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So gelingt die Transformation durch Cloud Change Management
Cloud Change Management optimiert Prozesse, stärkt die Zusammenarbeit und steigert die Agilität, um Unternehmen erfolgreich auf KI-gestützte Cloud-Systeme vorzubereiten.
Bis 2030 sind mehr als 2 Billionen US-Dollar an Investitionen in Cloud Computing zu erwarten. Bis zu 15 Prozent dieses Wachstums sind laut Goldman Sachs auf generative KI zurückzuführen. Künftig werden immer mehr Unternehmen KI einsetzen und Workloads in die Cloud verlagern, daher ist effektives Cloud Change Management essenziell. Wichtig ist die richtige Strategie, um Kosten, Aufwand und Risiken zu minimieren.
Die IT-Infrastruktur in Unternehmen zu wechseln und auf die Cloud umzustellen, bringt weitreichende Veränderungen mit sich. Wer seine Cloud-Transformation jedoch strategisch steuert, kann sein Unternehmen vor einigen typischen Fallstricken und Herausforderungen schützen, die mit dem Wechsel in die Cloud verbunden sind. Folgende Faktoren spielen dabei häufig eine Rolle:
- unterschiedliche Anforderungen der Abteilungen: Die Cloud-Transformation wirkt sich unterschiedlich stark auf einzelne Unternehmensbereiche aus. Während manche in der Cloud lediglich einen Ersatz für physische Aktenschränke sehen, nutzen andere sie intensiv für DevOps. Auch kundenspezifische Anforderungen gilt es zu berücksichtigen.
- Änderungen bei der Compliance: Möglicherweise braucht es neue interne Richtlinien für Mitarbeiter, um die Einhaltung von Vorschriften zu gewährleisten und die Cloud-Nutzung zu reglementieren. Vor allem in Bezug auf PCI-, DSGVO- oder HIPAA-Vorgaben müssen Unternehmen prüfen, wie sich diese Anforderungen auf die Nutzung und Migration der Cloud auswirken.
- veränderte Ziele: Konkrete Ziele für die Migration in die Cloud und deren Optimierung sind entscheidend – aber ohne sorgfältige Planung schwer zu definieren und zu verfolgen. Ein Change-Management-Prozess hilft dabei, sie festzulegen und zu erreichen.
Warum Change Managment für die Cloud sinnvoll ist
Organisatorischer Wandel und neue digitale Arbeitsweisen bringen tiefgreifende Veränderungen für das gesamte Unternehmen mit sich. Je besser eine Organisation auf solche Transformationsprozesse vorbereitet ist, desto flexibler und wirkungsvoller kann sie auf neue Herausforderungen reagieren.
Das Management von Cloud-Transformation fokussiert sich hierbei, anders als klassisches Change Management, auf sechs Schwerpunktbereiche:
- Business: IT-Strategie als integraler Bestandteil des Geschäftsmodells
- Mitarbeiter: Förderung Cloud-spezifischer Kompetenzen im Team
- Governance: integrierte Steuerung von IT und Unternehmen
- Plattform: Entwicklung klarer Richtlinien und Tools für den strategischen Einsatz der Cloud
- Sicherheit: unternehmensspezifische Kontrollmechanismen und Incident-Response-Strategien
- Betriebsabläufe: kontinuierliches Monitoring zur Sicherstellung kunden- und unternehmensgerechter Prozesse
Ein solches zielgerichtetes Management der Cloud-Transformation ist ein zentraler Hebel, um Agilität zu fördern, Bereitstellungsprozesse zu beschleunigen und die Zusammenarbeit zwischen Business und IT nachhaltig aufzusetzen und zu verbessern. Unternehmen, die eine strukturierte Cloud-Transformation priorisieren, profitieren dabei auf mehreren Ebenen.
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„Viele ISV unterschätzen die operativen Veränderungen, die mit der digitalen Transformation einhergehen. Zusätzlicher Verwaltungsaufwand und ein wachsender Ressourcenbedarf werden häufig übersehen.“
David Torgerson, Lucid Software
Ein entscheidender Vorteil liegt in verbesserter Agilität: Cloud-Technologie ermöglicht es Unternehmen, agile Frameworks effektiv zu nutzen und Entwicklungszyklen deutlich zu verkürzen. Cloud Change Management unterstützt dabei nicht nur den Wechsel von traditionellen oder veralteten Bereitstellungsmethoden hin zur Cloud, sondern sorgt auch dafür, dass neue Prozesse besser auf die strategischen Geschäftsziele abgestimmt werden. Die stärkere Automatisierung innerhalb Cloud-basierter Entwicklungsumgebungen erleichtert Testprozesse und ermöglicht häufigere und schnellere Bereitstellungen – weit über das hinaus, was manuell machbar wäre – und sorgt so für Effizienzgewinne. Gleichzeitig fördert das Management der Cloud-Transformation die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit und verhindert Kommunikationssilos, die typischerweise zu Verzögerungen führen.
Nicht zuletzt stärkt Cloud Change Management die Verbindung zwischen Business und IT. Durch den Einsatz von Infrastructure as Code (IaC) lassen sich Geschäfts- und IT-Aktivitäten besser koordinieren – insbesondere durch moderne, horizontale Architekturen. Gleichzeitig bringt die Cloud-Transformation Veränderungen bei Rollen, Verantwortlichkeiten und Teamstrukturen mit sich. Ein klarer Change-Management-Plan hilft, diese Veränderungen transparent zu machen, Missverständnisse zu vermeiden und Teams gezielt auf neue Anforderungen vorzubereiten.
4 Ansätze, wie Change Management die Cloud-Transformation unterstützen kann
Die Umstellung auf die Cloud bringt viele Möglichkeiten für beschleunigte Arbeitsabläufe mit sich, aber auch einige Herausforderungen. Häufig sind es eine unzureichende oder isolierte Kommunikation, veraltete Dokumentationsprozesse sowie schwerfällige Geschäftsabläufe, die nicht mit der Dynamik und Komplexität Cloud-basierter Systeme Schritt halten können. Genau hier setzt Cloud Change Management an: Es unterstützt Unternehmen dabei, Veränderungsprozesse gezielt zu gestalten und individuell passende Lösungsansätze zu entwickeln.
Es gibt vier zentrale Ansätze, wie Cloud-Change-Management Unternehmen in ihrer Transformation wirksam begleiten kann:
1. Stakeholder früh bereichsübergreifend einbinden
Häufig erfordert die Umstellung es, Input und Feedback vieler Beteiligten einzuholen, was den Projektfortschritt verlangsamen kann. Um dem entgegenzuwirken, sollten Stakeholder möglichst früh eingebunden werden, beispielsweise durch festgelegte Vorabfreigaben für bestimmte Aufgaben und Szenarien.
2. Hohe Komplexität der Cloud managen
Mittels zentraler Plattformen können Mitarbeiter bereichsübergreifend gemeinsam an wichtigen Themen arbeiten und den Prozess dokumentieren. Besonders Tools, die die Visualisierung der Cloud möglich machen, können dabei helfen, wichtige Änderungen nachzuvollziehen und diese dann auch für andere besser verständlich zu kommunizieren. Beispielsweise ließe sich eine visuelle Darstellung der aktuellen und zukünftigen Cloud-Architektur für alle Mitarbeiter bereitstellen und so eine geteilte Diskussionsgrundlage schaffen.
3. Verbesserte Abstimmungsprozesse
Für ein erfolgreiches Change Management ist es entscheidend, dass Teams nicht isoliert arbeiten und Ressourcen strategisch gesteuert werden. Hier helfen Projektpläne zu Timings und Aufgabenverteilung, in denen transparent für alle Beteiligten dokumentiert ist, wer bis wann welche Aufgaben für die Umstellung übernimmt.
4. Standards für die Cloud-Nutzung festlegen
Einheitliche, regelmäßig aktualisierte Richtlinien für die Nutzung von Cloud-Ressourcen sind die Basis für Sicherheit, Transparenz und Compliance. So lassen sich Sicherheitslücken schließen, unkontrollierte Kosten vermeiden und die Cloud-Nutzung dauerhaft effizient gestalten. Werden diese Standards zudem unternehmensweit kommuniziert und Mitarbeiter regelmäßig geschult, entsteht ein gemeinsames Verständnis, das die Zusammenarbeit zwischen IT und Fachbereichen stärkt.
Ein durchdachtes Change Management der Cloud-Transformation ist somit der Schlüssel für einen erfolgreichen und nachhaltigen Wandel im Unternehmen. Es unterstützt Organisationen dabei, den aktuellen Herausforderungen zu begegnen und macht sowohl die unternehmensinternen Strukturen und Prozesse als auch die Mitarbeiter fit für eine von KI geprägte Zukunft.
Über den Autor:
David Torgerson ist Vice President für Technologie und Sicherheit bei Lucid Software, einem Anbieter für visuelle Zusammenarbeit. Er kam 2013 als erster DevOps-Mitarbeiter zu Lucid. Heute verantwortet er alle IT- und Infrastrukturaktivitäten und sorgt dafür, dass die interne Technologie und Sicherheit dem Wachstum von Lucid gerecht werden. David Torgerson hat über 20 Jahre Erfahrung in der Leitung von Teams in den Bereichen Infrastruktur, Sicherheit, Netzwerk und DevOps. Zuvor war er unter anderem bei Fidelity Information Services und FamilySearch tätig.
Die Autoren sind für den Inhalt und die Richtigkeit ihrer Beiträge selbst verantwortlich. Die dargelegten Meinungen geben die Ansichten der Autoren wieder.