Ade - stock.adobe.com

Die 7 wichtigsten Netzwerktrends 2026

Die Netzwerke wandeln sich rasant. Das Jahr 2026 bringt neue Prioritäten und Chancen mit sich. Was Fachabteilungen jetzt wissen sollten und wo strategische Entscheidungen anstehen.

Das Jahr 2026 markiert einen Wendepunkt für die digitale Infrastruktur: Netzwerke entwickeln sich von passiven Transportwegen zu selbststeuernden Systemen, die Daten verstehen, priorisieren und sich in Echtzeit an die Anforderungen von Anwendungen anpassen.

Treiber hierfür sind agentische KI auf der Steuerungsebene, die breite Adaption von Wi-Fi 7 sowie ausgereifte 5G-Campusnetze. Gleichzeitig macht der Energiehunger von KI-Rechenzentren Green Networking zur Notwendigkeit. Dieser Artikel stützt sich auf aktuelle Marktdaten, Analysen von Marktforschern sowie technische Roadmaps von Industriegruppen. Im Fokus stehen sieben Bereiche.

1. Digitale Souveränität

Angesichts geopolitischer Unsicherheiten wird die Hoheit über Daten und Infrastruktur zur strategischen Priorität Nummer eins. Die Analysten von Gartner haben für diesen Trend einen eigenen Begriff erfunden: Geopatriation. Digitale Souveränität aka Geopatriation gehört zu den Gartner-Technologietrends für 2026.

Für Netzverantwortliche bedeutet dies, festzulegen, wo Daten übertragen und verarbeitet werden (idealerweise in der EU), sie durchgängig zu verschlüsseln, Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern zu reduzieren und Wechselmöglichkeiten vertraglich sowie technisch abzusichern. Wichtig sind zudem offene, herstellerübergreifende Schnittstellen, transparente Lieferketten und nachvollziehbare Updates. Souveränität wird pragmatisch messbar – etwa am Anteil europäischer Datenflüsse, an der Zahl unabhängiger Provider und Standorte, an der Zeit für einen Anbieterwechsel und an dokumentierten Exit- und Notfallplänen.

2. Agentische KI übernimmt das Steuer

Künstliche Intelligenz verlässt die Rolle des reinen Beraters. Laut Gartner wird agentische KI, also KI, die eigenständig handeln kann, einer der Top-Technologietrends für das Jahr 2026 sein. Im Gegensatz zu bisherigen AIOps-Lösungen, die Administratoren lediglich warnen, können diese KI-Agenten Engpässe autonom beheben und Konfigurationen in Echtzeit anpassen. Die Analysten von Forrester prognostizieren sogar, dass im Jahr 2026 erstmals ein autonomer KI-Workflow einen größeren Netzwerkausfall in einem Unternehmen verhindern wird, ohne dass ein Mensch eingreifen muss.

3. SASE und NaaS: Konsolidierung und Service-Modelle

Der Markt für Secure Access Service Edge (SASE) wächst weiter. Daten der Dell'Oro Group zeigen, dass der SASE-Markt im 3. Quartal 2025 um 21 Prozent wuchs. Der Trend geht dabei deutlich zu Single-Vendor SASE.

Gleichzeitig wandelt sich die Beschaffung von Infrastruktur: Laut Analysys Mason wird auch Network as a Service (NaaS) bis zum Jahr 2026 stark wachsen, da Unternehmen flexible OpEx-Modelle bevorzugen, um technologisch Schritt zu halten.

4. Das deutsche 5G-Paradoxon: Wachstum trifft auf Rechtsunsicherheit

Deutschland bleibt im Bereich privater 5G-Campusnetze international führend. Daten der Bundesnetzagentur (PDF) zeigen, dass bis Ende 2025 fast 500 Lizenzen für lokale Frequenzen (3,7 GHz) vergeben wurden. Ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts sorgt allerdings für Unruhe, da es die Vergaberegeln der Auktion von 2019 kippte. Die Bundesnetzagentur startete daraufhin Ende 2025 ein neues Konsultationsverfahren, betonte aber, dass bestehende Zuteilungen wirksam bleiben, bis sie „aufgehoben oder neu erlassen” werden.

5. Das Rückgrat der KI: 800G und Ultra Ethernet

Der massive Ausbau von KI-Rechenzentren erfordert Leistungssprünge bei der Hardware. Laut der Dell'Oro Group etablieren sich 800G-Ports im Jahr 2026 in Hyperscale-Umgebungen, während erste 1,6-Tbit/s-Ethernet-Lösungen implementiert werden. Parallel dazu greift das Ultra Ethernet Consortium, dem Schwergewichte wie Microsoft und Cisco angehören, etablierte InfiniBand-Technologien an, um Ethernet für die extremen Latenzanforderungen von KI-Clustern zu optimieren.

6. Wi-Fi 7 setzt sich durch, Wi-Fi 8 wirft Schatten voraus

In Sachen WLAN ist das Jahr 2026 das Jahr der breiten Adaption. Die Wireless Broadband Alliance und Marktforschungsunternehmen wie ABI Research prognostizieren einen massiven Anstieg der Auslieferungen von Wi-Fi-7-Geräten, sodass bis Ende des Jahres fast 117,9 Millionen Access Points erreicht werden könnten.

Doch die Industrie schläft nicht: Bereits Anfang 2026, anlässlich der CES in Las Vegas, zeigten Hersteller erste Prototypen für Wi-Fi 8. Standardisierung und breite Zertifizierung werden aber erst Richtung 2027/2028 erwartet. Der Fokus verschiebt sich weg von reiner Geschwindigkeit hin zu ultrahoher Zuverlässigkeit – ein entscheidender Faktor für die industrielle Vernetzung.

7. Nachhaltigkeit als harter KPI

Green Networking ist im Jahr 2026 kein reines Marketing mehr. Aufgrund des enormen Energiebedarfs von KI-Workloads rückt die Effizienz in den Fokus. Die IETF hat mit der GREEN Working Group begonnen, Standards zu definieren, die Energieeffizienz messbar und optimierbar machen. Laut Cisco wird die Fähigkeit eines Netzwerks, ungenutzte Ressourcen dynamisch abzuschalten, zu einem entscheidenden Kriterium in Ausschreibungen.

Die Autoren sind für den Inhalt und die Richtigkeit ihrer Beiträge selbst verantwortlich. Die dargelegten Meinungen geben die Ansichten der Autoren wieder.

Erfahren Sie mehr über LAN-Design und Netzwerkbetrieb