ra2 studio - Fotolia

Forrester, Gartner, PAC und Co: Wohin bewegt sich Cloud ERP?

Viele Business-Anwendungen waren in der Vergangenheit in Silos gefangen. Die Cloud bietet für ERP- und andere Enterprise-Apps einen neuen Ansatz.

Für IT-Abteilung und Anwender war der nahtlose, integrierte Zugriff zwischen verschiedenen Anwendungen nie einfach. Die Kosten und Komplexität der Integration heterogener Systeme haben führenden Anbietern kommerzieller Systeme die Möglichkeit eröffnet, vertikal integrierte Enterprise Application Stacks anzubieten.

CIOs präferieren es in der Regel, alles von einem einzigen Anbieter zu kaufen, doch die einzelnen Systeme laufen in der Regel in Silos, ohne dass eine feste Verbindung zwischen ihnen besteht.

Laut den Analysten von 451 Research benötigen Unternehmen heute einen höheren Grad an Automatisierung und Konsistenz über den gesamten Einkaufszyklus hinweg. In ihrem Report 2016 Trends in Business Applications erläutern die Analysten, dass die Zusammenarbeit zwischen Geschäftsanwendungen heute wichtiger denn je sei, obwohl diese nie für eine solche Integration entwickelt wurden.

Aufbruch in die Koexistenz

Alan Pelz-Sharpe, Research Director bei 451 Research, schreibt in dem Bericht: „Geschäftsanwendungen der ersten Generation, die für ein oder zwei spezifische Aufgaben isoliert entwickelt wurden, gehen nun den Schritt zu einer ‚integrierten’ Koexistenz. Das ist ein fundamentaler Wandel für Anbieter von Geschäftsanwendungen.“

Die Supply Chain sollte zum Beispiel an jedem Punkt miteinander verknüpft werden, von der Kundengewinnung über die Fertigung bis hin zur Auftragsabwicklung und den damit verbundenen finanziellen Transaktionen. „Obwohl der Fortschritt bereits im Gang ist, wird es noch ein Jahrzehnt oder länger dauern, bis die Lieferkette wirklich dynamisch und vollständig integriert ist“, sagt Pelz-Sharpe. Die Herausforderung für viele Unternehmen bestehe darin, dass sich branchenspezifische Unternehmensanwendungen als unflexibel und kostspielig erwiesen haben.

Die Forrester-Studie Global Business Technographics Software Survey 2016 berichtet, dass von 1.350 Entscheidungsträgern in Organisationen mit 1.000 oder mehr Mitarbeitern 75 Prozent die Verbesserung der geschäftlichen Flexibilität als Hauptgrund für den Umstieg auf Cloud-basiertes Enterprise Resource Planning (ERP) nannten, während 74 Prozent eine schnellere Bereitstellung als einen großen Vorteil bezeichnen. Viele halten Cloud ERP für billiger als On-Premises-Systeme (73 Prozent) und 71 Prozent sind der Meinung, dass Cloud-basiertes ERP einfacher zu warten ist.

Mehr Agilität für wachsende Unternehmen

Paul Hamermen, Principal Analyst bei Forrester Research, schreibt in der Studie Vendor Landscape: SaaS ERP Applications, 2017: „Anwendungen, die für SaaS [Software as a Service] entwickelt wurden, sind in der Regel schneller zu implementieren und einfacher zu konfigurieren, beschleunigen die Time-to-Value und ermöglichen Wachstumsunternehmen Agilität.“

Außerdem schreibt er: „Darüber hinaus bieten mehrere SaaS-ERP-Produkte – beispielsweise FinancialForce, Oracle Cloud ERP und Oracle NetSuite – eine native Erweiterungsumgebung – wie Platform as a Service (PaaS) –, um Kunden und Partnern zusätzliche Flexibilität bei der Anpassung der Anwendungen zu ermöglichen.“

Cloud ERP wird häufig eingesetzt, um Unternehmen die Möglichkeit zu geben, schnell neue Unternehmen zu gründen und die Expansion in andere Länder zu unterstützen – bekannt als zweistufiges ERP. „SaaS ERP ermöglicht eine schnelle Implementierung, ohne die Kosten für das Technologie-Management zu haben, die mit dem Aufbau einer internen Technologieinfrastruktur zur Unterstützung der Anwendungen verbunden sind“, heißt es in der Studie.

Die Studie von Forrester hat aber auch gezeigt, dass die traditionellen ERP-Anbieter nur zögerlich Cloud ERP zur Verfügung stellen. Hamerman ist davon überzeugt, dass die meisten traditionellen Player sich nur langsam bewegen, da sie weiterhin Wartungseinnahmen erhalten möchten. Dies sei auch der Hauptgrund dafür, dass nur wenige ERP-Anbieter On-Premises SaaS-ERP-Produkte entwickeln und anbieten.

„Die Koexistenz zwischen SaaS- und On-Premises-Versionen (oder gehosteten Versionen) könnte es einem Kunden ermöglichen, die Bereitstellungsmodi in beide Richtungen zu wechseln und eine störende Migration zu vermeiden, sagt Hamerman.

Mit Netsuite hat Oracle eine klare Chance, Marktanteile im Cloud-ERP-Geschäft zu gewinnen, da es einen Anbieter mit bestehenden Kunden und einem Partnernetzwerk gekauft hat.
Frank NiemannVice President Enterprise Applications and Related Services bei Pierre Audoin Consultants

Zum Beispiel bietet Oracle mit der Übernahme von NetSuite ein reines SaaS-ERP-Produkt an, während SAP mit Business ByDesign ein eigenes, selbst entwickeltes SaaS-ERP-Angebot auf den Markt gebracht hat.

„Ihr etablierter On-Premises ERP-Anbieter kann einen attraktiven Migrationspfad zu SaaS anbieten, aber achten Sie darauf, die Vorteile und Kosten eines solchen Projekts zu verstehen – und ob das neue SaaS-Angebot relevante Architektur-, Flexibilitäts- und Benutzerfreundlichkeitsvorteile bietet, die mit Produkten vergleichbar sind, die ursprünglich für SaaS entwickelt wurden, erläutert Hamerman.

Cloud ERP ist nicht notwendigerweise ein einzelnes Produkt oder eine einzelne Dienstleistung, die über die Cloud verfügbar ist. Die Analysten von Gartner haben eine neue ERP-Ära identifiziert, die sie als „postmodernes ERP“ bezeichnen.

Gartner definiert postmodernes ERP als eine Strategie, die administrative und operative Geschäftsfähigkeiten (zum Beispiel Finanzen, Personalwesen, Einkauf, Fertigung und Vertrieb) automatisiert und mit geeigneten Integrationsstufen verknüpft, die die Vorteile der vom Anbieter gelieferte Integration mit der Flexibilität und Agilität des Unternehmens in Einklang bringen.

Im August 2016 veröffentlichte Gartner den Report You Do Not Need Cloud ERP to Solve Your ERP Challenges! Der Bericht stellt fest, dass einige Funktionen innerhalb von On-Premises ERP-Megapaketen – zum Beispiel Human Capital Management und indirekte Beschaffung – mittlerweile von SaaS dominiert werden.

Gartner weist jedoch darauf hin, dass andere Funktionen – zum Beispiel operatives ERP und Enterprise Asset Management – noch weitgehend On-Premises oder gehostet sind. „Viele Organisationen hoffen, dass sie ihre gesamte aktuelle On-Premises-Landschaft einfach in die Cloud verlagern können, aber das reicht in der Welt des postmodernen ERP nicht aus“, schreibt der Autor des Berichts, Christian Hestermann.

Unternehmen wollen weg von der internen ERP-Lösung, um agiler zu werden, auf Veränderungen zu reagieren und die mit dem Betrieb und der Wartung dieser Systeme verbundenen Kosten zu senken. Allerdings mussten viele Anwender und Manager feststellen, dass die Versprechen der Cloud-ERP-Systeme oder des SaaS ERP nicht eingehalten wurden oder schwerer zu erreichen sind, als sie erwartet haben.

„Cloud-Technologien bieten zwar Wahlmöglichkeiten für den Einsatz von ERP-Systemen auf verschiedenen Ebenen des Technologie-Stacks – Infrastructure as a Service (IaaS), PaaS oder SaaS –, aber sie verwandeln ERP-Lösungen nicht in etwas völlig Anderes“, sagt Hestermann. „Cloud-Technologien allein beheben nicht automatisch alle Probleme, die mit On-Premises ERP verbunden sind. Tatsächlich können sie neue Herausforderungen schaffen.“

Kunden in die Cloud bringen

Frank Niemann, Vice President Enterprise Applications and Related Services bei Pierre Audoin Consultants, berichtet in einem Blogbeitrag über ERP-Anbieter, dass es SAP bisher nicht besonders gut gelungen sei, die Kunden seines On-Premises ERP-Systems dazu zu bringen, in die Cloud zu wechseln.

Das Cloud-Produkt Business ByDesign sei nicht mehr oberste Priorität von SAP. Nach Niemanns Worten würden SAP-Unternehmen mehr Interesse für S/4HANA zeigen, das sowohl vor Ort als auch in der Cloud eingesetzt werden kann.

„Mit Netsuite hat Oracle eine klare Chance, Marktanteile im Cloud-ERP-Geschäft zu gewinnen, da es einen Anbieter mit bestehenden Kunden und einem Partnernetzwerk gekauft hat“, schreibt Niemann. „Damit hat Oracle einen Vorteil gegenüber SAP.“

Dies zeigt sich auch in den jüngsten Finanzergebnissen des Unternehmens: Oracle konnte den Cloud-Umsatz im ersten Quartal 2017-18 durch NetSuite um 51 Prozent steigern. „Mit einem SaaS-Umsatzanstieg von 62 Prozent wächst unser Geschäft mit Cloud-Anwendungen weiterhin mehr als doppelt so schnell wie Salesforce.com“, sagt Oracle CEO Mark Hurd. „ERP ist unser größtes und wichtigstes Geschäft mit Cloud-Anwendungen. Mittlerweile haben wir rund 5.000 Fusion-ERP-Kunden und 12.000 NetSuite-ERP-Kunden in der Oracle-Cloud. Das sind 30-mal mehr ERP-Kunden als Workday."

Noch zu früh für SAP S/4HANA?

Inzwischen räumt SAP ein, dass es für S/4HANA noch sehr früh ist. In einem Beitrag über die Geschäftsergebnisse im zweite Quartal schreibt SAP CEO Bill McDermott auf Seeking Alpha: „Wir sind noch am Anfang des S/4HANA-Momentums.“

„Erstens, wenn man die 80:20-Logik anwendet, wäre man viel näher an 15 oder 20 als an 80 Prozent in Bezug auf die Marktdurchdringung. Wir machen einen mutigen Schritt in Richtung der Kunden, die SAP noch nicht gesehen haben und vielleicht auch nicht an SAP im Mittelstand denken. Ich würde dies als Anfangsphase von S/4HANA bezeichnen, was die Rotation und den wirklichen Katalysator für das weitere Wachstum des Unternehmens betrifft“, schreibt McDermott in dem Beitrag.

Der Mittelstand ist wichtig für SAP und Oracle. „Aus funktionaler Sicht ist NetSuite für den Mittelstand, aber technisch ist NetSuite skalierbar, sagt Analyst Niemann. NetSuite ist ein praktikables Produkt, das in regionalen Vertriebs- oder Servicebüros in Kombination mit der Oracle E-Business Suite implementiert werden kann. Ebenso kann Business ByDesign von SAP in kleineren Niederlassungen eingesetzt werden, um Daten in das zentrale ERP-System einzuspeisen.

Infor ist ein weiterer ERP-Anbieter, der auf Cloud-Angebote umsteigt. Es bietet Versionen in der Public Cloud von Amazon Web Services (AWS) sowie eine Multi-Tenant SaaS-Umgebung. Infor verfolgt einen vertikalen Cloud-Ansatz, bei dem verschiedene Produkte für bestimmte Branchen kombiniert werden.

In der Forrester-Studie Vendor Landscape: SaaS ERP Applications, 2017 heißt es dazu: „Infor hat eine steigende Nachfrage nach Single-Tenant ERP-Cloud-Deployments sowie eine gewisse Nachfrage nach SaaS ERP. Aufgrund der jüngsten Finanzergebnisse übersteigen die Abonnementumsätze von Infor mittlerweile die Softwarelizenzumsätze.“

Microsoft im Cloud-ERP-Markt

Mit dem Produkt Dynamics 365 for Finance and Operations macht auch Microsoft im Cloud ERP-Markt einen großen Schritt nach vorn. Dieses wird von Gartner im Magic Quadrant for Cloud Core Financial Management Suites als Visionär positioniert.

Microsoft Dynamics 365 for Operations steht noch am Anfang seines Lebenszyklus. Obwohl Microsoft über ein umfassendes Partner-Trainingsprogramm verfügt, entwickeln sich die Fähigkeiten und das Wissen über das Ökosystem noch weiter“, heißt es bei Gartner.

Unterdurchschnittliches Kunden-Feedback

Die Gartner-Studie stellt allerdings auch fest, dass Microsoft ein unterdurchschnittliches Referenzkunden-Feedback erhalten hat. „Die von den Umfrageteilnehmern zitierten Probleme betrafen vor allem die frühzeitige Einführung einer neuen Cloud-Lösung, die sich noch in einem frühen Stadium ihres Lebenszyklus befindet, so der Gartner-Bericht.

„Microsoft ist in Großunternehmen nicht sehr erfolgreich, spielt aber im Mittelstand sehr gut mit“, sagt Niemann. Verschiedene Studien des IT-Analysten zeigen, dass Unternehmen beginnen, Cloud ERP einzusetzen. Diese Produkte ersetzen nicht notwendigerweise die gesamte Funktionalität vorhandener On-Premises-Software.

Einige, wie zum Beispiel Workday, sind nur für bestimmte Branchen geeignet. Zum Beispiel bietet Workday laut Niemann keine Unterstützung für die Fertigung an. Allerdings stellt es Eigenschaften zur Verfügung, die eine professionelle Dienstleistungsorganisation benötigt.

Der allgemeine Konsens ist, dass Cloud ERP flexibler und potenziell kostengünstiger ist als herkömmliches ERP. Wie die Analysten von 451 Research festgestellt haben, bietet Cloud ERP Unternehmen die Möglichkeit, neue Verknüpfungen zwischen Geschäftsprozessen zu definieren, die bisher in der On-Premises-Welt nicht einfach zu erreichen waren.

Folgen Sie SearchEnterpriseSoftware.de auch auf Twitter, Google+, Xing und Facebook!

Nächste Schritte

Kostenloses E-Handbook: Microsoft, SAP und Co. - Marktüberblick Cloud ERP.

Plex Manufacturing Cloud: eine bewährte Cloud-ERP-Software für Hersteller.

QAD bietet anpassungsfähiges Cloud-ERP-System für verschiedene Branchen.

Artikel wurde zuletzt im Dezember 2017 aktualisiert

Erfahren Sie mehr über Business-Software

- GOOGLE-ANZEIGEN

ComputerWeekly.de

Close