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Welche Folgen hat die Übernahme von EMC und VMware für Dell vWorkspace?

Mit der EMC-Übernahme holt sich Dell mit VMware Horizon auch Konkurrenz für sein vWorkspace ins Haus. Ein Kandidat für die Produkt-Konsolidierung?

Die Übernahme von EMC und damit auch eines großen Teils von VMware durch Dell wirft auch für den VDI-Markt (Virtual Desktop Infrastructure) einige Fragen auf, zum Beispiel, welche Zukunft Dells eigene Produkte zur Desktop-Virtualisierung wie Dell vWorkspace haben. Dell hatte vWorkspace zusammen mit Quest Software im Jahr 2012 für 2,3 Milliarden US-Dollar übernommen. Damals schien vWorkspace eine große Zukunft bevorzustehen, da Dell sehr gute partnerschaftliche Beziehungen zu Citrix und VMware unterhielt – was im Grunde natürlich auch heute noch der Fall ist.

Dell vWorkspace ist eine erstklassige VDI-Plattform, liegt für viele Administratoren und IT-Entscheider aber nach wie vor nur auf dem dritten Platz – hinter Citrix XenDesktop/XenApp und VMware Horizon. Dell hat in der Vergangenheit sicher gut daran getan, dieses Verhältnis nicht mit aller Macht ändern zu wollen, sondern sich stattdessen der guten Partnerschaft zu Citrix und VMware wegen auf bestehende vWorkspace-Kunden beschränkt.

In letzter Zeit hat Dell die Werbetrommel für vWorkspace aber wieder deutlich lauter gerührt, ohne dabei die strategischen Partner durch eine zu große Konkurrenz zu gefährden. Dell versucht also nicht, VMware- und Citrix-Kunden offensiv abzuwerben, wirft bei Kunden, die über einen Wechsel der VDI-Plattform nachdenken, aber durchaus vWorkspace als Option in den Ring. Dell konzentriert sich dabei ebenfalls auf Kunden, die ihre VDI-Deployments vereinfachen wollen und arbeitet hart daran, den Konfigurationsprozess schlanker zu gestalten sowie die Beziehung zu Microsoft und deren Hypervisor Hyper-V zu verbessern.

Für die VDI-Industrie hört sich das zunächst einmal sehr gut an, ein bisschen mehr Konkurrenz könnte hier sicherlich nicht schaden. Dell vWorkspace schien also auf einem guten Weg, dann aber wurde die Übernahme von EMC/VMware bekannt. Dell kauft also EMC und deren 80 prozentigen Anteil an VMware für 67 Milliarden US-Dollar, vor Mitte 2016 dürfte dieser Deal aber nicht in trockenen Tüchern sein – frühestens. Die übrigen 20 Prozent von VMware werden öffentlich gehandelt, und um die Schulden für die Übernahmen zu minimieren, dürfte Dell sehr wahrscheinlich weitere Anteile an VMware veräußern. Damit wird Dell aber sicher der größte Anteilseigner von VMware bleiben.

Man sieht also, wohin dieser Weg führt. Dell gehört vWorkspace, eine unterschätzte, aber exzellente VDI-Plattform auf Basis von Hyper-V. Mitte bis Ende nächsten Jahres gehört Dell dann aber auch ein großer Anteil an VMware und VMware Horizon, eine der bekanntesten VDI-Lösungen. Zudem wird Dell mit VMware auch den Hypervisor vSphere übernehmen, der eigene Umsatzströme generiert und der zunehmend unter der Konkurrenz durch Hyper-V leidet. Können diese beiden Lager in einer Hand erfolgreich koexistieren?

Welche Zukunft hat Dell vWorkspace?

Auf der einen Seite ist es schwer vorstellbar, dass Dell mit vWorkspace und Hyper-V einfach so weitermacht, wenn das Unternehmen gleichzeitig ein wertvolleres, wohl auch einfach besseres Produkt auf Basis von VMware besitzt, einem klaren Microsoft-Konkurrenten. vWorkspace wurde von Dell auch bislang schon nicht prominent in den Vordergrund geschoben, in dieser Situation könnte also das Ende der Fahnenstange erreicht sein.

Auf der anderen Seite ist diese Übernahme ganz anders als alles, was wir bisher im VDI-Bereich gesehen haben: Dell wird VMware ja nicht vollkommen übernehmen. Dell wird einen großen Anteil an VMware halten – wenn auch wahrscheinlich nicht mehr so groß wie EMC bisher. VMware war auch bisher unter EMC schon eine weitgehend unabhängige Firma, indem der Anteil mit Dell nun sinkt, könnte man also durchaus eine noch größere Unabhängigkeit erwarten.

In diesem Licht betrachtet dürfte sich die Beziehung zwischen Dell und VMware dann auch kaum verändern. Dell hat eine Partnerschaft mit VMware am Laufen, die Dell für alle Produkte belohnt, die im Zusammenhang mit VMware-Produkten stehen. Dell kann also nach wie vor Produkte auf Basis von vSphere und Horizon View oder auf Basis von Hyper-V und vWorkspace verkaufen.

Die Zukunft von vWorkspace dürfte letztendlich also alleine davon abhängen, wie viel Geld Dell mit Microsoft und wie viel mit VMware verdienen kann. Bringt vWorkspace zukünftig mehr Umsatz ein als Horizon durch den anteiligen Besitz? Wie viele Kunden werden sich jetzt überhaupt noch für vWorkspace entscheiden, wo die weitere Existenz doch stark in Frage gestellt werden kann? Dell wird sich sicherlich nicht überstürzt zum Aus von vWorkspace entscheiden, aber es ist schon interessant zu sehen, wie vWorkspace zuletzt deutliche Fortschritte gemacht hat, jetzt aber durch die Übernahme von EMC wieder einen Rückschlag erhalten hat.

Zumindest in den nächsten Monaten wird sich für vWorkspace-Kunden sicherlich nichts ändern. Danach wird es aber spannend zu beobachten, was mit vWorkspace passiert, wie sich das Verhältnis zwischen Dell und Microsoft verändert und vor allem auch, welche Auswirkungen die Übernahme auf die Partnerschaft mit Citrix hat.

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