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SEO, GEO und KI-Agenten: Was ist die Zukunft der Suche?

Die Art, wie wir im Internet nach Informationen suchen, steht vor einem großen Umbruch. Doch die Annahme, KI-Tools machen Websites überflüssig, greift zu kurz.

Wenn die Antwort künftig direkt aus ChatGPT, Perplexity oder der Google AI Overview kommt, wozu brauche ich dann überhaupt noch eine klassische Website? Diese Frage treibt derzeit viele Unternehmen um. Die Sorge dahinter ist nachvollziehbar: Wenn Nutzer weniger klassische Suchanfragen stellen, sondern eher auf KI-Antworten setzen, scheint das Geschäftsmodell der Website zu bröckeln. Doch wer glaubt, die eigene Webpräsenz sei nun verzichtbar, begeht einen strategischen Fehler.

Es stimmt: die Art und Weise, wie Menschen auf Informationen zugreifen, verändert sich fundamental. Aber die eigene Website als unverzichtbare Infrastruktur bleibt bestehen und wird in ihrer Bedeutung sogar noch zentraler. Dafür gibt es drei Argumente.

1. Hohe Investitionen in Browser

Ein klares Signal für Websites ist das Investitionsverhalten der großen Player der KI-Zukunft. Wir beobachten massive Kapitalströme der zentralen Akteure. Perplexity setzt auf den selbstentwickelten Comet-Browser, der seit Oktober für alle User frei verfügbar ist. Startups wie The Browser Company sammeln dreistellige Millionenbeträge ein, um das Surfen neu zu erfinden. Und da ist nicht zuletzt Google, das die Gemini-Modelle tief in den Chrome-Browser einbindet.

Die Logik dieser Investoren ist klar: Sie wetten nicht darauf, dass das Internet als Struktur verschwindet. Sie wetten darauf, dass es komplexer wird und wir bessere Werkzeuge brauchen, um es zu bedienen. Die Grundfunktion eines Browsers ist die Bedienung des Internets. Ob diese Bedienung durch einen Menschen erfolgt, der klickt, oder künftig durch einen KI-Agenten, der für den Menschen navigiert, ist zunächst zweitrangig.

2. Das Datendilemma

Das zweite Argument ist die technische Abhängigkeit der KI-Modelle vom offenen Web. Large Language Models (LLMs) benötigen kontinuierlich neue Trainingsdaten. Ein Großteil dieser Daten stammt aus dem Crawling des offenen Internets. Hören Unternehmen auf, Inhalte auf eigenen Webseiten zu publizieren, trocknet diese Quelle aus. Die Forschung nennt das Modellkollaps: Wenn KI nur noch von KI-generierten Inhalten lernt, sinkt die Qualität der Modelle rapide. Das Interesse, das Ökosystem Website zu fördern, dürfte vor dem Hintergrund groß sein.

3. Digitale Souveränität: Owned Media als Schlüssel

Lassen wir die Technologie beiseite und blicken auf die Marke. In einer Welt, in der Gatekeeper (früher Google, jetzt zunehmend LLMs) den Zugang zu Kunden steuern, ist die eigene Website der einzige Ort echter digitaler Souveränität.

Ohne eigene Plattform sind Unternehmen komplett davon abhängig, wie ein Algorithmus ihre Marke interpretiert, ohne die Möglichkeit der Korrektur. Gerade weil KI-Inhalte immer noch halluzinieren oder verzerren, wird die verifizierte Quelle, die Corporate Website, an Wert gewinnen.

Marcel Knopf, Onepage AI

„Während SEO das Fundament für klassische Suchmaschinen bildet, ist GEO die direkte strategische Antwort auf die Funktionsweise von Large Language Models. Das Ziel ist hier nicht mehr Platz 1 in einer Liste, sondern die Nennung als Quelle, Beispiel oder Empfehlung in der Antwort von ChatGPT, Gemini und Co.“

Marcel Knopf, Onepage AI

Von der Theorie zur Praxis

Für Webseitenbetreiber ergibt sich daraus eine herausfordernde Situation. Wir befinden uns in einer dynamischen technologischen Übergangsphase. Domain-Inhaber müssen die klassische Suche bedienen, die heute den Umsatz bringt (Stichwort: Search Engine Optimization, SEO), sich in den Antworten der KI-Anbieter positionieren (Stichwort: Generative Engine Optimization, GEO) und die Infrastruktur auf die autonomen Agenten von morgen vorbereiten (Agentic Readiness). Für diese Transformation braucht es einen klaren Fahrplan.

Die Pflicht: SEO bleibt das Fundament

Auch wenn KI-Tools rasant wachsen, beginnt die Customer Journey für die Mehrheit der Nutzer heute immer noch mit einer klassischen Suchanfrage. Die etablierten Ranking-Faktoren bleiben entscheidend mit Blick auf die Sichtbarkeit. Wer die Basis noch nicht gefestigt hat, muss hier ansetzen. Dabei verschieben sich die Prioritäten:

  • Technische Exzellenz und Crawlbarkeit: Eine saubere Informationsarchitektur und interne Verlinkung sind Pflicht. Da KI-Browser und Suchmaschinen Performance-hungrig sind, werden Core Web Vitals (Ladezeit, Stabilität) noch wichtiger. Langsamer Code ist für Crawler teuer und wird ignoriert.
  • Von Keywords zu Jobs to be done: Content muss Szenarien von Problemlösungen bedienen. Fragen Sie nicht: Welches Keyword hat Volumen?, sondern: Welches Problem will der Nutzer (oder die KI) hier lösen?
  • Fokus auf Qualität: Der Trend geht weg von aufgeblähten Riesenportalen hin zu fokussierten Landingpages und Micro-Conversions (zum Beispiel direkte Terminbuchung, Webinar-Anmeldung). Jede Seite muss einen klaren Zweck erfüllen.

Heute schon angehen: Generative Engine Optimization (GEO)

Während SEO das Fundament für klassische Suchmaschinen bildet, ist GEO die direkte strategische Antwort auf die Funktionsweise von Large Language Models. Das Ziel ist hier nicht mehr Platz 1 in einer Liste, sondern die Nennung als Quelle, Beispiel oder Empfehlung in der Antwort von ChatGPT, Gemini und Co. GEO ist dabei kein Ersatz für SEO, sondern eine neue Ebene der Aufbereitung:

  • Zitierfähigkeit herstellen: KIs brauchen Struktur. Formatieren Sie Inhalte so, dass sie leicht extrahiert werden können. Nutzen Sie klare Listen, Vergleichstabellen und Definitionen. Ein fließender Prosatext ist schwerer zu erfassen als eine übersichtliche Tabelle mit Fakten.
  • Reputation: KI-Modelle versuchen, Halluzinationen zu vermeiden, indem sie sich an vertrauenswürdigen Quellen orientieren. Bauen Sie Ihre Marke als solche auf. Das gelingt durch Konsistenz der Firmendaten im Netz, Autorenprofile mit echter Expertise und Erwähnungen (Co-Occurrence) in anderen Fachmedien.
  • Monitoring und Robots.txt: Prüfen Sie aktiv: Was antwortet ChatGPT heute über Ihre Marke? Wo fehlen Informationen? Entscheiden Sie zudem bewusst über wichtige Dateien wie robots.txt: Wie viel Zugang gewähren Sie AI-Crawlern? Es ist eine Gratwanderung zwischen Sichtbarkeit und dem Schutz des eigenen geistigen Eigentums.

Ausblick: Agentic Readiness

Hier schließt sich der Kreis zu den Browser-Investments der Big-Tech-Firmen. In naher Zukunft wird nicht mehr der Mensch Ihre Seite besuchen, um ein Produkt zu kaufen, sondern möglicherweise ein KI-Agent. Das Szenario: Buche mir einen Termin beim Friseur oder Vergleiche Preise für CRM-Systeme und fordere eine Demo an. Ist Ihre Website bereit für diesen Besucher?

  • Klare URL-Architektur: Ihre URLs und Pfade müssen stabil und logisch sein. Ein Agent scheitert an dynamischen, sich ständig ändernden URL-Parametern.
  • Formular-Design für Bots: Wir haben Jahre damit verbracht, Formulare für Menschen zu designen. Jetzt müssen sie für Maschinen eindeutig sein. Klare Labels und semantisches HTML sind entscheidend. Wenn ein Agent nicht zweifelsfrei erkennt, welches Feld für die E-Mail-Adresse und welches für die Nachricht ist, bricht er den Vorgang ab.
  • APIs als Web-Erweiterung: Denken Sie darüber nach, bestimmte Funktionen (Buchung, Abfrage) direkt als Schnittstelle bereitzustellen. Die Website der Zukunft ist für den Menschen ein visuelles Erlebnis und für den Agenten eine strukturierte Datenbank.

Das Comeback der eigenen Plattform

Die Diskussion Website vs. KI greift zu kurz, denn es gibt kein Entweder … oder. Die Website entwickelt sich vom digitalen Schaufenster zur zentralen Datenschnittstelle für das KI-Zeitalter. Unternehmen, die jetzt in ihre eigene Webpräsenz investieren, sichern sich ihre Unabhängigkeit. Denn egal, ob der Besucher der Zukunft Augen hat oder aus Code besteht: Er braucht einen verlässlichen Ort, an dem er an Informationen gelangt.

Über den Autor:
Marcel Knopf ist Gründer und CEO von Onepage AI.

Die Autoren sind für den Inhalt und die Richtigkeit ihrer Beiträge selbst verantwortlich. Die dargelegten Meinungen geben die Ansichten der Autoren wieder.

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