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Softwaremodernisierung als strategisches Kernthema angehen
Softwaremodernisierung ist mehr als nur gelegentlich Updates einzuspielen. Vielmehr entscheidet die richtige Strategie über den Erfolg – und über die Wettbewerbsfähigkeit.
Mit Blick auf die eigene IT-Infrastruktur dürften vielen Verantwortlichen zahlreiche Gründe einfallen, warum eine Modernisierung der eingesetzten Software längst überfällig ist. Nicht selten entsteht dabei ein erheblicher Handlungsdruck: Häufen sich in der Systemlandschaft veraltete Komponenten, wachsen nicht nur technische Schulden, sondern auch kritische Angriffsflächen – ein Risiko, das sich kein Unternehmen leisten kann. IT-Systeme kontinuierlich auf einem aktuellen und sicheren Stand zu halten ist daher alternativlos.
Was in der Theorie so einfach klingt, ist in der Praxis allerdings meist leichter gesagt als getan – Herausforderungen wie eine komplexe Budgetplanung, knappe personelle Ressourcen und der zeitliche Aufwand stellen viele Unternehmen vor erhebliche Hürden. Das Problem: Ein dauerhaftes Verschieben notwendiger Modernisierungen führt unweigerlich zu weiteren Baustellen, die langfristig teurer und aufwendiger zu beheben sind.
Softwaremodernisierung muss daher als strategisches Kernthema auf jeder Agenda stehen. Die Effektivität und Effizienz der Projekte hängen dabei maßgeblich von der gewählten Herangehensweise ab. Eine halbherzige Planung und die Scheu vor Investitionen führen in der Regel dazu, dass Projekte länger dauern, Kosten außer Kontrolle geraten und lediglich kurzfristige Lösungen geschaffen werden. In der Praxis hat sich daher ein ganzheitlicher Ansatz als deutlich erfolgreicher erwiesen.
Ein holistisches Konzept bedeutet, nicht nur Symptome zu bekämpfen, sondern die gesamte IT-Landschaft strategisch zu betrachten. Ein klar definierter Fahrplan, der den Umfang, die Prioritäten sowie realistische Zeit- und Kostenrahmen berücksichtigt, bildet dabei die Grundlage. Essenziell ist außerdem, die Modernisierung in kleinere Etappen zu unterteilen. So können Unternehmen flexibel auf unerwartete Herausforderungen reagieren und frühzeitig erste Erfolge erzielen, was die Akzeptanz innerhalb der Organisation erhöht.
Neben einer soliden Strategie ist die Wahl der richtigen Technologien ein entscheidender Faktor. Ansätze wie Containerisierung, Microservices, künstliche Intelligenz (KI) oder die Cloud-Migration können nicht nur die Agilität erhöhen, sondern auch zukünftige Wartung und Skalierung erleichtern. Gleichzeitig sollte das Thema IT-Sicherheit von Anfang an integraler Bestandteil der Modernisierung sein. Regelmäßige Sicherheitsprüfungen und ein proaktives Patch-Management minimieren Risiken und tragen dazu bei, die Infrastruktur widerstandsfähiger gegenüber Cyberangriffen zu machen. Große Ziele – wo sollten Unternehmen dafür den ersten Hebel ansetzen?
Der Status quo als Ausgangspunkt
Der erste Schritt bei der Modernisierung ist eine umfassende Analyse des Ist-Zustandes der bestehenden IT-Systeme. In dieser frühen Phase müssen Unternehmen zentrale Fragen beantworten, etwa, welche Rolle die jeweilige Software innerhalb der IT-Landschaft spielt und ob sie überhaupt noch relevant sind. Eine initiale Bestandsaufnahme hilft, Schwachstellen und Optimierungsmöglichkeiten im Code zu identifizieren und gleichzeitig überflüssige Funktionen auszusortieren. Dabei sollten IT-Teams auch evaluieren, welche Anforderungen künftig an die Software gestellt werden können – etwa im Abgleich mit der technologischen Roadmap und in Rücksprache mit den jeweiligen Fachbereichen. Die Ergebnisse dieser Analyse bilden das Fundament für den weiteren Modernisierungsprozess.
Nach der Bestandsaufnahme rückt die strategische Planung in den Fokus. Zielsetzung und Konzept sind eng miteinander verknüpft: Die Verantwortlichen müssen definieren, welche Komponenten und Bereiche zu modernisieren sind und welches Endergebnis angestrebt wird. Die Auswahl der passenden Methoden – sei es Refactoring, eine schrittweise Modernisierung einzelner Abschnitte, oder ein vollständiges Redesign – hängt maßgeblich von den Zielsetzungen ab. Ein Big Bang-Ansatz, bei dem die Software komplett und in einem Schritt umgestellt wird, birgt oft erhebliche Risiken und kann bei technischen Problemen zu hohen Kosten führen. Stattdessen empfiehlt sich eine inkrementelle Vorgehensweise, bei der die Software während des Prozesses weiterhin nutzbar bleibt und Unternehmen flexibel auf Herausforderungen reagieren können.
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„Die Modernisierung von Software ist längst kein optionales Upgrade mehr, sondern eine Investition in die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens.“
Nadine Riederer, Avision
Dafür ist auch eine realistische Aufwandsschätzung unverzichtbar, um den Modernisierungsprozess planbar zu gestalten. Zentrales Ziel ist dabei, die technische Machbarkeit, Geschäftsziele und Budgetvorgaben miteinander zu harmonisieren. Vielen Unternehmen fehlt es jedoch an Erfahrungswerten, um die Komplexität des Vorhabens präzise einzuschätzen. Hier können externe Dienstleister mit ihrem Know-how entscheidende Hilfestellungen geben, indem sie nicht nur technische Expertise, sondern auch methodische Unterstützung einbringen.
Zukunftsfähigkeit durch gezielte Modernisierung
Ein weiterer, oft unterschätzter Faktor ist die Testautomatisierung. Sie beschleunigt nicht nur Entwicklungszyklen, sondern minimiert auch Fehlerquellen und sorgt für ein konsistentes Testing. Open-Source-Tools wie Selenium oder Cypress bieten hier eine solide Grundlage, um automatisierte Tests zu implementieren. Entscheidend ist jedoch, die Testautomatisierung messbar zu machen: Wie viel Code wird tatsächlich abgedeckt? Wurden Stellen übersehen?
Die Modernisierung von Software ist längst kein optionales Upgrade mehr, sondern eine Investition in die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens. Ein strukturierter Fahrplan sowie ein fundiertes Verständnis von Umfang und Komplexität sind wesentliche Voraussetzungen für den Erfolg solcher Projekte. Denn: So wichtig die Modernisierung ist, so anspruchsvoll kann sie auch sein. Indem Unternehmen systematisch vorgehen, strategische Entscheidungen treffen und in zukunftsweisende Technologien wie die Testautomatisierung investieren, können sie nicht nur bestehende Herausforderungen meistern, sondern auch eine solide Basis für ihre digitale Transformation schaffen.
Über die Autorin:
Nadine Riederer ist CEO beim auf Software-Revival spezialisierten IT-Dienstleister Avision.
Die Autoren sind für den Inhalt und die Richtigkeit ihrer Beiträge selbst verantwortlich. Die dargelegten Meinungen geben die Ansichten der Autoren wieder.