Wie effektiv ist Business Intelligence beim Energiemanagement?

BI-Systeme sollen Firmen helfen, den Überblick über das Ressourcenmanagement zu behalten – so auch im Bereich Energie. Dieser Artikel zeigt, was man dabei beachten muss.

Entscheidungen in Organisationen zu verantworten, erfordert eine gute und richtige Informationsbasis – diese ist nicht immer einfach zu finden. Wachsende Risiken verlangen schnelle Reaktionen, der Corporate-Governance-Kodex eine transparente Informationspolitik. 

Zu den wachsenden Risiken zählen die Verfügbarkeit und die Kosten von Ressourcen. Energie ist eine solche Ressource, die knapp und teuer wird bzw. ist.

Business-Intelligence-Systeme helfen Verantwortlichen, den Überblick zu behalten und wichtige Informationen aus ihren Daten zu generieren, so auch im Bereich des Ressourcenmanagement, hier speziell bezogen auf den Umgang mit Energie in den Unternehmen.

Das Energieinformationssystem als „Energie-Steuerungssystem“

Das „Handbuch für betriebliches Energiemanagement“ vom BMUJF [Sven Kaiser, Otto Starzer, Wien 1999] weist auf 4 von 109 Seiten auf die Bedeutung von Energieinformationssystemen hin. Es wird kurz von Energiebuchhaltung und Energiekennzahlensystemen gesprochen. Die Kürze, mit der von diesen Informationssystemen im Handbuch gesprochen wird, ist der Bedeutung des Themas nicht angemessen. 

Die Praxis zeigt leider, dass der Steuerungskreislauf, der im Handbuch auf Seite 5 definiert wird, oft auf Grund fehlender Ist-Werte nicht gelebt werden kann. Im Handbuch des BMUJF wird darüber hinaus auch vom Energiefluss gesprochen. 

Der Energiefluss trat erst seit dem Zeitpunkt, ab dem Energiekosten für die Firmen merkbar wurden, in den Fokus des „Wirtschaftens“. Damit ist der Energiefluss gleichberechtigt mit den anderen „Flüssen“ wie Geld, Material, Prozess und Information zu behandeln und auch eng mit diesen Flüssen verbunden.

Ein Energieinformationssystem ist prinzipiell eine spezielle Ausprägung eines Business-Intelligence-Steuerungskreislaufes. Die Kennzahlensysteme für das Energiemanagement sind in das Kennzahlensystem der „Flüsse“ einer Firma einzubetten, damit für die Geschäftsführung auf Basis der damit definierten Ursache-Wirkung-Ketten das Energiemanagement der Firma transparent und nachvollziehbar wird.

Was muss ein BI-System für das Energiemanagement können?

Die operativen Daten kommen nun nicht mehr nur aus OLTP-Applikationen wie z.B. ERP-Systemen, sondern vor allem aus den energieverbrauchenden Geräten. Diesen Geräten sind im Rahmen der Maßnahmen des Energiemanagement sowohl den Verbrauch messende als auch den Verbrauch mindernde Geräte beigeschaltet. 

Letztere haben selbst „Intelligence“ integriert, welche in Zusammenarbeit mit den Daten im Data Warehouse und den dort zusätzlich eingebauten Regeln eine intelligente automatische Steuerung des Energieverbrauchs ermöglichen. So weit das Idealbild.

Das Konzept für den Einsatz von BI im Energie-management sollte schon bei der Neuerrichtung von Gebäuden und Energie-verbrauchern umgesetzt werden.

Tatsache ist, dass wir teilweise weit von diesem Idealbild von regelbasierten Steuerungsmechanismen entfernt sind. Dies deshalb, weil bisher die Schmerzgrenze der Energiekosten noch viel zu niedrig lag. 

Eine solche intelligente Steuerung, die über das Kennzahlensystem unmittelbar in die Finanzkennzahlen durchschlägt, ist derzeit kostenmäßig schon für Beleuchtung, Heizung, Be-/Enlüftung, Klimatisierung usw. interessant und auch technisch verfügbar. Damit kann man sich den teuren Wechsel von veralteten Verbrauchsgeräten teilweise ersparen bzw. kurzfristig Einsparungen erzielen.

Das Konzept für den Einsatz von BI im Energiemanagement sollte darüber hinaus jedoch schon bei der Neuerrichtung von Gebäuden und „Energieverbrauchern“ umgesetzt werden. Im Betrieb von Energieverbrauchern hat das Facilitymanagment die Aufgaben des „BI für Energiemanagement“ zu übernehmen.

Eine weitere Facette des Einsatzes von BI im Energiemanagement setzt schon bei der Auswahl des Energielieferanten ein. Wird durch einen Energie-Händler die Zulieferung von Energie über Energieverbraucher hinweg optimiert, so kommt es zu weiteren Einsparungseffekten. Dies setzt jedoch eine Zusammenarbeit auf Daten- und Kennzahlenebene zwischen Energielieferanten, -verbrauchern und –händlern voraus.

Fazit

Der Einsatz von Informationstechnologie auf „intelligente Weise“ im Energiemanagement ist ein spezieller, aber sehr bedeutender Bereich von Business Intelligence. Hierfür ist jedoch die Zusammenarbeit der verschiedenen Interessensträger erforderlich. 

Dies wird wiederum nur dann erfolgen, wenn die Vorteile der Maßnahmen für jeden Beteiligten im Gesamtkontext dargestellt werden. Darüber hinaus bedarf es auch auf der technischen Ebene einer engen Zusammenarbeit. 

Sowohl betriebswirtschaftlich als auch volkswirtschaftlich gesehen werden wir nicht daran vorbei kommen, die in den Firmen derzeit laufenden Business Intelligence-Aktivitäten auf den Bereich Energiemanagement auszudehnen. Der Kostenzwang ist da, die Technik steht bereit.

Über den Autor:
Siegmund Priglinger ist Analyst und Berater bei BARC und Repräsentant von BARC in Österreich. Sein fachlicher Schwerpunkt ist Data Governance und Master Data Management als Teil von IT Governance. Dr. Priglinger hat mehr als 25 Jahre Erfahrung als Produkt- und Lösungsanbieter, IT-Manager und Unternehmensberater für ICT. Er unterstützt sowohl Softwarehersteller bei deren „Business Development“ als auch Softwarenutzer im Einsatz und der Evaluierung von Software aus Sicht „Software enables the Business“.

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Artikel wurde zuletzt im November 2008 aktualisiert

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