Was erwartet den Markt für Desktop-Virtualisierung im Jahr 2015?

Was bringt das Jahr 2015 für die Desktop-Virtualisierung? Drei unserer Experten werfen einen Blick voraus auf die Trends 2015.

In diesem Beitrag zeigen unserer drei Experten Brien Posey, Robert Sheldon und Alastair Cooke, was sie aus dem Jahr 2014 über den Markt für Desktop-Virtualisierung mitgenommen haben und was sie für das Jahr 2015 erwarten.

Brien Posey: Zu viel Inkonsistenz bei MDM-Tools

Meiner Meinung nach war der größte Trend die verschwimmenden Grenzen zwischen VDI (virtuelle Desktop-Infrastruktur) und BYOD (Bring Your Own Device). Anwender greifen auf virtuelle Desktops immer häufiger von mobilen Endgeräten aus zu. Auch deshalb waren und werden Mobile Device Management (MDM) sowie Sicherheit und Support in diesem Bereich immer wichtiger.

Ich glaube, dass man im Jahre 2015 noch mehr Wert auf plattformübergreifende Unterstützung legen wird. Man wird sich wohl auch mehr darauf konzentrieren, dass virtuelle Desktops, virtuelle Anwendungen und herkömmliche Apps auf einer Vielzahl an Geräten gleich aussehen und sich gleich verhalten. Ich glaube auch, dass sich die Anbieter in diesem Bereich anstrengen werden, mehr Konsistenz bei der Management-Erfahrung verschiedener Geräte zu liefern. Das ist ein Bereich, in dem es einiges an Luft nach oben gibt.

Ich habe mir vor einigen Tagen erst ein bestimmtes MDM-Tool angesehen und dabei festgestellt, dass es zwischen den verschiedenen Funktionen sehr wenig Konsistenz gibt. Bestimmte Funktionen sind vielleicht auf einem PC verfügbar, aber nicht für Android. Oder es funktioniert mit Android, aber nicht mit Apple iOS. Das ist wirklich ein häufig auftretendes Problem und ich glaube, dass man diesen Bereich früher oder später adressieren muss.

Robert Sheldon: Die Zukunft von Windows wird interessant

Ich persönlich habe es interessant gefunden, die Zukunft des Windows-Desktop-Betriebssystems zu verfolgen. Das wird mit Windows 10 meiner Meinung nach auch weiterhin spannend bleiben.

Microsoft hat die Lizenzstruktur für virtuelle Umgebungen im Jahre 2014 zwar gelockert, allerdings ist diese Änderung auf Software-Assurance-Kunden und die Enterprise-Edition limitiert. DaaS-Szenarien (Desktop as a Service) hat Microsoft nicht einmal erwähnt, wodurch gerade kleine und mittelständische Unternehmen eigentlich im Regen stehen gelassen wurden.

Darüber hinaus war Windows 8 ein klares Fiasko und wer früh auf Windows 8 umgestiegen ist, dem ist das Betriebssystem sehr wahrscheinlich aus unterschiedlichsten Gründen aufgezwungen worden. Immerhin wird Windows XP seit April 2014 nicht mehr länger unterstützt und auch das Ende von Windows 7 ist zumindest schon am Horizont sichtbar.

Fügt man dieser Mischung noch Cloud Computing, Mobility, HTML5 und Virtualisierung hinzu, bekommt man irgendwie das Gefühl, dass 2015 eigentlich alles möglich ist. Eine der Möglichkeiten lautet daher, dass mit dem richtigen Technologien-Mix Microsofts Vorherrschaft in der Desktop-Branche bald beendet sein könnte. Man denke nur an Googles Erfolg mit seinen Chromebooks.

Mit Desktop- und App-Virtualisierung sowie Cloud Computing wird das Betriebssystem also in gewisser Weise immer unwichtiger. Möglicherweise werden wir 2015 also mehr und mehr Chromebook-ähnliche Optionen sehen. Systemadministratoren können ohne großes manuelles Eingreifen Linux-Desktops verwenden, um webbasierte Apps oder Thin Clients laufen zu lassen.

Windows ist natürlich immer noch der unangefochtene Klassenprimus auf dem Markt, was zunächst an all den Windows-basierten Anwendungen und Services auf dem Markt liegt. Aber selbst Microsoft geht in vielen Bereichen Richtung Cloud und es sieht ganz danach aus, als würde dieser Trend noch einige Zeit anhalten.

Windows wird in absehbarer Zeit nicht vom Markt verschwinden, aber Veränderungen liegen förmlich in der Luft. Ich glaube, dass Desktop-Virtualisierung eine signifikante Rolle in Bereichen spielen wird, die wir noch nicht einmal auf dem Radar haben.

Alastair Cooke: SSD für VDI-Umgebungen sind der neue Trend

Jahrelang hat man darüber geredet, VDI-Umgebungen auf Solid-state Storage zu implementieren. Ich glaube, dass ich im Jahre 2014 mit mehr Kunden gesprochen habe, die SSDs (Solid-state Drive) für VDI eingesetzt haben, als mit Kunden ohne eine entsprechende Implementierung. Neue Anbieter wie zum Beispiel Nimble Storage und Pure Storage gewinnen am Markt an Dynamik und bieten großartige Storage-Möglichkeiten für VDI. Alteingesessene Anbieter stellen mittlerweile ebenfalls Storage zur Verfügung, das auf Flash setzt. Somit verbessert sich die Lage hinsichtlich nahezu unlimitierter IOPS pro Desktop. Das löst eines der größten Probleme für den VDI-Einsatz.

2014 war außerdem das Jahr, in dem DaaS in den Fokus rückte. Ich würde nicht sagen, dass es „das Jahr von DaaS“ war. Allerdings haben plötzlich mehrere große Anbieter DaaS ins Portfolio aufgenommen, weil es inzwischen einige interessante Anwendungsfälle für DaaS gibt. Ein wichtiger ist zum Beispiel die Verlängerung der Lebensdauer von Windows-Anwendungen, wenn keine Windows-Geräte verwendet werden sollen oder können.

Ich würde gerne einige echte mobile Thin Clients im Jahre 2015 sehen. Die Demonstration von VMware, NVIDIA und Google auf der VMworld 2014, bei denen ein Chromebook auf einen View-Desktop zugegriffen hat, waren sehr interessant. Wären Internetverbindungen in Hotels zuverlässiger, würde ich wahrscheinlich lediglich mit einem Chromebook reisen und müsste mir um Diebstahl oder Verlust weniger Gedanken machen als heute.

Ich erwarte für 2015 mehr Desktops in Data Centern, die nicht auf Virtualisierung basieren. Ich habe mich kürzlich zum Beispiel mit einem Kunden unterhalten, der RDSH (Remote Desktop Session Host) auf Bare Metal installiert hat und keine virtuelle Maschine (VM) verwendet. 

Wir wissen, dass RDSH ein schwerer Workload für eine virtuelle Maschine ist. Mit einem 64-Bit-Betriebssystem kann RDSH einen modernen Server vollständig ausnutzen. Steckmodul-basierte Server wie zum Beispiel Moonshot von Hewlett Packard sind die nächste Phase von Blade-Architektur, die im Data Center eine höhere Serverdichte ermöglicht als bisher.

Dann gibt es da noch Open-Source-VDI. Auf dem OpenStack Summit in Paris habe ich von einem Projekt gehört, das sich noch ganz in den Kinderschuhen befindet und als Ziel VDI-Desktops von einer OpenStack-Cloud aus auszuliefern will. Die Lizenzkosten für den Hypervisor sind bei VDI zwar meist kein großer Brocken. Allerdings ist natürlich jede Möglichkeit willkommen, Kosten zu senken.

Es gibt bereits VDI-Produkte, die auf Linux-Desktops basieren. Was passiert aber, wenn die Virtualisierungsplattform und der Broker kostenlos wären? Der Wermutstropfen an dieser Stelle ist allerdings, dass sich bei VDI alles um die Anwendungen dreht. Die meisten Unternehmen verwenden nun einmal Windows-Anwendungen und keine Linux-Desktop-Apps.

Über den Autor:
Maggie Jones ist Mitherausgeberin der SearchVirtualDesktop.com Webseite. Sie hat davor bei SearchConsumerization.com und SearchEnterpriseDesktop.com mitgewirkt. Bevor sie 2011 bei TechTarget eingestiegen ist, arbeitete sie an einem Buch namens The Self-Made Myth als Redaktionsassistentin. Sie hat ihr Studium im Bereich Englischer Literatur und Philosophie in der Assumption College in Worcester, Mass. abgeschlossen.

Über die Experten:
Brien M. Posey hat bereits acht Microsoft-MVP-Auszeichnungen für Exchange Server, Windows Server und Internet Information Server (IIS) erhalten. Posey hat als CIO für eine Krankenhauskette gearbeitet und war für das Department of Information Management in Fort Knox zuständig. Weitere Informationen zu seiner Person finden Sie auf seiner Website unter brienposey.com.

Robert Sheldon ist technischer Berater und Autor mehrerer Bücher, Artikel und Schulungsmaterialien über Microsoft Windows, relationale Datenbank-Management- Systeme (DBMS) sowie Design und Implementierung von Business Intelligence. 

Alastair Cooke ist ein freiberuflicher Trainer, Consultant und Blogger. Er hat sich auf Server- und Desktop-Virtualisierung spezialisiert. In Australien und Neuseeland ist er für den APAC-Virtualisierungs-Podcast und durch regionale Community-Veranstaltungen bekannt. Im Jahre 2010 wurde Cooke mit dem Titel VMware vExpert geadelt.

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Artikel wurde zuletzt im Januar 2015 aktualisiert

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