? 


Zimmermann: Die Krise hat natürlich auch Auswirkungen auf den BI-Markt. Für uns bedeutet sie aber nicht im klassischen Sinne, dass Aufträge und Kunden schwinden, sondern vielmehr, dass sich diese ändern. So ist beispielsweise der Planungshorizont vieler Unternehmen geschrumpft: Projekte werden weniger langfristig konzipiert. In der Folge erhalten wir mehr Aufträge, diese sind aber oft von kürzerer Dauer, wodurch dann letztendlich auch unser Planungshorizont sinkt. Und dann gibt es auch noch einen umgekehrten Effekt: Laut einer Umfrage von Steria Mummert planen 60 Prozent der Kreditinstitute, ihr Risikomanagement bis 2011 auf den Prüfstand zu stellen und moderne Frühwarnsysteme einzurichten, um Risiken frühzeitig zu identifizieren. 

Im Fokus steht hierbei laut ganz klar die Verbesserung der Informationspflege mit Hilfe moderner BI-Lösungen. Bei Infomotion haben wir bisher in jedem Fall nur bei wenigen Bestandskunden einen Auftragsrückgang festgestellt – und dies meist auch nur im geringen Ausmaß. Gleichzeitig gibt es viele neue Anforderungen bei neuen Kunden. Überproportional wächst derzeit zum Beispiel der Bereich „Planung und Konsolidierung“. Das schönste Indiz dafür, dass die weder uns noch den fest im Griff hat: Wir suchen auch aktuell nach neuen Kollegen, die unser inzwischen 90-köpfiges Team verstärken wollen.

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Artikel wurde zuletzt im Oktober 2009 aktualisiert

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