Hohe Auslastung, wenig Zeit: Wie Automobilfirmen Lieferketten mit SAP SCM takten

In Fertigungsunternehmen hängen viele Prozessen und Funktionen vom Puls der Montageplanung ab. Neue SCM–Lösungen bieten hierbei hohe Flexibilität.

In Fertigungsunternehmen hängt eine Vielzahl an Prozessen und Funktionen vom Puls der Montageplanung ab - angefangen bei der Produktionsplanung über die Betriebsdatenerfassung bis hin zur Lagerverwaltung und den Vertriebssystemen. Gestiegene Kunden- und Marktbedürfnisse erschweren es den Unternehmen jedoch zunehmend, eine optimale Auslastung ihrer Montagelinien zu erreichen. Um weiterhin im harten Wettbewerb bestehen zu können, setzen sie im Supply Chain Management (SCM) auf Softwarelösungen, die ihnen ein Höchstmaß an Flexibilität verschaffen.

Kunden erwarten Produkte mit immer höherer Individualisierung. Fertigungsunternehmen reagieren darauf mit kürzeren Produktzyklen und Durchlaufzeiten, um flexibel und schnell auf Kundenwünsche reagieren zu können. Hinzu kommt für Fertiger der zunehmende Kostendruck durch den stetig steigenden Wettbewerb. Dieser wirkt sich ganz allgemein auf den Hersteller und speziell auf dessen gesamte Lieferkette aus.

Marc Hankmann ist IT- und Medienjournalist.Marc Hankmann ist IT-
Journalist aus Münster.

Somit stehen nicht nur Unternehmen per se in Konkurrenz zueinander, sondern vielmehr ihre Supply Chains – ein effizientes Supply Chain Management muss daher insbesondere die Wettbewerbsfähigkeit der jeweiligen Lieferkette sicherstellen. Kein Fertigungsunternehmen kann es sich erlauben, selbst kleinste Synergien und Optimierungspotenzial ungenutzt zu lassen.

Grenzen des JIS-Konzepts

Die Herausforderungen im Supply Chain Management zeigen sich besonders deutlich in der Automobilindustrie. Die Hersteller setzen vielfach auf Just-in-Sequence-Konzepte (JIS) sowie auf die Prinzipien Glättung und Perlenkette, um den Produktionsfluss zu harmonisieren und in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen.

Doch nur selten lassen sich JIS-Konzepte über eine gesamte Lieferkette umsetzen, da es zum Beispiel Tier-3- oder -4-Zulieferern meistens nicht möglich ist, flexibel auf kurzfristige Änderungen zu reagieren. So müssen im SCM notgedrungen Puffer eingebaut werden, die wiederum Betriebsmittel binden. Beides ist jedoch im Sinne einer wettbewerbsfähigen Supply Chain alles andere als erwünscht.

Je komplexer die Supply Chain, desto schneller und umfangreicher wirkt sich der Peitscheneffekt aus.

Hinzu kommt, dass die Automobilhersteller ihre Prozesse im Rahmen der Produktion und Materialbeschaffung synchron an die Markterfordernisse anpassen müssen, um den sogenannten Bullwhip- oder Peitscheneffekt zu verhindern, bei dem sich kleinste Veränderungen entlang der Lieferkette so lange aufschaukeln, bis es zu ernsthaften Beeinträchtigungen in den Lieferkettenprozessen kommt. Ein durchaus bekanntes Phänomen, das jedoch immer noch häufig auftritt – insbesondere dann, wenn die Prozesse nicht optimal auf die Lieferkette getaktet sind. Dabei ist klar: Je komplexer die Supply Chain, desto schneller und umfangreicher wirkt sich der Peitscheneffekt aus. Für die Zulieferer kann das den Verlust des Abnehmers nach sich ziehen, wenn es ihm nicht gelingt, derartige Effekte zu vermeiden oder zumindest zu minimieren.

Beruhigung des Produktionsflusses

Da in der Automobilindustrie Montagelinien taktbasiert geplant werden, besteht die Herausforderung für Fertigungsunternehmen darin, die unterschiedlich getakteten Modelle für die einzelnen Linien so zu planen, dass in einem sinnvollen Modell-Mix alle Arbeitsstationen einer Montagelinie möglichst gleichmäßig ausgelastet sind und dabei nicht mit den Taktvorgaben kollidieren.

Diese Aufgabe lässt sich heutzutage aufgrund der kürzeren Produktzyklen und Durchlaufzeiten sowie der damit verbunden Anforderungen an Flexibilität und Geschwindigkeit nicht mehr manuell bewerkstelligen. Hierzu setzen Fertigungsunternehmen Softwarelösungen ein, die den Auftragsvorrat unter Berücksichtigung von Produktivität, der gesetzten Restriktionen sowie prozesslogischer Kriterien in Sequenz bringen und glätten.

So erreichen sie eine gleichmäßige Auslastung der Montagelinien, minimieren Terminabweichungen sowie Restriktionsverletzungen, reduzieren Umlaufbestände und beruhigen ihren Produktionsfluss. Diese Beruhigung wirkt sich letzten Endes auch auf Zulieferer aus, da jede Änderung in der Sequenz den JIS-Abruf in Richtung Lieferant beeinflusst – je weniger Änderungen anfallen, desto reibungsloser funktioniert das JIS-Konzept.

Mehr zum Thema Lieferanten- und Supply Chain Management:

Gartner: Supply-Chain-Management- und Procurement-Softwaremarkt wächst stetig.

ERP-Lieferantenintegration: Eine Übersicht von Drittanbietern für SAP und Oracle.

Oracle Project-Driven Supply Chain: Neues Tool verknüpft Planung und Logistik.

Da SAP in der Automobilindustrie weit verbreitet ist, setzen viele dieser Anwendungen auf SAP SCM Advanced Planning & Optimization (APO) auf. So auch die SCM-Template-Lösung des Beratungsunternehmen Consilio IT-Solutions. Der IT-Berater aus Aschheim bei München erweitert jedoch mit seiner Software Montageplanung – Modell-Mix-Planung das SCM-Modul um praxisnahe Funktionen, die sich speziell für Unternehmen in der Automobilindustrie und Montagefertigung eignen. So greift der Anwender auf sämtliche Felder und Klassifizierungsdaten des Materialstamms sowie auf alle Daten des Kundenauftrags zu, um aus diesen Daten unterschiedliche Restriktionstypen wie beispielsweise Mengenrestriktionen, Abstandsrestriktionen, Blockrestriktionen, K aus M und Gleichverteilung anzulegen.

Derartige Restriktionen lassen sich durch individuell definierbare Regeln für sämtliche Produkteigenschaften wie etwa Farbe, Hubraum, Zylinderzahl, Leistung oder Bauteiltypen festlegen. Die Consilio-Lösung eignet sich darüber hinaus auch für andere Industriezweige, die, wie zum Beispiel im Maschinenbau, auf eine kapazitive Glättung ihrer Montagelinie zielen. So kann die SCM-Template-Lösung auch für diskrete taktbasierte Fertigungen eingesetzt werden.

Zukunfts- und investitionssicher

SAP SCM bietet einen deutlich größeren Funktionsumfang, als für die Optimierung der Montageplanung benötigt wird. So können Kunden und Zulieferer zum Beispiel auch elektronisch angebunden werden, um eine Integration der einzelnen Beschaffungsprozesse zu erreichen. Daher können Template-Lösungen auf Basis von SAP SCM APO auch zukünftige Anforderungen ihrer Anwender abbilden, was den Unternehmen letztendlich ein hohes Maß an Investitionssicherheit beschert. Derzeit bildet das SCM-Modul innerhalb von SAP eine eigene Instanz. Die Entwicklung geht jedoch dahin, dass Lösungen auf SAP SCM in Zukunft auch Cloud-basiert zur Verfügung stehen.

Ein softwaregestütztes Supply Chain Management optimiert einerseits die Montageplanung und steigert andererseits die Produktivität des Fertigungsunternehmens. Auf diese Weise reduzieren Hersteller und deren Zulieferer Bedarfsschwankungen und verhindern Zusatzaufwendungen, wie sie beispielsweise durch Sondertransporte anfallen, die dann notwendig werden, wenn der Produktionsfluss nicht mit den Lieferkettenprozessen harmonisiert wird. So kommen die Unternehmen in der Automobilindustrie sowie Montagefertiger den wachsenden Kunden- und Marktanforderungen an eine flexible, schnelle und individuelle Produktfertigung nach und stärken damit ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Über den Autor:

Marc Hankmann ist seit 2000 als IT-/Medienjournalist mit Sitz in Münster aktiv und schreibt für diverse Zeitschriften und Online-Portale (B2C und B2B). Er verfügt über mehrjährige Erfahrung in leitenden redaktionellen Positionen. Mehr über den freien Journalisten erfahren Sie unter www.text-management.com.

Folgen Sie SearchEnterpriseSoftware.de auch auf Twitter, Google+ und Facebook!

Erfahren Sie mehr über Supply Chain Management (SCM)

- GOOGLE-ANZEIGEN

ComputerWeekly.de

Close