Gesichtserkennung in der realen Welt und wo Papier dem Smartphone überlegen ist

Funktioniert die Gesichtserkennung nicht, wird die Überprüfung eines Online-Tickets auf dem Smartphone ineffizient. QR-Code alleine reicht nicht.

Vor ein paar Tagen war ich zusammen mit einem Geschäftspartner in einem Zug unterwegs. Wir fuhren von meinem Büro in Deutschland zu einem Event in einer anderen Stadt. Dabei haben wir beide sehr viel im Hinblick auf Gesichtserkennung und deren Problematik in der realen Welt gelernt.

Martin Kuppinger, KuppingerCole Research

Ich war bereits im Besitz eines 24-Stunden-Tickets für die Reise, inklusive An- und Abreise für das Ziel. Mein Business-Partner musste seines ausweiten. Er verwendete sein Smartphone und die App der Bahn-Gesellschaft, um dieses Unterfangen zu erledigen. So weit, so gut.

Ein paar Minuten später kam der Schaffner. Mein Papier-Ticket zu verifizieren, hat nur einige Sekunden gedauert. Das Nachprüfen des Online-Tickets stellte sich als wesentlich komplizierter heraus. Zunächst einmal musste der Schaffner den QR-Code einscannen, welches das Online-Ticket auf dem Smartphone meines Geschäftspartners darstellte. Er erledigte das, indem er sein eigenes Smartphone benutzte. Mit der Größe im Original hat das allerdings nicht funktioniert. Deswegen bat er meinen Geschäfts-Partner, den QR-Code auf dem Bildschirm zu vergrößern. So hat es dann irgendwann geklappt.

Allerdings gab es da noch einen zweiten Faktor. Der Schaffner musste überprüfen, ob es sich dabei auch wirklich um ein persönliches Ticket für meinen Geschäftspartner handelte. Die App des Zugbegleiters verriet ihm den Namen der Person auf dem Ticket plus die Information, dass er eine BahnCard mit einem Jahr Gültigkeit verwendete. Mein Geschäftspartner hat die Jahreskarte vorgezeigt, die eine Nummer und ein Foto von ihm auf der Vorderseite enthielt. Es stellte sich allerdings heraus, dass dies nicht reichte. Die Gesichtserkennung schlug fehl.

Mein Business-Partner musste die Karte aus seinem Geldbeutel nehmen und die Rückseite herzeigen, auf der sich sein Name befindet. Schlussendlich wurde die Gültigkeit der Fahrkarte bestätigt.

Das Ganze hat länger als eine Minute gedauert. Gesicht, plus die Nummer der BahnCard, plus der Besitz eines Smartphones mit einem gültigen Ticket waren nicht ausreichend. Insgesamt ist das mühsam, ineffizient und verursacht der Deutschen Bahn Kosten. Stellen Sie sich alleine die Kosten vor, wenn Sie für jedes Ticket die zehnfache Zeit für eine Überprüfung benötigen. Entweder können Sie weniger Fahrkarten inspizieren oder Sie brauchen mehr Schaffner. Beides kostet bares Geld. Somit verlieren Sie Umsatz, weil mehr Menschen ohne gültigen Fahrschein reisen, oder Sie haben höhere Gehaltskosten für mehr Schaffner.

Das Problem mit der Gesichtserkennung war mir neu. Für uns beide als Reisende war es eigentlich ganz witzig. Allerdings muss man darüber nachdenken, weil es ein häufiges Problem zu sein scheint. Ich habe in anderen Ländern ähnliche Beobachtungen gemacht. Auch da hat die Überprüfung eines Online-Tickets länger gedauert als das mit einem Fahrschein auf Papier der Fall war. Möglicherweise sollte man sich manchmal zunächst mit den Kosten beschäftigen, bevor man „moderne“ aber alles andere als perfekte Online-Lösungen übers Knie bricht. Ich habe natürlich nichts gegen Online-Tickets und so weiter. Ich würde aber definitiv eine effizientere Lösung vorziehen. Einen weiteren Beitrag zu diesem Thema finden Sie hier.

Über den Autor: Martin Kuppinger ist Gründer und Principal Analyst bei KuppingerCole Research und Bachelor in Economics. Er engagiert sich in Kunden-Advisories in seiner Rolle als Trusted Advisor und fungiert als Geschäftsführer.

Martin Kuppinger hat über 50 IT-Bücher geschrieben und ist viel gelesener Kolumnist und Autor von Fachartikeln und Bewertungen in einigen der renommiertesten IT-Zeitschriften in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Er ist auch ein gut etablierter Sprecher und Moderator bei Seminaren und Kongressen.

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