EVO:RAIL: Wie positioniert sich VMware gegen EMC, Dell, NetApp und HP?

Mit EVO:RAIL betritt VMware Neuland und bietet erstmals hyper-konvergente Hardware. Wie positioniert sich VMware damit gegen EMC, Dell und Co.?

Die Ankündigung von EMC auf der VMworld 2014, als einer der ersten Anbieter VMwares EVO:RAIL-Appliance in sein Hardware-Portfolio mit aufzunehmen, kam einerseits überraschend, war andererseits aber auch erwartet worden. Für Dell gilt gewissermaßen das gleiche, wenn auch aus anderen Gründen.

EMC ist der einzige reine Storage-Anbieter unter den ersten EVO:RAIL-Partnern. Dabei EMC ist kein Server-Anbieter, obwohl EVO:RAIL ganz klar Server-Cores nutzt, zusammen mit Storage und Netzwerk-Komponenten. EMC ist zudem auch nicht dafür bekannt, Software von anderen Herstellern auf seine Hardware zu packen, und diese dann als eigene Storage-Plattform anzubieten. EVO:RAIL wird darüber hinaus mit anderen Produkten von EMC konkurrieren, vor allem im Bereich virtueller Desktop-Infrastrukturen. Daher scheint es fast so, als wäre VMware die treibende Kraft hinter EMCs EVO:RAIL-Angebot, obwohl VMware ein Unternehmen von EMC ist.

Auf der anderen Seite hat EMC schon seit der allgemeinen Verfügbarkeit von VMwares vSAN im März immer wieder darauf hingewiesen, dass ein derartiges hyper-konvergentes Produkt auf dem Weg sein würde.

EMC füllt mit EVO:RAIL eine Lücke im eigenen Portfolio

Und EMC fehlt durchaus die eigene Alternative zu den Produkten einer Reihe neuer Anbieter wie Nutanix, SimpliVity, Scale Computing, Maxta Software, Compuverde oder Nimboxx. EMC hat heute schon mehr Storage-Plattformen als jeder andere Anbieter, aber EMCs Strategie ist ganz klar, mit den eigenen Produkten Kundenanforderungen lieber doppelt abzudecken, als irgendwo eine Lücke zu lassen.

Das Ganze muss fast zwangsläufig zu einiger Verwirrung bei EMC-Kunden führen, daher hatten sich EMC-Manager auf der EMC World im Mai auch redlich bemüht zu erklären, warum ScaleIO, ViPR und VMwares vSAN keine Konkurrenzprodukte sind. Jetzt bietet EMC mit EVO:RAIL seine eigene vSAN-Box zum Verkauf an und hat ein weiteres Produkt, das Erklärungsbedarf weckt.

Laut einem Blog-Post von EMCs Senior Vice President Chad Sakac wird EVO:RAIL den gleichen Phoenix-Server enthalten, der auch die ScaleIO- und ViPR-Stacks in EMCs Elastic Cloud Storage Appliance antreibt. Sakac schreibt dazu, EMC sei kein Server-Anbieter und wolle das auch nicht werden. Daher sei auch nicht geplant, Phoenix als Server anzubieten, aber man werde ihn weiterhin in allen möglichen Appliances verwenden.

Mit anderen Worten: EMC will keine Server verkaufen, nimmt aber EVO:RAIL mit eben dieser Server-Plattform in sein Portfolio auf. Aber was wissen wir noch über EVO:RAIL? Sakac sieht EVO:RAIL mehr als ein OEM-Programm denn als ein Produkt, wie das für VMware der Fall ist. Laut VMware sollen die EVO:RAIL-Produkte von allen Anbietern das gleiche „Look and Feel“ haben, aber trotzdem technologische Eigenheiten der Anbieter wie EMC aufweisen. Sakac schreibt zum Beispiel darüber, wie EMC seine Data-Protection-Lösungen wie RecoverPoint, vSphere Data Protection (VDP) oder VDP Advanced integrieren wird. VDP und VDPA sind Backup-Produkte für VMware, die EMCs Avamar Software nutzen. Laut Sakac soll es das aber noch nicht gewesen sein: Angeblich hat EMC also noch einiges mehr in petto.

Dell hat jetzt hyper-konvergente Produkte sowohl von VMware als auch von Nutanix im Angebot

Anders als EMC gehört Dell zu den größten Server-Anbietern. Allerdings liegt die Vermutung nahe, dass Dells Server-Abteilung hinter EVO:RAIL steht, während das Storage-Team die Nutanix-OEM-Partnerschaft vorangetrieben hat, die im Juni angekündigt wurde. Dells Sales-Abteilung könnte jetzt durchaus Probleme bekommen, gegenüber Kunden beide Plattformen zu rechtfertigen – vSAN in EVO:RAIL konkurriert immerhin direkt mit der Nutanix-Appliance.

In einem Blog-Post von Chief Technical Evangelist Sam Greenblatt kündigte Dell zwei EVO:RAIL-Versionen an. Demnach wird es eine Dell Engineered Solution for VMware EVO:RAIL für virtuelle Umgebungen geben und zusätzlich ein weiteres EVO:RAIL-System für VDI-Deployments mit VMware Horizon View. Laut Dell sollen die Nutanix-Appliances ab Oktober ausgeliefert werden. Der größte Unterschied zwischen den beiden hyper-konvergenten Plattformen besteht in der Unterstützung für andere Plattformen: Nutanix unterstützt neben VMware vSphere auch Microsoft Hyper-V und KVM-Hypervisoren. EVO:RAIL dagegen natürlich nur vSphere.

Andere etablierte Storage-Anbieter lassen bisher eher noch die Hände von hyper-konvergenten Storage-Lösungen. Oder warten zumindest bisher noch ab. NetApp beispielsweise ist ein großer Gegner von VMwares großer anderer Storage-Technologie, die auf der VMWorld 2014 im Vordergrund stand: Virtual Volumes (VVOL). NetApp kooperiert mit VMware und Cisco deshalb bei der FlexPod-Referenzarchitektur, aber Server-basiertes Storage ist von NetApp derzeit nicht in Sicht.

„Wir sehen Hyper-Konvergenz als Variante unseres FlexPod-Designs“, so Adam Fore, NetApps Director of Virtualization Solution Marketing. „[Hyper-konvergente Systeme sind] für kleinere Unternehmen gedacht, die Deployments vereinfachen wollen. FlexPod stellt unseren Enterprise-Kunden genau das zur Verfügung. Ich sehe nicht, dass wir direkt in das Server-Business einsteigen werden.“

Hewlett Packard wiederum, ein anderer enger VMware-Partner bei VVOLs, sieht seine eigene StoreVirtual Virtual Storage Appliance (VSA) als geeignete Alternative für vSAN. „Ich sehe vSAN als Versuch von VMware, Storage für vCenter zu vereinfachen“, so Craig Nunes, HPs Vice President Storage Marketing. „Unserer Meinung nach kann das auch StoreVirtual, und sogar noch viel mehr. Damit bringen wir Storage auf Enterprise-Level in eine Hypervisor-Umgebung, was weit über das hinausgeht, was vSAN derzeit liefert. vSAN ist ein Single-Hypervisor-Produkt, eine Storage-Plattform lässt sich aber nicht auf einem einzigen Hypervisor aufbauen. vSAN ist noch immer eine sehr junge Technologie und liefert noch nicht das, was Kunden als Minimum für Software-defined Storage auf Enterprise-Niveau erwarten.“

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