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Kosten-Chaos: Warum die Cloud-Kalkulation schwierig ist
Cloud-Anbieter versprechen Transparenz und Kontrolle für die Kosten ihrer Dienste. Leider wird dieses Versprechen nicht eingelöst und kann zu Frust bei der Budgetplanung führen.
Mit der Einführung von Cloud-Services begann eine neue Ära der Ressourcenbereitstellung in Unternehmen. Heute gibt es kaum eine Organisation, die keine Cloud-Dienste nutzt, sei es Storage, Computing, KI-Modelle oder Datenmanagement. Neben Flexibilität und Skalierbarkeit war vor allem ein günstiges Preismodell eines der Versprechen dieser neuen Bereitstellungsoption. Und auf den ersten Blick scheint die Rechnung auch aufzugehen: Anstatt in eigene Hardware und Wartungspersonal oder -services investieren zu müssen, bezahlt ein Unternehmen Services, die günstiger sind. Diese Rechnung geht leider nicht immer auf. Hardwareinvestitionen lassen sich über einen längeren Zeitraum abschreiben, wohingegen langfristige Bindungen oft mehr Kosten als erwartet erzeugen können.
Transparenz bei Cloud-Kosten: Ja – aber
Um hier Abhilfe zu schaffen und für mehr Transparenz zu sorgen, haben Cloud Service Provider (CSP) mittlerweile eine detaillierte Kostenauflistung sowie Kostenkalkulatoren auf ihren Webseiten zur Verfügung gestellt. Leider löst dies nicht wirklich das Problem.
IT-Teams, die beispielsweise die Storage-Kosten kalkulieren möchten, sehen sich hier nicht einfach nur Preismodellen pro GByte pro Monat gegenüber. Bei einer solchen Berechnung fließen weitere Faktoren ein, die sich die Anbieter gut bezahlen lassen: Welcher Storage-Typ wird genutzt, wie oft werden Daten übertragen, werden zusätzliche Backup- und/oder Replikationsdienste genutzt und welche Anwendungen werden gesichert? Selbst dies sind nur einige der Preispunkte, die die Rechnung schnell in die Höhe treiben können.
Bei Microsoft Azure Blob beispielsweise kommen Kosten für spezifische Vorgänge, zusätzliche Funktionen oder gar Strafgebühren für frühzeitig gelöschte Daten hinzu. Darüber hinaus verlangen alle Cloud-Dienstleister eine Gebühr, wenn Daten aus der Cloud wieder ins eigene Rechenzentrum überführt werden, die so genannten Egress-Kosten.
Auch bei Google und AWS sind die Listen für mögliche anfallende Cloud-Kosten lang. Ähnlich wie bei Microsoft werden Speicherklassen, Vorgänge, Funktionen, Regionen und Transaktionen separat bepreist. Und hier reden wir nur über Speicherdienste und nicht über Datenbankservices, KI-Modelle oder andere Services, die komplexer sind.
Die meisten CSP weisen auf ihren Preisübersichten gleich zu Anfang darauf hin, dass ihre angegebenen Preise nur Schätzungen sind, was verdeutlicht, dass selbst mit den Kalkulatoren nur wahrscheinliche Kostenmodelle abbildbar sind, jedoch keine reelle Preiskalkulation. Die gewünschte Transparenz bleibt auf der Strecke und IT-Verantwortliche sehen sich einem Labyrinth an Kostenoptionen gegenüber. Und es stellt sich die Frage, ob sich eine langfristige Budgetplanung mit den Preiskalkulatoren überhaupt umsetzen lässt. Im besten Falle geben Sie eine vage Idee, was Unternehmen an Cloud-Kosten erwarten können. Das stellt IT-Teams und die Finanzabteilung vor ein Problem: Anstatt einfach mal die Informationen über die eigene Umgebung in den Preisrechner einzugeben und auf ein genaues Ergebnis zu hoffen, kommt das Planungsteam nicht um zusätzliche Aktivitäten nicht herum.
Experten unerlässlich: Zeit und Nerven investieren
Die Problemlösung hier scheint recht simpel: Die jeweiligen Cloud-Anbieter kontaktieren und mit einem ihrer Experten eine genaue Kalkulation anlegen. Der Nachteil liegt auf der Hand: die Entscheidungsprozesse werden in die Länge gezogen, denn Anwender wollen in der Regel nicht nur ein Angebot einholen, sondern eine Option für ihre IT-Umgebung bei mehreren Dienstleistern abfragen.
Das bedeutet auch, dass IT-Teams für diese Aufgabe mehr Zeit investieren müssen und im ungünstigsten Falle Stress in Kauf nehmen müssen.
Nicht schätzen – korrekt kalkulieren
Cloud-Kosten mithilfe der transparenten Preise und Preiskalkulatoren genau zu errechnen ist quasi nicht möglich. Vielleicht funktioniert es für ein Archivierungsszenario, aber auch hier sollte man auf Fallstricke achten (Löschvorgänge, Abrufe).
Unternehmen sollten sich die Zeit sparen, sich durch endlose Listen zu wühlen, die Terminologie zu verstehen (die Anbieter haben unterschiedliche Begriffe für die gleichen Services) und eventuell noch US-Dollar in Euro umzurechnen, da nicht alle Preise in Euro angegeben sind, sollten sie gleich in den sauren Apfel beißen und Termine mit den anvisierten Dienstleistern vereinbaren.
Das kostet wie gesagt eventuell mehr Zeit, als selbst die Preisrechner zu verwenden, aber wenn man trotz des Kalkulators ohnehin beim Anbieter anfragen muss, sollte dieser Schritt einfach übergangen werden. Das ist nicht optimal, aber es gibt Firmen zumindest die Sicherheit am Ende des Tages eine korrekte und realistische Kostenkalkulation zu haben, statt einer groben Schätzung.
Und noch ein Tipp: Steigen Sie mit einer Workload in die Cloud ein und dokumentieren Sie genau, welche Transaktionen, Schreib-Lese- oder Löschvorgänge unternommen werden. Wenn Sie die Abrechnung haben, dann lassen Sie genau die gleichen Vorgänge in der eigenen Umgebung durchführen. Damit können Sie direkt vergleichen, ob eine Cloud-Rechnung für Sie aufgeht oder ob die eigene Umgebung nicht eventuell vorhersagbarer und langfristig günstiger ist.
Wer sich – wie ich – mehrfach mit den Preisstrukturen der Cloud Service Provider auseinandersetzen musste, weiß einfach, dass die propagierte Transparenz Augenwischerei ist. Ganz einfach gesagt: Wer direkt fragt, ist schlauer – und genauer.