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Darum erlebt der Typ-2-Client-Hypervisor bald ein Comeback

Bei Client-Hypervisoren hat der Typ-1-Hypervisor ausgedient. Dank leistungsstärkerer Hardware gehört Typ-2-Hypervisoren die Zukunft.

Typ-2-Client-Hypervisoren sind vor ein paar Jahren aus der Mode gekommen, aber vielleicht waren sie auch einfach ihrer Zeit voraus. Ein Typ-2-Hypervisor wird auf einem Betriebssystem installiert und deshalb auch Hosted Hypervisor genannt, während ein Typ-1-Hypervisor direkt auf der Hardware installiert wird und deshalb auch oft als Bare-Metal-Hypervisor bezeichnet wird. Obwohl ein Typ-1-Hypervisor für gewöhnlich weniger Ressourcen benötigt und daher eine größere Anzahl virtueller Maschinen hosten kann, bieten Typ-2-Hypervisoren eine größere Flexibilität, die viele VDI-Admins heutzutage suchen. Zudem haben immer leistungsstärkere Desktops und Laptops die Benutzererfahrung mit Typ-2-Hypervisoren enorm verbessert.

2004 stellte VMware den Typ-2-Hypervisor VMware ACE vor, dem wie alle Client-Hypervisoren dieser Zeit keine große Zukunft bevorstand. Es gab die eine oder andere Nischenanwendung, aber die Hardware dieser Zeit konnte ganz einfach nicht die nötige native Benutzererfahrung liefern, wenn die virtuelle Maschine Ressourcen mit dem Host-OS teilte. Dementsprechend machten VMware ACE und andere Typ-2-Hypervisoren von Unternehmen wie MokaFive, RingCube oder Virtual Brigdes schnell Platz für Typ-1-Hypervisoren.

VMware hat sich bei Client-Hypervisoren nie auf das Bare-Metal-Spiel eingelassen. Es gab zwar die Ankündigung eines entsprechenden Produktes mit Namen CVP, es ist aber nie erschienen. Dafür gab es von verschiedenen anderen Anbietern Produkte, aber die einzigen, die wirklich Erfolg hatten, waren Virtual Computer und Citrix XenClient. Als Citrix 2012 Virtual Computer übernahm gab es schließlich nur noch ein halbwegs erfolgreiches Produkt, und das hat Citrix inzwischen offiziell abgekündigt.

Typ1-Hypervisoren sind damals aber in die gleichen Probleme gelaufen wie Typ-2-Hypervisoren: Es gab nur eine begrenzte Zahl Anwendungsfälle und die Nachfrage war nie sehr groß. Der große Nachteil von Typ-1-Hypervisoren liegt darin, dass das Aktualisieren für neue Hardware sehr aufwändig ist, wodurch man eigentlich immer sechs Monate im Hintertreffen ist. Zudem ist die Hardware heutzutage leistungsstark genug, um auch Typ-2-Hypervisoren ohne Performance-Einbuße zu nutzen.

Herausforderung 1: Patching

Die größte Herausforderung bei Typ-1-Hypervisoren sind Aktualisieren und Patching. Da ein Typ-1-Hypervisor im Grund nichts anderes als eine abgespeckte Linux-Version ist, muss man hierfür ähnlich viel Wartungszeit einplanen wie für jedes andere Betriebssystem, inklusive Support für all die Veränderungen an der Hardware. Jeder neue Prozessor, jeder neue Chipsatz und jeder andere Hardwareveränderung macht Anpassungen am Betriebssystem nötig, danach müssen ausgiebige Tests folgen – das Leben eines Typ-1-Hypervisor-Administrators wird also nie langweilig.

Im Endergebnis können Unternehmen so nie darauf zählen, dass ein Bare-Metal-Hypervisor problemlos mit neuer Hardware funktioniert. Business As Usual ist damit kaum möglich, weil Projekte nur zu oft verzögert oder ganz aufgegeben werden. Ein Typ-2-Hypervisor hat diese Probleme nicht, weil er als Applikation auf einem Betriebssystem installiert wird und damit wesentlich weniger anfällig für Hardwareänderungen ist.

Herausforderung 2: Hardware

Typ-2-Hypervisoren wie VMware ACE, der auf VMware Workstation aufbaut, bieten demgegenüber einen großen Vorteil gegenüber Typ-1-Hypervisoren: Sie können überall ausgeführt werden. Typ-2-Hypervisoren stützen sich hierzu auf das Host-Betriebssystem als Verbindungsschicht zur Hardware, damit muss lediglich sichergestellt werden, dass der Hypervisor auf Windows, Linux oder MacOS läuft. Natürlich muss der Hypervisor weiterhin mit Patches versorgt werden, aber der Hardwaresupport obliegt dann dem Host-Betriebssystem.

Auf den ersten Blick hört sich das natürlich sehr gut an, aber gerade in der Anfangszeit war die Performance von Laptops und Desktop-Systemen einfach nicht stark genug, um virtuelle Maschinen mit ausreichend Leistung bereitzustellen. Typ-2-Hypervisoren müssen die Hardware emulieren, während Typ-1-Hypervisoren direkt Zugriff auf die physische Hardware bieten. Zumindest früher reichte die Performance von Hosted-Hypervisoren daher bei Weitem nicht an die von Bare-Metal-Hypervisoren heran.

Die bessere Alternative: Typ-2-Hypervisoren

Das alles hat sich aber inzwischen grundlegenden geändert. Mittlerweile bieten Laptops und Desktops genügend Power, um virtuelle Maschinen ohne Performance-Einbußen auch auf Typ-2-Hypervisoren auszuführen. Zudem emulieren heutige Typ-2-Hypervisoren Hardware besser und ermöglichen sogar den direkten Zugriff darauf, was die Nutzererfahrung deutlich verbessert. Fügt man dann noch die bestehenden Vorteile hinzu (das Weiternutzen des bestehenden Betriebssystems, dessen gewohnte Benutzeroberfläche und die Möglichkeit der Installation auf privaten oder Freelancer-Geräten), dann erkennt man schnell, wie weit Typ-2-Hypervisoren inzwischen im Vorteil sind.

In der Vergangenheit mussten wir uns zwischen Usability (Typ 1) und Einfachheit (Typ 2) entscheiden, heute gilt das nicht mehr. Die Zeiten des Typ-1-Client-Hypervisors dürften damit vorbei sein, immerhin hat Citrix den Verkauf von XenClient eingestellt und VMware mit Horizon FLEX ein Produkt angekündigt, das VMware ACE sehr ähnelt.

All das passiert übrigens in einer Zeit, in der sich auch die Art ändert, wie wir Windows-Rechner verwalten. Das Konzept einer über EMM-Techniken (Enterprise Mobility Management) verwalteten Windows-Umgebung nimmt immer mehr Form an. In der Zukunft könnte eine Folge davon sein, Client-Hypervisoren für einfach zu verwaltende Dual-Persona-Szenarien einzusetzen.

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