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Mit DevOps den digitalen Wandel im Unternehmen umsetzen

Um den digitalen Wandel effektiv umzusetzen, hat sich die DevOps-Methode hervorgetan. DevOps wird auch in deutschen Unternehmen immer beliebter.

Kürzere Produktzyklen, individualisierte Kundenansprache, Innovationsdruck und die Datenflut der Digitalisierung – die Anforderungen an die Unternehmens-IT werden immer vielschichtiger. Um den digitalen Wandel intern effektiv umzusetzen, hat sich die DevOps-Methode hervorgetan. Dieser ganzheitliche Ansatz stellt die enge Zusammenarbeit der Ressorts Entwicklung, Qualitätssicherung sowie IT-Betrieb in den Fokus und wird auch in deutschen Unternehmen immer beliebter.

Die vergangenen Jahre haben gezeigt: Agile Methoden und flexible Strategien sind die Zukunft der Softwareentwicklung. Auftraggeber und Markt verlangen Reaktionsschnelle und Anpassungsfähigkeit. Für Unternehmen bedeutet das durchdachtes Projekt-Management, eine breite Auswahl an unterstützenden Tools und eine hochgradige Automatisierung des Entwicklungsprozesses. In der Realität bleiben diese Agilität und automatischen Prozesse jedoch oftmals mit dem Ende der Entwicklung auf der Strecke: Mangels weitreichender Integration in die Gesamt-Wertschöpfungskette kommt es beim Übergang in den Betrieb oft zu Verzögerungen und Zielkonflikten.

Zusammenarbeit statt Isolation

Kooperation zwischen den Abteilungen Entwicklung und Betrieb ist also gefragt. Und genau hier setzt DevOps an. Zusammengesetzt aus Development und Operations, zielt dieser Ansatz auf eine gemeinsam getragene Balance aus dem Bestreben der Entwicklungsabteilung nach Veränderung und dem Bedürfnis nach Systemstabilität von Betriebsseite.

Um dies zu erreichen, werden unter DevOps etablierte Prozessstrukturen aufgebrochen und neu geordnet. Dabei kommen statt isolierten Spezialisten cross-funktionale Teams mit dem Blick für das große Ganze zum Einsatz. Diese Teams setzen das differenzierte Fachwissen ihrer Mitglieder gezielt ein, um Feedback-Schleifen von der ersten Kundenanfrage bis zum Betrieb systematisch zu etablieren. Viele Experten haben gerade diese Prozessverbesserung des Application Lifecycle Managements (ALM) als Kernaspekt von DevOps ausgemacht.

Dabei spielt der Faktor Mensch eine zentrale Rolle: Die Kommunikation untereinander entscheidet darüber, ob die angestrebte abteilungsübergreifende Kooperation in der Praxis auch angewendet wird. Dementsprechend bietet eine erfolgreiche DevOps-Umsetzung auch immer einen intrinsischen Wert für Mitarbeiter, denn transparentes und gut gemanagtes Wissen gibt ihnen die Chance, zu lernen und sich kontinuierlich zu verbessern – auch in fachfremden Bereichen. Idealerweise bringen die Beteiligten breit angelegtes Fachwissen mit einer klar definierten Kerndomäne mit. Die Schnittmengen aus Breiten- und Fachkompetenzen definieren das maximale Leistungsvermögen solcher cross-funktionaler Teams und erleichtert die Optimierung beziehungsweise Automatisierung manueller IT-Aufgaben wie Deployment oder Monitoring.

Veränderung im laufenden Betrieb

Auf Softwareseite treiben Trends wie Cloud Computing und Big Data Analysis die Digitalisierung der Unternehmen unaufhaltsam voran. Um die dabei generierte Datenflut in effiziente (Prozess-)Bahnen zu lenken, müssen lokale Systeme geöffnet und vernetzt werden, zusätzliche Kanäle für Kunden- und Geschäftsbeziehungen – Social Media sei hier als Beispiel genannt – wollen bedient werden und eine schnelle Verfügbarkeit von Produkten und Support muss garantiert sein. Diese neuen Services lassen sich nur mit automatisierten und agilen IT-Vorgängen beherrschen, womit sich wieder der Bogen zu DevOps spannt.

Dabei hat sich in der Praxis bewährt, den DevOps-Ansatz in einem IT-Betriebs-Team zu beginnen und die dort automatisierten Prozesse als Entwicklungsgrundlage für das weitere Vorgehen zu verwenden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass DevOps stark von der individuellen Struktur und den Bedürfnissen des Unternehmens abhängig ist. Eine Einheitslösung, die für alle passt, ist es nicht. DevOps im Start-Up sieht anders aus als der schrittweise Rollout in einem Großunternehmen. In jedem Fall findet die Implementierung parallel zum laufenden Betrieb statt – ein Faktor, der oftmals unterschätzt wird. Team- und Projektleiter tragen hier die Hauptverantwortung für das weitere Vorgehen und müssen dementsprechend ihr Fachwissen in einer ganz neuen Breite und Tiefe einbringen und anwenden, aber auch den Freiraum durch das Management eingeräumt bekommen, es in einer wirksamen Art und Weise zu tun.

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Doch mit der Implementierung ist der Prozess noch nicht abgeschlossen: IT-Berater empfehlen eine umfassende Strategie, die neben der DevOps-Umsetzung auch Beratung, Funktionsdesign und Betreuung nach der Integration umfasst. Oft wird hier mit einem unternehmensinternen Workshop begonnen, in dessen Rahmen Experten über die Motivation und Voraussetzungen einer DevOps-Einführung informieren. Anschließend erläutern die potenziellen Anwender ihre momentane IT-Organisation. Aus dem sogenannten Quick Scan zu Aspekten wie Continuous Delivery (CD) oder Testautomatisierung und dem Deep Scan, der vor allem Quellcode-Prozesse erfasst, fügt sich dann ein umfassendes Ausgangsbild zusammen. Aus dieser Analyse leiten die Berater einen pragmatischen Weg ab, den DevOps-Ansatz innerhalb des Unternehmens zu etablieren.

DevOps auf Deutsch

Wie DevOps implementiert wurde oder welchen Plan man dafür künftig umsetzen möchte, fragte im Sommer 2015 das Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest 205 IT-Fachkräfte und -Entscheider. Die Befragten repräsentieren Unternehmen mit mindestens 250 Mitarbeitern in Deutschland. Die häufigste Antwort (43 Prozent): kontinuierliche Integration.

„Viele Experten haben gerade die Prozessverbesserung des Application Lifecycle Managements als Kernaspekt von DevOps ausgemacht.“

Andreas Hack, Atos Deutschland

Kaum weniger (potenzielle) Anwender (37 Prozent) bevorzugen das Einrichten einer Arbeitsgruppe zum Testen des DevOps-Prozesses. Automatisiertes Testen, Anwendungsüberwachung (jeweils 35 Prozent), integrierte Einsatzplanung (34 Prozent) oder Unterstützung der Produktion (33 Prozent) stellten sich als fast genauso häufige Antworten auf die Einführungsfrage heraus. Dieses Feedback der Verantwortlichen bestätigt die theoretische Bandbreite der DevOps-Methodik.

In jedem Fall muss aber die Unternehmenskultur den von DevOps angestoßenen Umbruch nachvollziehen. Wird dieser Kulturwandel nicht angenommen, scheitern cross-funktionale Teams aus Entwicklern und Betrieblern. Doch das offenkundige Potenzial und der Praxisbedarf sprechen klar für den DevOps-Ansatz, der sich auch immer schneller in Deutschland verbreiten wird.

Über den Autor:
Andreas Hack ist CTO für Consulting und Systems Integration bei Atos Deutschland.

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