Der lange Weg in die Cloud: Concur katapultiert SAP in die Zukunft

Mitte September kündigte SAP an, die Cloud-basierte Business Software Concur zu übernehmen. Doch was bedeutet die Akquisition für den Software-Markt?

Für alle die es noch nicht mitbekommen haben: SAP hat Mitte September angekündigt, Concur zu schlucken. Für die Walldorfer ist das ein weiterer Schritt bei der Cloud-Transformation, nachdem sie 2012 bereits Ariba für 4,3 Milliarden Dollar akquiriert haben und mittlerweile zahlreiche Anwendungen, unter anderem die In-Memory-Datenbank SAP HANA (Enterprise Cloud), als Cloud-Angebot für Kunden zur Verfügung stellen. 

Der Deal scheint bereits abgesegnet, da laut SAP der Verwaltungsrat von Concur der Akquisition einstimmig zugestimmt hat. Der Abschluss der Transaktion wird für Ende 2014 oder das erste Quartal 2015 erwartet – sollten die Concur-Aktionäre und Kartellbehörden die Übernahme abnicken.

Concur-Übernahmen: kein einheitliches Look and Feel

Die Akquisition und der Kaufpreis von 8,3 Milliarden US-Dollar (6,5 Milliarden Euro) wurde von einigen Analysten allerdings mit Skepsis betrachtet. „Die Concur Aktionäre sind wohl mit der Übernahme glücklich. Ich bin mir aber nicht sicher, warum jemand anderes es sein sollte“, kommentiert Duncan Jones, Analyst bei Forrester Research, den Deal.

Jones findet daneben den Anspruch von SAP, als einziger Anbieter ein komplettes Cloud-Portfolio, (inklusive Ariba, Concur und Fieldglass) anzubieten, etwas kurios. „Warum sollte es jemanden kümmern, dass man einen kompletten Satz von Cloud-Anwendungen hat? Wer hat einen Vorteil davon, dass SAP ein komplettes Software-Portfolio bietet? Sie sind alle getrennt und haben kein einheitliches Look and Feel“, sagt Jones.

Was steckt hinter dem Deal?

Concur ist einer der führenden Anbieter von Software für das Reisekostenmanagement. Das Unternehmen bietet eine Cloud-basierte Lösung, die unter anderem Reiseabrechnungen, Flug- und Hotelbuchungen abdeckt. Damit ist Concur ziemlich erfolgreich: weltweit nutzen 23.000 Kunden mit rund 25 Millionen Anwendern die Lösung. 

Sobald die Akquisition von Concur durch SAP abgeschlossen ist, wird das Transaktions-volumen des Netzwerks mehr als 475 Milliarden Euro jährlich betragen.

Bill McDermott, CEO, SAP

Zudem wächst das Unternehmen kontinuierlich und verzeichnete im vergangen Quartal ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Dennoch ist der Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014 mit etwas mehr als 690 Millionen US-Dollar überschaubar, auch wenn sich die Erlöse seit 2011 damit annähernd verdoppelt haben. Was rechtfertigt also die Übernahmen und den Kaufpreis?

Das Interesse von SAP an Concur dürfte wohl weniger am Umsatz als vielmehr am Know-how und den Transaktionen des Geschäftsnetzwerks liegen. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein aktueller Blogbeitrag von SAP CEO Bill McDermott. „Sobald die Akquisition von Concur durch SAP abgeschlossen ist, wird das Transaktionsvolumen des Netzwerks mehr als 475 Milliarden Euro jährlich betragen – 50 Prozent mehr als die Transaktionsvolumina von Amazon, eBay und Alibaba zusammen“, schreibt McDermott. „Weitaus wichtiger als diese Zahlen ist jedoch die Bedeutung des Geschäftsnetzwerks für die Reisebranche und darüber hinaus.“

Der Beitrag des SAP CEO zeigt  deutlich, dass SAP mit den Muskeln spielt. Dafür spricht auch der Zeitpunkt der Bekanntgabe. Während SAPs größter Konkurrent Oracle wieder einmal schwache Quartalszahlen veröffentlichte und bekannt gab, dass Larry Ellison vom Posten des CEO zurücktritt, ließen es sich die Walldorfer nicht nehmen, den Deal zu präsentieren.

SAP investiert in die Zukunft

Hinter der Akquisition steckt vor allem ein Ziel. SAP möchte für jegliche Geschäftsbereiche Anwendungen bieten. Das begann mit der Übernahme von SuccessFactors und zeigte sich bei der Akquisition von Ariba und Fieldglass. Auch die Eingliederung von Ariba in das SAP-Portfolio geschah nicht von heute auf morgen. Es dauerte fast zwei Jahre bis Kunden Ariba und SAP als einheitliches Unternehmen wahrnahm. Ähnlich wird es sich mit Concur verhalten. Die Investition von 6,5 Milliarden Euro ist eine Investition in die Zukunft.

„Das Netzwerk läutet eine Zukunft ein, in der Unternehmen so miteinander verknüpft sein werden, wie wir Menschen es bereits heute sind. Es wird genauso einfach sein, Pläne, Rechnungen und Verträge auszutauschen, wie es heute ist, ein Foto mit Freunden zu teilen“, schreibt McDermott daher auch in seinem Blogbeitrag.

Mit Concur übernimmt SAP vor allem ein Netzwerk, dass die internen Prozesse von heute über die Grenzen des Unternehmens ausdeht. „Auf diese Weise lässt sich ein global vernetztes Wirtschaftsumfeld realisieren, in dem wir Komplexität verringern können, ohne auf hochwertige Arbeitsprozesse verzichten zu müssen.“ Das Ziel sei eine „barrierefreie“ Zusammenarbeit zwischen Abteilungen und Unternehmen.

Integration in sämtliche Geschäftsfelder

„SAP zieht an allen vorbei, die in diesem Bereich aktiv sind“, ist sich Holger Müller, Vice President und Principal Analyst bei Constellation Research, sicher. „Sie kaufen damit die Park Avenue des Ausgabenmanagements und monopolisieren diesen Bereich für sich. Es gibt kein zweites Ariba und es gibt kein zweites Concur.“

Als Cloud-Anwendung richtet sich Concur praktisch an jede Branche. Es bietet die Integration von Fluggesellschaften, Hotels und Reiseanbietern, so dass ein unendliches Resservoire an Geschäftstransaktionen abgedeckt werden kann, die SAP ohne Concur nicht integrieren könnte. 

Der Kaufpreis mag zwar einigen Analysten hoch erscheinen. Wenn diese sich allerdings das zugrundeliegende Netzwerk und das von McDermott angesprochene Transaktionsvolumen (von 475 Milliarden Euro!) betrachten, sind 6,5 Milliarden Euro gerechtfertigt.

SAP muss es allerdings schaffen, Concur mit vorhandenen Geschäftsanwendungen (SAP Business Suite, Fieldglass und SuccessFactors) zu integrieren. Dieser Prozess wird wie bei früheren Akquisitionen ein bis zwei Jahre in Anspruch nehmen. Dabei muss das Softwareunternehmen in erster Linie neue Märkte mit Concur erobern. 

Derzeit ist Concur nur in zehn Märkten aktiv, SAP dagegen in 190. Wenn in zwei Jahren ein einheitliches Look and Feel besteht, wie es von Jones angemahnt wird, und Concur in die von SAP bedienten Märkte eintritt, dürfte sich der Kaufpreis schnell amortisieren.

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