VMware und Citrix im Konkurrenzkampf um den EUC-Markt

VMware hat in den letzten Jahren eine große Aufholjagd im EUC-Markt gestartet. Inzwischen befinden sich VMware und Citrix nahezu auf Augenhöhe.

Mitte Oktober 2016 gab VMware eine Zusammenarbeit mit Microsoft bekannt, die Skype for Business auf VMware Horizon View bringt. Mich hat das nachdenklich gemacht. Zuerst dachte ich darüber nach, wie merkwürdig es schon an sich ist, dass VMware mit Microsoft zusammenarbeitet, während eigentlich ja Microsoft und Citrix immer wieder zeigen, wie gut die Partnerschaft zwischen ihnen ist. Und dann habe ich mich gefragt, was VMware jetzt im EUC-Portfolio (End-User Computing) eigentlich noch fehlt, um mit Citrix gleich zu ziehen.

Es war im Herbst 2013, als VMware über seinen Schatten gesprungen ist und EUC endlich als echtes Geschäftsmodell betrachtet hat, statt als hübsches Beiwerk im Sinne eines „eine VM ist eine VM ist eine VM“. Damals wurde Sumit Dhawan eingestellt, ein erfahrener Citrix-Veteran, der beim Aufbau der bis heute führenden VDI-Plattform (Virtual Desktop Infrastructure) mitgeholfen hatte. Bis zum Januar 2014 wurde diese Personalentscheidung nicht bekannt, aber das neue Polo-Shirt, das Sumit schon auf der VMworld Barcelona 2013 trug, sprach Bände. Damals wurden fleißig Witze gerissen, dass VMware den einfachsten Zukunftsplan aller Zeiten hätte: Einfach einen Zettel mit den Features von XenApp/XenDesktop an die Wand kleben und mit dem Programmieren anfangen.

Seit dieser Zeit sind Citrix durchaus einige Fehltritte unterlaufen, trotzdem ist Citrix bis heute der Platzhirsch im EUC-Markt. Und trotzdem, mit jedem Update von VMwares Horizon-Plattform klettert der Herausforderer die Leiter ein Stück weit höher und macht beständig Boden gut. Spätestens als VMware mit Horizon 6 auch die Unterstützung für RDSH-basierte Desktops (Remote Desktop Session Host) integriert hatte, war nicht mehr zu übersehen: VMware meint es ernst.

VMware und Citrix: Im EUC-Markt nahezu funktionsgleich

Seit vor Kurzem Blast Extreme eingeführt wurde, macht VMware damit Werbung für ein modernes Remote-Protokoll zur Desktop-Virtualisierung, dass VMware von Grund auf neu erschaffen hat und das gemäß dem heutigen Bedarfen von Netzwerken und Anwendungsfällen entwickelt wurde. Die Behauptung des Herstellers, dass damit auch Citrix HDX übertroffen wird, lasse ich erst einmal so stehen, bis es unabhängige Daten dazu gibt.

Allerdings könnte man sich die Beurteilung von Blast Extreme auch komplett ersparen, denn im Grunde gibt es keinen Zweifel daran, dass die traditionellen Remote-Protokolle für die meisten Anwendungsfälle völlig ausreichen. Jedes einzelne zielt auf ganz bestimmte Einsatzszenarien, die wiederum nur wenige Anwender interessieren. Der Konkurrenzkampf um das beste Remote-Protokoll ist vorbei und im Grunde haben wir alle dabei gewonnen.

Und genauso könnte es gut sein, dass auch der Konkurrenzkampf um die beste Plattform zur Desktop-Virtualisierung in seinen letzten Zügen liegt. Die Unterschiede zwischen VMware Horizon und Citrix XenDesktop/XenServer sind marginal, ein Unterscheidungsmerkmal war bislang immer noch besagte Skype-for-Business-Unterstützung. Nachdem auch dieser Punkt bald erledigt ist, immerhin ist bereits Anfang 2017 noch mit einer Technologievorschau zu rechnen, was bleibt da noch?

Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Citrix-Plattform mehr Features aufweist. Immerhin beschäftigt sich Citrix bereits mit der Desktop-Virtualisierung, seitdem es für diesen Vorgang einen Namen gibt. Citrix verfügt auch über eine im höchsten Maß integrierte Netzwerkplattform, die für die Nutzung von XenApp oder XenDesktop quasi benötigt wird und es gibt viele Funktionen, die über die Jahre auf Kundenwunsch integriert wurden.

Aber all diese Features, wie die Siri-Integration oder automatische UI-Updates für den Citrix Receiver, sind eher nette Dreingaben als wirklich harte Wettbewerbsvorteile, die eine Kaufentscheidung beeinflussen würden. Man werfe nur einen Blick auf die Vergleichstabelle von Citrix, welche nur von Citrix angebotene Funktion würde hier alleine für sich genommen wirklich den Ausschlag geben?

Zugegebenermaßen kommt Citrix hier vielleicht ein wenig zu kurz. Immerhin ist Citrix der Vorreiter und VMware musste einfach nur genügend interne Entwicklungsressourcen bereitstellen, um vergleichbare Funktionen zu bieten. Heute jubeln alle VMware für die erfolgreiche Aufholjagd zu, während Citrix weiterhin mit kleinen Schritten versucht, dem Markt neue Impulse zu geben und sich damit gegen die Aufholjagd von VMware stemmt.

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Andererseits geht es Administratoren und Kunden in dieser Situation ziemlich gut. Dem EUC-Markt stehen zwei große VDI-Plattformen zur Verfügung, die schlicht und ergreifend funktionieren. Unzulänglichkeiten der einen Plattform mögen die jeweils andere Plattform als eher geeignet erscheinen lassen als die andere, aber im Wesentlichen kann man sich zur Bereitstellung virtueller Desktops getrost beiden Plattformen anvertrauen.

Wie geht es also weiter? Kommen dank des harten Wettbewerbs im EUC-Markt bei der Desktop-Virtualisierung noch große Dinge auf uns zu? Oder wird es auf eine Art technischen Grabenkrieg hinauslaufen, bei dem jede Seite der anderen bestimmte Fakten abspricht, um für sich selbst einen kleinen Vorteil zu reklamieren, ohne dass es dabei insgesamt irgendwie weitergeht? Wie stark können zwei Unternehmen in der Cloud konkurrieren, wo es einzig und alleine auf Menge und Effizienz ankommt, um hauchdünne Margen zu kompensieren?

Sowohl Citrix wie auch VMware haben spezifische Vorteile gegenüber dem jeweils anderen, wobei ein Vorteil von Citrix im Hosten von Desktops in beliebigen Clouds genauso wie im lokalen Rechenzentrum liegt, während VMware die ausgereiftere DaaS-Plattform (Desktop as a Service) bietet. Das alles sind Themen für den EUC-Markt 2017 und man darf gespannt sein, wie sich Citrix und VMware hier weiter aufstellen.

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