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Cybersecurity-Trends: 2026 im Zeichen der Identität

Identitäten rücken im Jahr 2026 stärker ins Zentrum der Cybersicherheit. Automatisierung, der Einsatz von KI und regulatorische Vorgaben erfordern besseren Schutz von Identitäten.

Der deutsche IT-Sicherheitsmarkt ist 2025 laut Bitkom um 10,1 Prozent auf 11,1 Milliarden Euro gewachsen und soll 2026 auf rund 12,2 Milliarden Euro steigen. Unternehmen investieren verstärkt in robuste Abwehrmechanismen, während sich ihre Sicherheitsarchitekturen grundlegend verändern. Automatisierung, künstliche Intelligenz und neue regulatorische Vorgaben verlangen Systeme, die digitale Identitäten kontinuierlich bewerten und sicher in den Nutzungskontext einordnen.

Vor diesem Hintergrund: Welche Entwicklungen werden in diesem Jahr Sicherheitsstrategien maßgeblich prägen? Die folgenden Trends zeigen, welche Themen 2026 den Ton angeben.

Trend 1: Non-human Identities schaffen massive Sicherheitslücken

Mit dem Wachstum von Cloud-Diensten, Automatisierung und KI-basierten Prozessen rücken nicht-menschliche Identitäten stärker in den Fokus. APIs, Container, Service-Accounts und Bots agieren eigenständig, authentifizieren sich über Tokens oder Zertifikate und bewegen sich häufig außerhalb klassischer Sicherheitsrahmen.

2026 gewinnt ein konsequent gesteuertes Lifecycle-Management maschineller Identitäten an zentraler Bedeutung. Automatisierte Erfassung, Klassifizierung, rollenbasierte Zugriffe, Schlüsselrotationen und Echtzeit-Audits steigern Transparenz und Resilienz. Adaptive IAM-Ansätze (Identity and Access Management) und kontextbasierte Authentifizierung erweitern den Schutz gezielt auf nicht-menschliche Akteure.

Standards wie SPIFFE werden wichtiger, da sie eine konsistente Grundlage für die sichere Ausstellung und Verwaltung maschineller Identitäten in komplexen Cloud-Umgebungen schaffen.

Trend 2: Integrierte Identity Fabrics stärken Zero-Trust-Architekturen

Die wachsende Vielfalt an Identitäten bringt klassische IAM-Modelle an ihre Grenzen. Getrennte Systeme für Belegschaft, Kunden und Maschinen erzeugen fragmentierte Datenbestände und erschweren konsistente Zugriffskontrollen.

2026 rückt daher ein integriertes Identitätsmanagement in den Mittelpunkt: Identity Fabrics bündeln Authentifizierung, Autorisierung, Governance und Compliance in einem einheitlichen Rahmen, der unabhängig von Standort und Anwendung funktioniert. Automatisierte Prozesse steuern den gesamten Identitätslebenszyklus effizient. So schaffen Unternehmen in ihrer Zero-Trust-Architektur eine belastbare Grundlage, um Zugriffe risikobasiert zu steuern, Abhängigkeiten transparent zu halten und Sicherheitsentscheidungen konsequent umzusetzen.

Trend 3: Continuous Trust Assessment revolutioniert die Identitätsprüfung

Identitätsprüfung wird zunehmend ein kontinuierlicher Prozess, da Risiken, Nutzungskontexte und Verhaltensmuster jederzeit variieren. Ein einmal verifizierter Zugriff reicht nicht mehr aus. Continuous Trust Assessment (CTA) bewertet die Vertrauenswürdigkeit einer Identität fortlaufend. Systeme berücksichtigen Kontextsignale wie Geräteintegrität, Standortänderungen oder anomale Aktivitäten und passen Berechtigungen in Echtzeit an.

CTA ersetzt klassische Multifaktor-Authentifizierung durch ein adaptives Vertrauensmodell. Steigen Risikoindikatoren, aktivieren Plattformen automatisch zusätzliche Prüfungen oder begrenzen den Handlungsspielraum. So wird Zero Trust praktisch umsetzbar, da Vertrauen kontinuierlich überprüft wird.

IAM-Lösungen übernehmen in diesem Ansatz die Rolle aktiver Risiko-Engines, integrieren Kontextdaten in ihre Entscheidungen und reagieren selbstständig auf Veränderungen. KI unterstützt dabei, Muster frühzeitig zu erkennen, große Datenmengen in Echtzeit zu verarbeiten und adaptive Zugriffskontrollen zu automatisieren.

Trend 4: Generative KI treibt Deepfakes auf ein neues Level

Je besser KI wird, desto weniger verlässlich sind herkömmliche Vertrauensmodelle. Audio- und Video-Deepfakes imitieren Mitarbeitende, Führungskräfte und Geschäftspartner so überzeugend, dass klassische Authentifizierungsmethoden und Biometrie kaum noch Schutz bieten.

Sicherheitsstrategien verlagern sich deshalb auf Verhalten und Kontext. Systeme werten Bewegungsmuster, Tippverhalten, Geräteprofile und Netzwerkaktivitäten aus, um Identitäten in Echtzeit zu prüfen. Behavioral Biometrics, Device Fingerprinting und kontextbasierte Signale werden zu zentralen Faktoren für echte Authentizität. Vertrauen entsteht nicht aus sichtbaren Merkmalen, sondern durch kontinuierliche Bewertung von Interaktionen (Trust beyond appearance).

Gleichzeitig nutzt Sicherheit KI als Abwehrinstrument. Sie erkennt manipulierte Medien, deckt Anomalien auf und unterstützt Entscheidungen anhand von Verhalten und Kontext. So bleibt digitale Authentizität trotz wachsender Bedrohung handhabbar.

Trend 5: Ransomware greift verstärkt über Identitäten an

Ransomware bleibt 2026 eine der gefährlichsten Bedrohungen, doch die Angriffspfade haben sich verändert. Gestohlene Zugangsdaten, manipulierte Tokens oder missbrauchte Service-Accounts verschaffen Angreifern legitimen Zugriff. Einmal im System agieren sie wie interne Nutzer und umgehen klassische Schutzmechanismen, sodass Angriffe schwer zu erkennen sind.

Viele Unternehmen setzen bereits auf Multifaktor-Authentifizierung und Monitoring. Angesichts immer raffinierterer Angriffsmuster reicht dies jedoch oft nicht aus. Identity Threat Detection and Response (ITDR) ergänzt die Sicherheitsstrategie um kontinuierliche Identitätsüberwachung, erkennt verdächtige Logins, Privilege Escalations oder Token-Missbrauch in Echtzeit und isoliert kompromittierte Konten automatisch. So lassen sich Angriffe früh stoppen.

Die Verschiebung der Bedrohung erfordert ein Umdenken: Security-Teams müssen von reaktiver Schadensbegrenzung auf proaktive Prävention umstellen. ITDR hilft, kritische Geschäftsprozesse auch bei gezielten Identitätsangriffen abzusichern und digitale Resilienz zu stärken.

Stephan Schweizer, Nevis Security

„Sicherheit beginnt nicht an der Netzwerkgrenze, sondern bei der Identität. Menschliche, maschinelle und digitale Entitäten bilden ein komplexes Geflecht, dessen Steuerung über Vertrauen, Zugriff und Schutz entscheidet.“

Stephan Schweizer, Nevis Security

Trend 6: Nutzer werden Teil der Sicherheitsarchitektur

Phishing, Fehlverhalten und „Passwortmüdigkeit“ bleiben 2026 zentrale Angriffstreiber. Die Antwort liegt nicht in mehr Training, sondern in Systemen, die Fehlverhalten verhindern, bevor es entsteht. Passwortlose Authentifizierung, adaptive Sicherheitsabfragen und kontextbasierte Autorisierung entlasten Anwender, ohne den Schutz zu verringern, und machen Sicherheit zu einem integralen Teil des Nutzererlebnisses.

IAM-Plattformen übernehmen dabei eine Schlüsselrolle: Sie orchestrieren Passwortfreiheit, adaptive Policies und rollenbasiertes Onboarding automatisch. Sicherheitsrichtlinien passen sich dynamisch an das Nutzerverhalten an, reduzieren Fehler und stärken Vertrauen. So entsteht eine Architektur, in der Nutzer und Technologie Hand in Hand arbeiten, Akzeptanz steigt und Resilienz sowie Schutz miteinander verknüpft werden.

Trend 7: Compliance-Vorgaben treiben die IAM-Modernisierung an

Vorgaben wie NIS2, DORA und eIDAS 2.0 erhöhen den Druck auf Unternehmen, ihre Identitäts- und Zugriffssysteme zu modernisieren. Governance, Nachvollziehbarkeit und Auditierbarkeit werden verbindlich, sodass IAM zum zentralen Bestandteil der Sicherheitsstrategie wird. Jeder Zugriff muss nachvollziehbar, jede Berechtigungsänderung dokumentiert und jede Richtlinie konsistent umgesetzt werden.

IAM-Systeme automatisieren Richtlinien, protokollieren jede Aktion revisionssicher und integrieren Human-, Customer- und Machine-Identitäten in konsolidierte Identity Fabrics. So wird regulatorische Sicherheit technisch umsetzbar und fördert Innovation in der IAM-Modernisierung.

Unternehmen, die diese Vorgaben konsequent umsetzen, erhöhen ihre Cyberresilienz und schaffen die Grundlage für adaptive, zukunftsfähige Sicherheitsarchitekturen. Compliance wird so 2026 zur aktiven, integrierten Komponente der täglichen Sicherheitsstrategie.

2026 wird das Jahr der Identität

Sicherheit beginnt nicht an der Netzwerkgrenze, sondern bei der Identität. Menschliche, maschinelle und digitale Entitäten bilden ein komplexes Geflecht, dessen Steuerung über Vertrauen, Zugriff und Schutz entscheidet. Wer Identitäten konsequent überwacht, begegnet Risiken frühzeitig und stellt Compliance sicher.

Zukunftsfähige IAM-Systeme automatisieren Prozesse, werten Verhaltensmuster aus und passen Zugriffe adaptiv an. Security wird dadurch wirksamer, Technologie und Nutzer agieren als ein System.

Identity-First Security ist 2026 kein optionaler Ansatz mehr, sondern das Rückgrat moderner Cyberresilienz. Unternehmen, die diesen Ansatz umsetzen, sichern ihre Systeme effizient und gestalten die Cyberabwehr zukunftsfähig.

Die Autoren sind für den Inhalt und die Richtigkeit ihrer Beiträge selbst verantwortlich. Die dargelegten Meinungen geben die Ansichten der Autoren wieder.

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