VMware NSX wird die Rolle des Netzwerk-Administrators verändern. Sind Sie bereit?

VMware NSX wird die Rolle der Netzwerk-Administratoren verändern. Virtualisierung treibt den Trend zum allgemeinen Data-Center-Admin voran.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Kontakt mit VMware ESX? Vielleicht sind Sie über VMware Workstation oder VMware GSX Server zu VMwares Flaggschiff gekommen. Meine erste Installation war 2003 und die damalige Version ESX 2.0. Dieses Ereignis hat meine Weltanschauung hinsichtlich Technologie verändert. Vergessen Sie Betriebssysteme. ESX kam direkt nach dem BIOS. ESX war sein eigenes Universum. Die Technologie funktionierte, da Betriebssysteme nicht wirklich mit der Hardware umgehen konnten. Netzwerk-Virtualisierung hat Flexibilität und geringere Kosten mitgebracht. Seit dieser Zeit hat ESX unsere Arbeit nachhaltig beeinflusst, die IT-Organisation und die Rolle der Mitarbeiter im Data Center verändert. Nun wird VMware NSX ähnliche Änderungen im Bezug auf Netzwerk-Administration mit sich bringen.

Die Rollen im Data Center haben sich verändert

Alleine durch vCenter hat VMware ein Kontroll-Ökosystem geschaffen, dass die Rolle der Administratoren im Data Center nachhaltig verändert hat. Mit wenigen Administratoren können Sie tausende von virtuellen Maschinen (VM) domptieren. Zudem wurden damit Abteilungen homogenisiert. Verschiedene Technologie-Spezialisten sind zu einem Pool aus allgemeinen Data-Center-Fackkräften verschmolzen. Bis heute waren die Netzwerk-Administratoren von diesem Übergang nicht betroffen. Sie sind die Einheit, die komplexe Probleme hinsichtlich Services direkt an den Leitungen lösen können. Allerdings sind sie noch nicht zum Pool der allgemeinen Data-Center-Spezialisten zu zählen.

NSX wird das ändern. Physikalische Router und Switches werden nach und nach durch einfache Kanäle abgelöst, durch die verschiedene Tunnel an virtuellen Netzwerken fließen. Sobald dieser Umschwung abgeschlossen ist, werden die traditionellen Netzwerk-Skills für das Tagesgeschäft immer unbedeutender. Dieser Umstand gilt nicht nur für Vmware-Umgebungen. Das Gleiche gilt auch für Microsofts Äquivalent (Hyper-N?) und ähnliche Produkte.

VMware NSX bahnt sich seinen Weg

Vor langer Zeit musste man sich mit bizarren Token-Ring-Buchsen, SCSI-Verbindungen und Ethernet-Anschlüssen für Desktops beschäftigen. Somit hatten Unternehmen mit einer gewissen Größe einen eigenen „Strippenzieher“ im Haus. Um ausgelastet zu sein, hatte dieser meist noch andere Aufgaben. Doch es gab immer etwas zu reparieren und auch Schaltschrank-Wochenenden waren nicht unüblich. Durch die Virtualisierung von Systemen ist die Rolle ausgestorben.

Diese Änderungen betrafen Layer-2- und Layer-3-Administratoren bisher nicht. Aber auch dies wird sich ändern. NSX wird die Verwaltung von Layer 2 und Layer 3 unter die Kontrolle der Appikations- und Server-Administratoren stellen. VMware vCloud Networking and Security war bisher auf Layer 4 bis 7 limitiert. Niciras Network Virtualization Platform wird auch in den Bereich vCenter-Management fallen und damit die Kontrolle über Layer 2 und 3 erhalten. Die Grundkonfiguration und gelegentliche Wartung der physikalischen Netzwerkressourcen wird man weiterhin brauchen. Aber hier verhält es sich wie beim Anschluss-Techniker, der zwar spezialisiert ist, aber keinen Schreibtisch mit dem Rest des Data-Center-Teams teilt.

Natürlich wird es noch eine ganze Weile Arbeit außerhalb des Data Centers geben. Aber sogar Cisco hat SDN-Ambitionen. Somit müssen sich auch die CLI-Puristen (Command Line Interface) damit abfinden, dass SDN unweigerlich kommt.

Netzwerk-Administratoren müssen sich neu orientieren

Dafür dürfen Sie nicht auf der Stelle treten, sondern müssen sich mit dem Gedanken anfreunden. Als Server-Virtualisierung in unser Leben trat, gab es kein Zurück mehr. Auch in Sachen virtuelles Netzwerk wird es Konsolidierung geben, was zwangsweise zu weniger Administratoren führt. Erschwerend kommt hinzu, dass Ihnen Applikations- und Server-Administratoren etwas Voraus haben. Auch wenn NSX ein neues Netzwerk-Werkzeug ist, können sie auf jahrelange Erfahrung mit Virtualisierungs-Technologien und speziell mit VMware-Produkten zurückblicken. Als Minimum sollten Sie sich eine Zertifizierung „VMware Certified Associate – Network Virtualization“ (VCA-NV) in den Lebenslauf schreiben, damit es Ihre Bewerbung zumindest in die engere Auswahl schafft.

Sollte Sie jemanden fragen, ob Sie ein echter „Crack“ sind, beantworten Sie das mit „Ja!“. Applikations-Admins sind nicht scharf darauf, die Komplexität virtueller Kontroll-Ebenen zu durchforsten, um BUM-Flooding-Probleme (Broadcast Unknown unicast and Multicast) zu beheben. Das Gleiche gilt für das Debuggen von MAC-Address-Mapping. Theoretisch sind dies Problemzonen, die in der Virtualisierungsschicht verschwinden. Wir wissen aber auch, dass Spanning Trees (STP) und Routing-Tabellen zu korrekt konfiguriertem physikalischen Equipment gehören. Auch mit der Einführung von SDN im Data Center werden erfahrene Netzwerk-Administratoren weiterhin gebraucht. Die mit physikalischen Geräten verbrachten Jahre helfen Ihnen, die gewonnene Netzwerk-Expertise auf das virtuelle Gegenstück zu übertragen.

Über den Autor: Patrick Hubbard ist Head Geek und Senior Technical-Product Marketing Manager bei SolarWinds. Er bringt 20 Jahre technische Erfahrung und Perspektiven von IT-Kunden mit. Seine Netzwerk-Management-Erfahrung hat er in Data Centern, Storage-Netzwerken, im Umgang mit VoIP und Virtualisierung gewonnen. Sein Fokus lag dabei auf die Auslieferung von Applikationen und Services. Patrick hat sowohl für Fortune-500-Firmen als auch Startups gearbeitet. Die Unternehmen waren in den Bereichen High-Tech, Transport, Finanzdienstleistungen und Telekommunikation angesiedelt. Sie erreichen ihn unter Patrick.Hubbard@solarwinds.com.

Erfahren Sie mehr über LAN-Design und Netzwerkbetrieb

- GOOGLE-ANZEIGEN

ComputerWeekly.de

Close