Pro und Contra: Argumente für und gegen den Kauf von Microsoft-Software

Microsoft wird wegen seiner Anwendungen und Software-Suiten häufig kritisiert. Unser Experte diskutiert Vor- und Nachteile der Microsoft-Programme.

Ein kurzer Blick auf die Geschichte der Business-Software: Im Zeitalter der Mainframes in den 1980er-Jahren beherrschte IBM den Markt für Business-Anwendungen. Die Dominanz von Big Blue war so erdrückend, dass manche Kritiker dies als Orwell’sche Kontrolle des Marktes darstellten. Doch als die Software wegen neuer Entwicklungen umfassendere Anforderungen erfüllen musste, kamen andere Player auf den Markt.

Mit der ERP-Ära (Enterprise Resource Planning) etablierten sich SAP und Oracle als führende Unternehmen. Anschließend folgte die CRM-Phase (erinnern sie sich an Siebel CRM Systems?). In letzter Zeit setzen immer mehr Unternehmen auf Cloud Computing als neues Betriebsmodell für den Einsatz von Software (Software as a Service, SaaS). Hier installieren die Benutzer ihre Anwendungen nicht mehr lokal auf ihrem Endgerät, sondern beziehen sie als Service über das Inter- oder Intranet und rufen sie im Browser auf. Beispielhaft für den Erfolg der Cloud stehen Firmen wie Salesforce.com oder NetSuite.

Cloud Computing konnte sich als neues Paradigma aber nur durchsetzen, weil es den Unternehmen Mehrwerte bietet. Dazu gehören die schnelle Bereitstellung der Anwendungen, Skalierbarkeit und hohe Flexibilität. Zudem entfallen Investitionskosten in den Aufbau einer eigenen Infrastruktur. Auch die IT-Kosten bleiben transparent, da man in der Regel nur für die tatsächliche Nutzung der Software bezahlt (pay per use).

Die Vorteile haben aber weniger mit dem jeweiligen Software-Anbieter zu tun, sondern mit der Art und Weise, wie die Anwendung in die Umgebung integriert wird. Daher sollten sich Unternehmen den Wechsel des Herstellers gut überlegen. Schließlich kann auch ein anderer Anbieter nicht den Erfolg garantieren. Viele Provider argumentieren, dass sie mit ihrem umfangreichen Portfolio alle technologischen Anforderungen erfüllen. Ich sehe demgegenüber Microsoft als unterschätzten Marktführer, insbesondere beim Fokus auf die Gesamtkosten. Im Folgenden analysiere ich die Gründe für den Kauf von Microsoft-Software.

Argumente für den Kauf von Microsoft

Microsoft eilt der Ruf voraus, wenig innovativ zu sein, wenn es um die Zukunft von technologie-basierten Business-Anwendungen geht. Das Unternehmen gilt weniger als Pionier, sondern eher als Nachzügler in den Bereichen Cloud sowie bei wichtigen Geschäftsanwendungen wie CRM und ERP. Viele IT-Spezialisten stellen den Kauf von Microsoft-Produkten wegen dieser vermeintlich geringen Innovationsfreude grundsätzlich infrage.

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Auch die halbherzige Cloud-Strategie des Unternehmens wurde heftig kritisiert. Der Vorwurf: Microsoft bietet Cloud-Varianten seiner Produkte an, stellt aber manche Funktionen nur bereit, wenn die Kunden sowohl eine Lizenz für Cloud-Produkte erwerben als auch für Anwendungen, die lokal installiert werden (On-Premise). Andere Kritiker bemängelten die falsch ausgerichtete und unklare Partnerstrategie des Unternehmens. Microsoft lagere seinen Vertrieb und seine Services an die Partner aus und konzentriere sich auf die Entwicklung seiner Produkte.

Microsoft gehört tatsächlich nicht zu den Pionieren in wichtigen und bahnbrechenden Technologien wie Mobile, Social und Cloud Computing. Das Unternehmen ist aber lernfähig und perfektioniert seine Produkte auf Basis der neuen Entwicklungen. Beispiel dafür sind das Platform-as-a-Service (PaaS) -Angebot Azure sowie Dynamics CRM, das seinen Marktanteil in den vergangenen vier Jahren verdreifacht hat. Das Produkt-Portfolio von Microsoft bietet folgende drei Wettbewerbsvorteile:

  1. Breite des Angebots: Microsoft ist wahrscheinlich der einzige Anbieter, der qualitativ hochwertige Software für alle Bereiche liefert, in denen Unternehmen Software benötigen: (1) Endanwender (Desktops, Tablets, Mobiltelefone); (2) Infrastruktur (Rechenzentrum, Sicherheit); (3) Datenbanken; (4) Framework (Webdesign, Programmiersprache) und (5) Unternehmensanwendungen (ERP, CRM). Es ist wie beim Bau einer Lego-Figur: Unternehmen kaufen die Komponenten, die sie brauchen und fügen sie nahtlos zusammen. Das beschleunigt die Implementierung, vereinfacht die laufende Wartung, erhöht Agilität sowie Benutzerfreundlichkeit – und senkt letztendlich die Kosten.
  2. Reduzierte Arbeitskosten: Die Partner-Strategie von Microsoft und seine hohe Präsenz im Markt senken die Arbeitskosten. Ein Beispiel: Der Website Payscale zufolge verdient ein ABAP-Programmierer in Kanada durchschnittlich 81.000 Kanadische Dollar pro Jahr, ein vergleichbarer .NET-Programmierer nur 55.000 Kanadische Dollar. An der Umfrage nahmen 61 ABAP-Programmierer und 1.160 .NET-Programmierer teil. Das zeigt die Dominanz der .NET-Programmierer auf dem Markt. Unternehmen finden damit zu einem günstigeren Preis schnell hochqualifizierte Spezialisten.  
  3. Flexibler Wechsel zwischen Cloud Computing und lokaler Installation: Microsoft hat öffentlich erklärt, dass all sein Produkte On Premise und als Cloud-Version zur Verfügung stehen. Da sich beide Versionen der Anwendungen miteinander verzahnen lassen, können die Mitarbeiter von Unternehmen in der Cloud arbeiten und Änderungen mit der lokal installierten Software synchronisieren. Wie bei jedem Cloud-Anbieter sind die Investitionskosten für den Einsatz der Cloud-Software minimal. Doch ab einer bestimmten Anzahl von Nutzern kann der Umstieg auf eine lokal installierte Anwendung wirtschaftlich sinnvoller sein; im Fall von Microsoft würde dann der Aufwand für die Schulung der Mitarbeiter entfallen. Auch die Lizenzierung lässt sich optimieren. Viele anderen Anbieter bieten zwar ebenso Cloud- und On-Premise-Varianten an, doch die beiden Welten sind nicht so einfach zu integrieren wie bei Microsoft. Die Cloud-Integration stellt eine der größten Herausforderungen in diesem Umfeld dar.

In den letzten 20 Jahren hat Microsoft alle neu entwickelten Technologien in seine Produkte eingearbeitet, manchmal zwar etwas verspätet, aber doch mit großem Erfolg. Die genannten drei einzigartigen Eigenschaften von Microsoft belegen, dass Microsoft-Produkte die niedrigsten Gesamtkosten auf dem Markt bieten.

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