Dieser Artikel ist Teil unseres Guides: SAP HANA: Die In-Memory-Lösung von SAP verstehen und nutzen

In-Memory-Analytics: Oracle Exalytics schlägt SAP HANA

Oracle Exalytics ist, anders als SAP HANA, eine reine In-Memory-Appliance für Datenanalysen. Diesen Standpunkt vertritt Oracle-Experte Mark Rittman.

Dieser Beitrag ist Teil einer umfangreichen Diskussion über die beiden In-Memory-Appliances Oracle Exalytics und SAP HANA. In einem bereits erschienen Artikel legt SAP-Berater John Appleby dar, warum SAP HANA aus seiner Sicht das bessere Produkt ist.

Welche Vorzüge hat die Oracle Exalytics In-Memory-Maschine im Vergleich zu anderen In-Memory-basierten Analyselösungen? Als Mitgründer eines IT-Dienstleisters, der Oracle-Partner ist, sowie als Autor eines Buches zu Oracle Exalytics bin ich im Hinblick auf diese Frage wahrscheinlich voreingenommen. Doch aufgrund meiner Erfahrungen mit diesem Softwareprodukt kann ich einige seiner entscheidenden Vorteile gegenüber Konkurrenzangeboten wie etwa SAP HANA darlegen.

Ich gehe davon aus, dass die meisten Leser dieses Artikels mit den Funktionalitäten, die Oracle Exalytics bereitstellt, vertraut sind. Diese bietet In-Memory-Analytics auf Basis von Oracle TimesTen und Oracle Essbase sowie Dashboards und die Analysemöglichkeiten von Oracle Business Intelligence

Bei Exalytics handelt es sich um eine Appliance, die Software und einen Server von Sun, der über mindestens einen Terabyte Arbeitsspeicher und 40 Kernprozessoren verfügt, miteinander kombiniert. Diese Verknüpfung von Hardware und Software wird von Oracle als sogenanntes „Engineered System“ bezeichnet. Wer über keine oder nur geringe Exalytics-Kenntnisse verfügt, findet dazu auf meiner Firmen-Website in einem speziellen Bereich diverse Hintergrundberichte sowie Blogeinträge zu einzelnen Funktionen und zur Historie dieses Produkts.

In diesem Beitrag diskutiere ich, was Exalytics besonders macht und warum Oracles In-Memory-Lösung besser ist als die der Wettbewerber. Wie erwähnt, handelt es sich dabei um meine Meinung, die nicht von Oracle „gesponsort“ wird, und sich aus den Erfahrungen speist, die ich bisher mit Exalytics gesammelt habe.

Rückwärtskompatibilität und Support

Vielleicht erinnern sich einige von Ihnen noch an die Lösung Oracle OLAP, die als langfristiger Ersatz für den altehrwürdigen multidimensionalen OLAP-Server Oracle Express als Entwicklungsumgebung für OLAP-basierte Applikationen gedacht war. Mit dem Nachfolger Oracle OLAP nahm der Hersteller einen „Java-zentrierten“ Ansatz auf und brach dadurch gleichzeitig die Schnittstellenkompatibilität mit den Anwendungen auf, die auf Basis von Oracle Express arbeiteten. Es dauerte mehrere Jahre, bis Oracle geeignete und praxistaugliche Java-basierte Analyse-Werkzeuge für Oracle OLAP entwickelt hatte.

In der Zwischenzeit waren aber die meisten Kunden, die noch Oracle Express im Einsatz hatten, auf Wettbewerberprodukte wie Microsoft SQL Serve Analysis Services oder IBM Cognos PowerPlay umgestiegen. Sie wollten und konnten schließlich nicht warten, bis Ihnen Oracle endlich einen vollfunktionsfähigen OLAP-Client zur Verfügung stellt, der dieselben Funktionalitäten beinhaltete wie die alten IT-Tools, die noch auf Oracle Express basierten.

Die Lektion, die Oracle im Hinblick auf die Markteinführung der In-Memory-Plattform zu lernen hatte, war klar: Sie musste mit sämtlichen IT-Werkzeugen von Oracle kompatibel sein, die Kunden aktuell für Business Intelligence (BI), Enterprise Performance Management (EPM) und Data Warehousing (DW) nutzen. 

Andernfalls hätte Oracle sich auf das gefährliche Spiel eingelassen, für Exalytics wieder ein komplett neues Toolset zusammenbauen zu müssen. Kunden, die sich für die Anschaffung von Oracle Exalytics entscheiden, können ihre bestehenden Oracle-BI- und Essbase-Anwendungen, inklusive der vordefinierten Oracle BI-Applikationen, direkt und problemlos auf diese Plattform migrieren. Dafür genügt in der Regel ein einfaches Upgrade der Metadaten.

Ein weiteres Plus ist, dass damit die gesamte Bandbreite der BI-, EPM- und Datenermittlungs- (Data-Discovery) -Werkzeuge von Oracle mitsamt ihrer Unterstützung für Oracle- und Nicht-Oracle-Datenquellen auf der Exalytics-Plattform genutzt werden kann. Gerade bei Business Intelligence, wo es keine Einheitslösungen gibt, ist durch die Unterstützung der gesamten BI-Tools von Oracle durch Exalytics gewährleistet, dass jedes Unternehmen genau das BI-Werkzeug nutzen kann, das für seine spezifischen Aufgaben am besten geeignet ist. 

Das ist ein wesentlicher Unterschied zu den Angeboten der Konkurrenz. Seit dem Patchset v1.1 unterstützt Exalytics zudem die Datenermittlungsplattform Oracle Endeca Information Discovery, die eine High-End-Analyseumgebung für komplexe und vielschichtige strukturierte wie auch unstrukturierte Daten bereitstellt.

In-Memory-Computing: Probleme mit Skalierbarkeit in den Griff bekommen

Im Vergleich zur Datenverarbeitung auf einer Speicherdisk erweist sich die In-Memory-basierte Analyse von BI-Datensätzen zwar als überlegener Ansatz. Doch früher oder später erreicht bei der Datenspeicherung jede Arbeitsstation und jeder Server die Kapazitätsgrenze. 

Die einzelnen Hersteller von In-Memory-Lösungen gehen mit diesem Problem auf unterschiedliche Weise um. Bei einigen muss der gesamte Datenbestand für eine Auswertung im Arbeitsspeicher vorgehalten werden. Das führt naturgemäß dazu, dass die Möglichkeiten begrenzt werden, nur eine Teilmenge der gesamten Datenmenge analysieren zu können.

Exalytics umgeht dieses Problem, indem nur die am häufigsten verwendeten Datensätze (Hot Data) im In-Memory-Speicher vorgehalten werden. Über eine InfiniBand-Netzwerkverbindung mit geringer Latenz wird dabei auf den umfassenderen Datenbestand zurückverwiesen, der in der Regel in einem Data Warehouse lagert, das auf Oracle Exadata basiert. 

Oracle bezeichnet diese Form von In-Memory-Datennutzung als In-Memory Adaptive Data Mart. Dabei wird mit einem Werkzeug namens Summary Advisor die Arbeitslast bei Abfragen analysiert und Hotspot-Daten werden vollautomatisch in den In-Memory-Cache kopiert. Auf diese Weise können die Daten aussortiert werden, auf die keine Abfragen mehr erfolgen. 

Durch diesen Ansatz können Anwender zudem eine Datenmenge abfragen, die weitaus größer ist als der verfügbare Arbeitsspeicher auf ihrem Server – und zwar mit einer vollautomatisierten Lösung, die nur geringen Administrationsaufwand erfordert, wenn sie einmal eingerichtet ist.

Eine echte Appliance-Lösung von einem einzigen Anbieter

Unternehmen, die die Total Cost of Ownership (TCO) beim Betrieb ihrer IT-Systeme verringern wollen, suchen verstärkt nach Lösungen im „Apple-Stil”, der Hardware und Software in einem einzigen, einfach zu administrierendem Paket bündelt.

Oracle Exalytics ist ein solch integriertes Paket. Es besteht aus Hardware von Sun und Software von Oracle, die zusammen als einheitliches System installiert, konfiguriert und gepatcht werden. Auf diese Weise lassen sich die Kosten für die Installation und die Wartung einer BI-Plattform reduzieren. 

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Zugleich ist sichergestellt, dass sämtliche Komponenten – auch im Fall eines Upgrades – reibungslos zusammenarbeiten. Wenn die Hardware eine Wartung benötigt oder gar ausgetauscht werden muss, sendet Exalytics diese Informationen sogar eigenständig an Oracle, sodass ein Servicetechniker umgehend benachrichtigt wird und sich zeitnah um die Hardware wie auch um die darauf laufende Software kümmern kann. Es wird also nicht nur der Server repariert, sondern auch für das reibungslose Zusammenspiel der neuen Hardwarekomponenten mit der jeweiligen Software gesorgt.

Kommen alle Produktbestandteile von der Hardware über das Betriebssystem und den Applikationsserver bis hin zu den BI-Werkzeugen aus der Hand eines einzigen Anbieters wie Oracle, hat dies außerdem den Vorteil, dass die Software optimal auf eine bestimmte Hardwarekonfiguration abgestimmt werden kann. 

Zum Beispiel war die Performance der ersten Releases der Business-Intelligence-Edition von Oracle als Bestandteil des Exalytics-Software-Stacks für den Betrieb auf einem Terabyte RAM und 40 Prozessoren optimiert. Im Lauf der Zeit wird Oracle seine BI-Lösungen durch weitere Funktionen erweitern, die dann speziell für den Betrieb auf Exalitycs entwickelt werden, um die Vorzüge der High-End-Hardware des Systems zu nutzen.

In-Memory-Analysen stellen für BI-Anwender eine sehr interessante Entwicklung dar, aber diese auch richtig anzuwenden ist schwierig. Häufig müssen Kompromisse beim Umgang mit großen Datenmengen gemacht werden, etwa durch eine Wiederverwendung vorhandener Tools oder die Entwicklung völlig neuer Lösungen. Hinzu kommt die Frage: Offene Plattform oder Standardisierung durch eine bereits vorgegebene Hardwarekonfiguration?

Meiner Ansicht nach hat Oracle durch die Entwicklung einer einzigen standardisierten Lösung nach dem Appliance-Modell, die zudem sehr einfach eingeführt werden kann, den besten Weg gefunden, um seinen Kunden die Möglichkeiten von In-Memory-Analytics zu erschließen. Exalytics kombiniert darüber hinaus In-Memory- mit Disk-basierten Analysen, was die Auswertung selbst riesiger Datenmengen ermöglicht, und wartet mit einer Rückwärtskompatibilität zu bestehenden BI-Tools auf. Dadurch können Kunden schnell einen geschäftlichen Nutzen aus der neuen Oracle Exalytics-Plattform ziehen.

Weitere und detaillierte Informationen zur Oracle Exalytics In-Memory-Maschine finden Sie auf der Webseite meines Unternehmens oder bei Oracle auf den entsprechenden Produktseiten.

Über den Autor:
Mark Rittman ist ein Oracle Certified Professional DBA und Technischer Direktor sowie Mitbegründer der Firma Rittman Mead, welche auf Business Intelligence und Data-Warehousing-Applikationen spezialisiert ist.

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Artikel wurde zuletzt im Mai 2015 aktualisiert

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