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Agent Mesh: Vom KI-Hype zur Umsetzung 2026
Autonome Agenten brauchen Leitplanken. Agent Mesh filtert Daten, verhindert Prompt Injections und liefert passenden Kontext. Entscheidungen werden nachvollziehbar und skalierbar.
Die spektakuläre Phase der KI hat ihren Höhepunkt erreicht, die Unternehmen verlagern ihren Fokus von experimentellen Prototypen zu sicheren, skalierbaren KI-Systemen, die einen greifbaren Mehrwert liefern. Indem sie KI-Modelle über eine robuste ereignisgesteuerte Architektur mit dem operativen Puls ihres Geschäfts verbinden, können Unternehmen den Grad an Sicherheit, Transparenz und Vertrauen gewährleisten, der für den Erfolg unabdingbar ist.
Die letzten beiden Jahre der KI-Entwicklung waren geprägt vom kometenhaften Aufstieg der generativen KI und dem darauf folgenden Ansturm auf agentenbasierte Lösungen. 2026 wird jedoch ein Jahr der Abrechnung sein, in dem sich Hochleistungsanwendungen deutlich von experimentellen und eindimensionalen Punktlösungen absetzen. Für die Unternehmensführung hat sich die entscheidende Frage weiterentwickelt – von „Was für eine aufregende Demo!“ hin zu den strengen Forderungen: „Wie trägt diese Lösung zum Geschäft bei?“ und „Kann sie sicher in unserem globalen Unternehmen eingesetzt werden?“
Die Herausforderung ist groß. Wie PwC in seinen KI-Geschäftsprognosen für 2026 feststellt, kann die vermeintliche Benutzerfreundlichkeit der KI tiefgreifende strukturelle Hürden überdecken. Um echte Ergebnisse zu erzielen, braucht es mehr als nur Enthusiasmus. Erforderlich sind Präzision, um transformationsfähige Anwendungsfälle zu identifizieren, und umfassende Aufsicht durch das Management. Zwischen schnell gebauten KI-Prototypen und sicheren, unternehmensweiten Produktivsystemen klafft nach wie vor eine große Lücke.
Beim Übergang vom Hype zur Umsetzung in der Praxis sollte man die folgenden vier Entwicklungen berücksichtigen. Sie werden die KI-Strategien von Unternehmen im Jahr 2026 bestimmen.
1. Realitätscheck für KI-Projekte
Trotz der technologischen Fortschritte der letzten zwei Jahre besteht die Gefahr, dass die Blase des KI-Hypes platzt. 2026 bereitet sich die Branche auf einen Realitätscheck vor: Die experimentellen Pilotprojekte werden durch robuste KI-Anwendungen abgelöst, die in Echtzeit den Anforderungen des täglichen Einsatzes gerecht werden müssen, um die Erwartungen von Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern zu erfüllen.
Mitte 2025 veröffentlichte das MIT Media Lab/Project NANDA eine Studie, der zufolge 95 Prozent der Investitionen in generative KI keine Ergebnisse erzielten. Das Problem ist nicht, dass die Modelle nicht leistungsfähig wären, sondern dass es einen erheblichen Unterschied gibt zwischen einem in drei Tagen entwickelten Prototypen und einem sicheren Produktivsystem. 2026 könnte es zu spektakulären Fehlschlägen kommen, wenn Unternehmen den KI-Modellen ohne angemessene Sicherheitsvorkehrungen zu viel Spielraum einräumen, was zu Reputationsschäden oder Datenverlusten führen kann.
Das ist jedoch kein Zeichen dafür, dass die Technologie versagt, sondern vielmehr ein Signal, dass wir auch auf diese Systeme traditionelle, bewährte technische Prinzipien anwenden müssen. Der Bottom-up-Ansatz, bei dem Mitarbeiter konkrete, kleine Anwendungsmöglichkeiten für KI finden, ist nach wie vor sehr erfolgreich. Umfangreiche Top-down-Projekte bereiten hingegen Probleme. Hier kommt eine speziell für die Komplexität von Unternehmen entwickelte einheitliche Architektur ins Spiel.
KI-Projekte sollten nicht als eigenständige wissenschaftliche Experimente betrachtet werden, sondern als vollwertige Bestandteile der IT-Landschaft – und genau das leistet ein Agent Mesh. Es bietet eine Echtzeit-Datenplattform, die KI-Agenten mit dem Nervensystem des Unternehmens verbindet. Auf der Grundlage einer robusten, ereignisgesteuerten Plattform verändert ein Agent Mesh die Art und Weise, wie agentenbasierte KI-Systeme Anwender unterstützen, auf Geschäftsereignisse reagieren und sich mit den Unternehmensdaten integrieren. Dadurch können alle KI-Projekte – von einfachen Einzelagenten bis hin zu leistungsstarken, orchestrierten Multi-Agenten-Lösungen – in Echtzeit mit den Anwendungen und Daten des Unternehmens interagieren.
2. Datenmanagement hilft bei der Bekämpfung von Prompt-Injektionen
Die Stärke der KI liegt in ihrer Fähigkeit, große Mengen natürlicher Sprache wesentlich schneller und kostengünstiger zu verarbeiten als das menschliche Gehirn. Unternehmen gewähren den KI-Agenten zunehmend Zugriff auf interne Dokumente, SharePoint und Live-Websuchen und schaffen damit eine Umgebung, in der ein hohes Risiko für die Vermischung von Daten besteht. Der Wert der agentenbasierten KI liegt in ihrer Fähigkeit, Entscheidungen ohne ständige menschliche Aufsicht zu treffen. Doch diese Autonomie führt zu einem Konflikt: Wie kann man einem System die Ladenschlüssel anvertrauen?
Die Bedrohungslage entwickelt sich rasant weiter. Es gibt bereits ernsthafte Befürchtungen vor Prompt Injections, bei denen böswillige Akteure schädliche Textblöcke in Webseiten einbetten. Ruft ein Agent diese Seite auf, um ein Thema zusammenzufassen, wirkt der versteckte Text wie ein Hypnoseschlüsselwort, das die Anweisungen der KI außer Kraft setzt und sie dazu zwingt, interne Daten zu exfiltrieren. Ein Agent könnte auch versehentlich vertrauliche Gehaltsinformationen oder sensible Unternehmensdaten in eine öffentliche Umgebung kopieren, weil es dem Modell zu diesem Zeitpunkt sinnvoll erschien.
Um dieses Problem zu lösen, wird 2026 ein starker Fokus auf dem Datenmanagement liegen. Das Ziel besteht darin, zu verhindern, dass das KI-Modell unnötige Rohdaten aufnimmt. Statt ein LLM mit tausend Zeilen einer Datenbank zu füttern, was langsam, teuer und anfällig für Halluzinationen ist, benötigen wir Systeme, in denen die KI ein Software-Tool anweist, die Daten zu filtern und nur die relevante Antwort zurückzugeben. Ein Agent Mesh kann hier ein intelligentes Datenmanagement durchsetzen, das nur relevante Informationen an das KI-Modell weiterleitet. Das verbessert nicht nur die Datensicherheit, es kann auch die Rechenkosten der KI senken und Halluzinationen vermeiden.
3. Kontext-Engineering ist entscheidend für KI-Modelle
Aufgrund der Funktionsweise ihres Speichers fällt es der KI schwer, sich wie ein Mensch zu verhalten. Derzeit ist jede Interaktion ein Neuanfang für die KI, da sie nur über begrenzte Fähigkeiten verfügt, sich nach Beendigung einer Sitzung an deren Kontext zu erinnern. Dieses Problem wurde teilweise durch ein selbstlernendes Gedächtnis gelöst. Dabei speichern KI-Systeme vergangene Interaktionen und Erfahrungen automatisch, rufen sie ab und lernen daraus, ohne dass für jede einzelne Erinnerung eine explizite Programmierung durch den Menschen erforderlich ist. Doch selbst mit einem selbstlernenden Speicher ist es nicht selbstverständlich, dass die KI diesen korrekt anwendet.
Menschen sind hingegen hervorragend darin, zwischen verschiedenen Kontexten zu wechseln. So verhalten wir uns beispielsweise gegenüber einem Bekannten anders als gegenüber einem engen Kollegen. KI hat Schwierigkeiten mit dieser Nuance. Wenn ein System alles speichert, könnte es persönliche Kontexte auf geschäftliche Entscheidungen anwenden, was nicht angemessen wäre.
Dieses Risiko wird den Aufstieg des Kontext-Engineering vorantreiben. Es geht nicht mehr nur um Prompt-Engineering, sondern um die Organisation der Metadaten, der Historie und der Tools, die dem Modell zur Verfügung gestellt werden. Wir müssen Architekturen entwickeln, die einen dynamischen Austausch der Einsatzregeln ermöglichen. So stellen wir sicher, dass die KI den richtigen Speicher für die jeweilige Aufgabe verwendet.
Dafür ist ein disziplinierter Ansatz erforderlich, der den richtigen Kontext zum richtigen Zeitpunkt verwaltet und bereitstellt – eine Standardaufgabe für eine Kommunikationsinfrastruktur, die auf einem Agent Mesh basiert. Sie versorgt die KI-Agenten mit Echtzeitereignissen, sodass sie mit sekundengenauen Erkenntnissen arbeiten, reagieren und Entscheidungen treffen können.
4. Das Jahr der Multi-Agenten-Systemen
2026 wird auch das Jahr der Multi-Agenten-Systeme sein. So wie ein einzelner Mensch nicht in allen Unternehmensbereichen Experte sein kann, kann auch ein einzelner KI-Agent nicht den Kontext eines gesamten Unternehmens erfassen. Wenn man einem Agenten zu viele Informationen hinzufügt, beeinträchtigt das seine Leistung.
Genau wie in einer menschlichen Organisation kann ein Manager-Agent, der die Arbeit einer Gruppe von Experten-Agenten mit unterschiedlichen Fähigkeiten asynchron koordiniert, komplexere und genauere Ergebnisse erzielen als ein einzelner Generalisten-Agent. Letzterer muss den gesamten Geschäftskontext im Blick behalten, ohne sich in einen bestimmten Bereich zu vertiefen. Die Lösung ist ein Team aus spezialisierten Agenten, die zusammenarbeiten und durch Agent-to-Agent-Kommunikation (A2A) koordiniert werden. Dafür entstehen bereits Protokolle wie das Model Context Protocol (MCP) und A2A-Standards.
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„Der Glanz der schicken KI-Piloten, der generativen KI und sogar der agentenbasierten KI ist verblasst. Der Realitätscheck hat stattgefunden.“
Edward Funnekotter, Solace
Damit agentenbasierte KI-Systeme funktionieren, benötigen Unternehmen eine robuste Transportschicht, wie sie ein Agent Mesh bereitstellt. Dadurch können die Agenten Ereignisse abonnieren, asynchron kommunizieren und komplexe Arbeitsabläufe sicher lösen. Dieser Ansatz ermöglicht es nicht nur jedem einzelnen Agenten, innerhalb seines Spezialgebiets mit maximaler Effizienz zu arbeiten, sondern auch, Aufgaben parallel auszuführen. Dadurch verkürzt sich die Gesamtreaktionszeit.
KI trifft auf Realität
Der Glanz der schicken KI-Piloten, der generativen KI und sogar der agentenbasierten KI ist verblasst. Der Realitätscheck hat stattgefunden und Unternehmen haben erkannt, dass sie das Konzept in die Praxis umsetzen müssen, um von den Vorteilen KI-basierter Anwendungen zu profitieren. Die Rolle der KI für Unternehmen ist klar. Der entscheidende Wettbewerbsvorteil von KI liegt nicht in besseren Modellen oder intelligenteren Eingabeaufforderungen, sondern darin, die KI vom ersten Tag an mit dem Puls des laufenden Geschäftsbetriebs zu verbinden.
Über den Autor:
Edward Funnekotter ist Chefarchitekt und KI-Verantwortlicher bei Solace. Er leitet die Architekturteams für die Cloud- und Event-Broker-Produkte und ist auch für die strategische Ausrichtung des Unternehmens in Bezug auf die KI-Integration in Produkte und interne Tools verantwortlich. Als Erweiterung seiner Plattform PubSub+ stellt Solace auch ein Agent Mesh bereit.
Die Autoren sind für den Inhalt und die Richtigkeit ihrer Beiträge selbst verantwortlich. Die dargelegten Meinungen geben die Ansichten der Autoren wieder.
