Interview mit Rolf Braun, CEMA AG: Die Art der Virtualisierung wird sich ändern

CEMA-Vorstand Rolf Braun erklärt im Interview, wie sich Geschäftsmodelle durch die zunehmende Virtualisierung ändern und welche Chancen darin liegen.

Seit der Gründung 1990 hat sich die CEMA AG auf IT-Netzwerke und -Infrastruktur spezialisiert. Heute ist die CEMA an zehn deutschen Standorten u.a. in den Bereichen Virtualisierung, Cloud, IT-Infrastruktur, Server- und Daten-Management sowie Client-Management und Mobility aktiv. Rolf Braun ist Diplom-Informatiker und als COO im Vorstand der CEMA AG.

Herr Braun, als Vorstand und COO der CEMA AG dürften Sie einen fundierten Überblick über die hiesige IT-Landschaft haben, wie steht es also um die Virtualisierung in Deutschland?

„Die Art der Virtualisierung wird sich ändern,“ so Rolf Braun, Vorstand der CEMA AG. Bild: CEMA AG

Rolf Braun: Während Virtualisierung früher vor allem testweise in nicht-produktiven Geschäftszweigen eingesetzt wurde, findet sie heute ganz selbstverständlich auch in produktiven Umgebungen statt. Virtualisierung ist heutzutage für eine wettbewerbsfähige IT-Effizienz enorm wichtig! Es  gibt fast kein Unternehmen mehr, das nicht in irgendeiner Weise auf Virtualisierung setzt. Entscheidend für den Beitrag zur Kosteneinsparung ist dabei der Grad der Virtualisierung.

Egal ob Desktops, Applikationen, Netzwerke oder Storage – fast alle Komponenten eines Data Centers lassen sich inzwischen virtualisieren. Haben wir damit das technologisch Machbare ausgereizt?

Rolf Braun: Rein technologisch betrachtet vielleicht. Ein kleines Beispiel: Wir haben mit der CEMA AG vor einigen Jahren die Konstruktionssoftware CATIA virtualisiert, konnten aber ein zentrales Element nicht virtualisieren, nämlich die Grafikkarte. Inzwischen ist das möglich und wir bieten mit NVIDIA eine entsprechende Lösung an.  Daher lässt sich natürlich schwer vorhersagen, ob wir den heutigen Stand nicht in wenigen Monaten schon überholen.

Ganz sicher aber wird sich die Art der Virtualisierung ändern. Während aktuell eher einzelne Komponenten virtualisiert werden, beispielsweise Server, geht der Trend hin zur Virtualisierung ganzer Prozesse. Software-defined-Data-Center ist hier das Stichwort: nicht mehr nur der einzelne Server wird virtualisiert, sondern auch die damit zusammenhängenden Prozesse wie darauf aufsetzende Applikationen, SAN-Anbindung etc. Das ist heute schon möglich, wird aber noch kaum genutzt. Bis das technisch Machbare also tatsächlich in Unternehmen ankommt, vergeht naturgemäß viel Zeit.

Virtualisierung bringt ja auch einen enormen Wandel bisheriger Geschäftsmodelle mit sich. Haben Sie Bedenken, dass Ihnen beispielsweise Microsoft mit SQL Azure oder mit dem direkten Vertrieb von Office 365 das Wasser abgräbt?

Rolf Braun: Nein, ganz und gar nicht. Jede Zeit hat ihre Berechtigung, mit den dazugehörigen Technologien und den entsprechenden Geschäftsmodellen. Aber genauso müssen sich Geschäftsmodelle auch wiederum an neue Technologien anpassen. Man kann unzufrieden damit sein, dass Microsoft mit SQL Azure einen Dienst anbietet, der früher durch lokal von uns oder anderen Anbietern installierte Server abgedeckt wurde. Oder aber man passt sich und sein Geschäftsmodell zukunftsweisend an. Das hat im Übrigen nichts mit Virtualisierung per se zu tun: Umbrüche gab es in der IT schon immer. Denken Sie nur an die Ablösung von Großrechnern durch Client-Server-Architekturen.

Das heißt es macht Ihnen nichts aus, dass potenzielle Kunden IT-Services an Cloud-Provider auslagern, statt zu Ihnen zu kommen?

Rolf Braun: SQL Azure alleine, um bei Ihrem Beispiel zu bleiben, bringt Ihnen ja nichts. Für ein Test-System mag das OK sein, aber was ist mit daran angebundenen CRM-oder E-Mail-Systemen? Es gibt viele Kunden, die damit in Verbindung stehende Systeme nicht hochstandardisiert von großen Konzernen einfach nur kaufen wollen, sondern individuell zugeschnittene Angebote benötigen – gerade das können wir mit der CEMA AG und unserer großen Erfahrung in vielen Branchen bieten.

Zudem ist es ja so, dass die CEMA AG mit der Tochter CEMA IT Services auch als deutscher mittelständischer Cloud Service Provider agiert und spezifische Dienste – wie Online Backups oder Managed Services – „made in Germany“ anbietet. Das spricht viele Kunden an, die auf Datensicherheit und Dienstleistungsqualität großen Wert legen.

Uns geht es um die IT als „Enabler“, um den Mehrwert. Die Zukunft der Systemhäuser sehe ich in ihrer Beratungskompetenz und Unabhängigkeit. Kunden brauchen nicht immer ein Standard-Portfolio, sondern den richtigen Mix aus Private, Hybrid und Public Cloud. Wer weiß beispielsweise bei großen Anbietern schon genau, wo seine Daten im Einzelnen eigentlich liegen? Diese Frage kann fast niemand aus dem Stand beantworten. Ein Systemhaus wie die CEMA AG aber kann zusammen mit Kunden individuelle Konzepte erarbeiten, in denen genau diese Fragen geklärt werden – auf Wunsch selbstverständlich auch mit Einbezug großer Cloud-Anbieter.

Herr Braun, vielen Dank für das Gespräch.

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