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6 Prioritäten für Ihr Netzwerk im Jahr 2026
Führungskräfte müssen das Unternehmensnetzwerk überdenken, um den Anforderungen gerecht zu werden. Schwerpunkte sind eine KI-fähige Infrastruktur, Automatisierung und Sicherheit.
Nun, da wir das Jahr 2026 erreicht haben, werden viele Netzwerkfachleute auf die Ereignisse des vergangenen Jahres zurückblicken. Wie kann die Branche Unternehmen besser bei der Vernetzung unterstützen, insbesondere angesichts des enormen Drucks, KI und ROI zu liefern? Wie können Netzwerkteams diese Herausforderungen bewältigen?
Ich habe einige Ideen, die auf meinen eigenen Untersuchungen sowie auf Rückmeldungen von Praxisexperten und Anbietern basieren. Sie sind nicht in einer bestimmten Reihenfolge aufgeführt, sodass Netzwerkprofis diejenigen auswählen sollten, die für sie am relevantesten sind.
1. Fokus auf Netzwerke für KI-Inferenz
KI wird ihre rasante Entwicklung im Jahr 2026 fortsetzen. Vor einem Jahr war es noch schwer, abzuschätzen, wie viel Aufwand und Energie für den Aufbau spezialisierter Netzwerke zur Unterstützung von GPU-Trainings-Clustern im Vergleich zur weit verbreiteten Nutzung von KI im gesamten Unternehmen aufgewendet werden müssten.
Das vergangene Jahr hat jedoch etwas Klärung gebracht: Der Großteil des Trainings findet in der Cloud statt und der Plan für eine verteilte Inferenz steht nun im Mittelpunkt. Das bedeutet, dass Netzwerke auf eine erhöhte Datenerfassung zur Versorgung der KI-Engines sowie auf eine verringerte Latenz vorbereitet werden müssen, um Analyse- und Aktionsschleifen zu straffen. Für viele wird dies ein wichtiger Grund sein, sich 2026 ernsthaft mit Aktualisierungen und Upgrades zu befassen – vom Rechenzentrum über den Campus bis zur Niederlassung.
Wi-Fi 7 und privates 5G stehen bereit, um die Zugangsebene zu optimieren. Zudem verbessern sich die Kernnetzwerkkapazitäten weiter und es gibt eine wachsende Anzahl von Netzwerkgeräten, die Datenverarbeitungseinheiten enthalten, um die verteilte Inferenz zu erleichtern.
2. Proaktives Networking könnte Realität werden
Netzwerkteams wünschen sich schon seit Langem proaktives Networking, aber für viele war dies bisher nicht praktikabel. Machine Learning Operations (MLOps) und AIOps versprachen Abhilfe. Allerdings stecken NetOps-Teams immer noch im reaktiven Break-and-Fix-Modus fest. Das liegt vor allem an der einzigartigen Schneeflocken-Natur (eine hierarchische Stern-Topologie) jedes Unternehmensnetzwerks.
Das könnte sich mit dem Aufkommen und den ersten Erfolgen agentischer KI ändern. Diese kann ihre Zeit damit verbringen, Anomalien zu erkennen und zu verfolgen, um festzustellen, ob sie Maßnahmen erfordern. Selbst die Suche nach potenziellen Korrekturmaßnahmen und die entsprechende Empfehlung sind für KI-Agenten kein Problem, da sie in Wissensdatenbanken navigieren können.
Netzwerkprofis sollten im Jahr 2026 beobachten, was die Anbieter mit agentischer und generativer KI vorhaben. Das Potenzial ist vorhanden, und 2026 könnte der Zeitpunkt sein, an dem sich zeigt, ob diese Technologien im Netzwerk etwas bewirken können.
3. Fortschritte bei der Netzwerkautomatisierung messen
Das Bestreben, Netzwerke zu automatisieren, hat in den letzten Jahren an Dynamik gewonnen. Infrastructure as Code und DevOps-Initiativen treiben diesen Prozess voran und verändern die Landschaft der Anwendungsentwicklung. Die Bemühungen von Organisationen wie dem Network Automation Forum (NAF) tragen dazu bei, indem sie gleichgesinnte Netzwerkprofis zusammenbringen, um Best Practices auszutauschen und einen Konsens darüber zu erzielen, wie Fortschritte erzielt werden können.
Cloud Networking ist bereits weitgehend automatisiert, ebenso wie die meisten virtuellen Netzwerke zur Unterstützung virtueller Rechen- und Containerumgebungen. Traditionelle Campusnetzwerke, Zweigstellen- und Rechenzentrumsnetzwerke sind jedoch weniger konform, was zum Teil auf das Fehlen standardisierter Netzwerkbetriebssysteme und gut strukturierter APIs zurückzuführen ist.
Zwei evolutionäre Veränderungen geben Hoffnung, diese Hindernisse zu überwinden:
- Das Model Context Protocol (MCP) der agentischen KI ist eine vereinfachte Alternative zu APIs.
- Die Migration von SONiC aus den Cloud-Umgebungen der Betreiber in die Unternehmen hat begonnen.
Netzwerkprofis, denen dieses Verständnis fehlt oder die ihre Programmierkenntnisse als zu lückenhaft einschätzen, sollten sich die vielen etablierten und bewährten Plattformen der Netzwerkautomatisierung ansehen. Diese werden von kommerziellen Anbietern kontinuierlich modernisiert, um sie an die dynamischen Umgebungen von heute anzupassen.
4. Stöbern Sie in Kubernetes
Die neueste Version des virtuellen Netzwerks wächst schnell in Container-Orchestrierungsumgebungen, insbesondere in Kubernetes. Dies ist jedoch kein neues Thema. Kubernetes-basierte Umgebungen werden mittlerweile in der Produktion und in großem Maßstab eingesetzt.
Diese Entwicklung führt zu den typischen Herausforderungen der Netzwerkskalierung, darunter Lastenausgleich, DNS, IP-Adressverwaltung, Sicherheit und mehr. Die Cloud-Native-Community hat Fortschritte bei der Bewältigung dieser Herausforderungen erzielt, doch nun werden auch die etablierten Netzwerkanbieter darauf aufmerksam und beteiligen sich.
So waren beispielsweise Cloudflare, Fastly und HAProxy auf der KubeCon vertreten und Nutanix sowie Avi Networks, das zu VMware gehört und von Broadcom übernommen wurde, kündigten spezifische Kubernetes-Anpassungen an. Es könnte sich lohnen, Kubernetes zu erkunden und bei den Anpassungen mitzuhelfen, da von Netzwerkteams erwartet werden könnte, dass sie Kubernetes in der Produktionsumgebung unterstützen.
5. Werfen Sie einen weiteren Blick auf 5G für Unternehmen
Bislang lag der Schwerpunkt des 5G-Marktes vor allem auf der Verbraucherseite. Mit dem Aufkommen vollständiger 5G-Servicearchitekturen, die als 5G Standalone (5G SA) bekannt sind, stehen jedoch nun fortschrittlichere Funktionen zur Verfügung. Dadurch wird 5G SA zu einer praktikablen Alternative für Unternehmenszugangsnetzwerke.
Beispielsweise dürften die jetzt verfügbaren privaten Netzwerklösungen, die Network Slicing nutzen, in Verbindung mit erheblichen Verbesserungen bei Bandbreite und Leistung sowie einer wachsenden Palette integrierter Sicherheitsfunktionen 5G SA interessant machen.
In diesem Bereich machen viele Mobilfunknetzbetreiber stetige Fortschritte. Da die Mobilfunkabdeckung und Signalstärke limitierende Faktoren sein können, ist 5G SA vor allem dort sinnvoll, wo die 5G-Abdeckung gut ausgebaut ist. Nun kommen jedoch auch integrierte nicht-terrestrische (satellitengestützte) Lösungen hinzu, um die 5G-Konnektivität auf nahezu jeden Winkel der Erde auszuweiten.
6. Nehmen Sie NetSecOps ernst
Zwischen den von NetOps verwendeten Technologien zur Betriebsüberwachung und -verwaltung und denen, die auf der Netzwerkseite von SecOps zum Einsatz kommen, gab es schon immer enge Parallelen.
Als ich mich vor fast 15 Jahren zum ersten Mal mit diesem Thema befasste, stellte ich fest, dass eine hohe Ad-hoc-Zusammenarbeit zwischen NetOps und SecOps damals eher die Regel als die Ausnahme war. Diese Zusammenarbeit hat sich vertieft und wird sich voraussichtlich auch in Zukunft fortsetzen.
Eine im September 2025 von mir und einem Kollegen durchgeführte Omdia-Studie zur Konvergenz von Netzwerken und Sicherheit ergab, dass ein Drittel der Unternehmen bereits ein einziges einheitliches Team für die Beschaffung, Bereitstellung und Verwaltung von Netzwerk- und Sicherheits-Tools und -technologien eingerichtet hat. Weitere 40 Prozent waren dabei, sich zu vereinheitlichen. In derselben Studie gaben 95 Prozent der Teilnehmer an, dass die Konvergenz von Netzwerk- und Sicherheitstechnologien und -prozessen eine der wichtigsten IT-Prioritäten sei.
Beide Seiten sind sich einig, dass es notwendig ist, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Netzwerksicherheit und Netzwerkleistung zu finden, und dass der beste Weg dorthin darin besteht, sich an einen Tisch zu setzen. Wenn Sie sich noch nicht damit befasst haben, ist es jetzt an der Zeit. Eigentlich ist es sogar schon längst überfällig.
Über den Autor:
Jim Frey ist als Principal Analyst bei Omdia für den Bereich Netzwerke zuständig. Omdia ist eine Geschäftseinheit von informaTechTarget. Die Analysten des Unternehmens unterhalten Geschäftsbeziehungen zu Technologieanbietern.
Die Autoren sind für den Inhalt und die Richtigkeit ihrer Beiträge selbst verantwortlich. Die dargelegten Meinungen geben die Ansichten der Autoren wieder.