Business-Intelligence-Markt von Finanzkrise unbeeindruckt

Der allgemeine wirtschaftliche Abschwung wird den Markt für Business-Intelligence(BI)-Software wahrscheinlich weniger hart treffen als andere Märkte.

Der allgemeine wirtschaftliche Abschwung wird den Markt für Business-Intelligence (BI) -Software wahrscheinlich weniger hart treffen als andere Märkte. So ist zwar auch der BI-Markt vor den negativen Einflüssen der Rezession nicht immun. Aber zahlreiche Argumente sprechen dafür, dass es für BI-Applikationen weiterhin eine hohe Nachfrage geben wird und somit BI-Anbieter schlimmstenfalls mit stagnierenden Umsätzen rechnen müssen.

Die heute gestartete Jahreskonferenz des Business Application Research Center (BARC) „Business Intelligence – Software für Reporting, Analyse und OLAP im direkten Vergleich“ mit 17 Lösungsanbietern kann mit über 230 Teilnehmern einen Besucherrekord verzeichnen. „Da sich auf unserer Tagung fast ausschließlich Unternehmen informieren, die konkreten Investitionsbedarf in BI-Software haben, ist die Teilnehmerzahl der Veranstaltung eine Art Konjunkturbarometer. Gerade in wirtschaftlich turbulenten Zeiten steht das Thema Steuerungsfähigkeit von Unternehmen ganz oben auf der Verbesserungs- und Investitionsliste.“ meint Dr. Carsten Bange, Geschäftsführer von BARC.

Folgende Argumente sprechen gegen einen negativen Einfluss rezessiver wirtschaftlicher Phasen auf die Umsatzentwicklung von BI-Softwareanbietern:

  1. In Krisenzeiten ist eine Erhöhung der Steuerbarkeit von Unternehmen durch bessere Informationsversorgung für Entscheidungsträger sowie Analysen von Schwachstellen oder Einsparpotenzialen interessant oder sogar überlebenswichtig.
  2. Business-Intelligence-Software erhöht die Qualität von Management-Prozessen und soll zur Effizienzsteigerung in dispositiven Prozessen, z.B. der Planung, führen. Projekte zur Effizienzsteigerung und Kosteneinsparung gerade in administrativen Bereichen haben in schlechteren wirtschaftlichen Zeiten Konjunktur.
  3. Für Business-Intelligence-Software ist eine Marktsättigung insbesondere bei mittelständischen Unternehmen noch nicht erreicht. Die BARC-Marktstudie „Business Intelligence im Mittelstand“ (2007) hat gezeigt, dass erst 50% der mittelständischen Unternehmen BI einsetzen.
  4. Viele Business-Intelligence-Projekte werden als Einführung von punktuellen Controlling-, Planungs- oder Risk-Management-Lösungen durchgeführt. Diese sind weniger anfällig für Investitionsstopps als Großprojekte wie beispielsweise ERP-Einführungen.
  5. Viele Unternehmen wissen heute, wie wichtig BI-Software ist (vgl. Gartner CIO Survey). Die oben aufgeführte Investitionsneigung für BI-Software auch in Krisenzeiten führt zu weiteren Einführungen und Erweiterungen von Lösungen.
  6. Der historische Vergleich mit der letzten Rezession: Im Zeitraum 2001-2002 kam es ebenfalls zu stagnierenden Umsätzen bei BI-Herstellern, allerdings nicht zu vergleichen mit den Umsatzrückgängen der allgemeinen IT- und Softwareanbietern. Der Umsatz der BI-Anbieter war wesentlich krisenresistenter. Die beobachtete Entwicklung war bei kleineren lokalen Anbietern sogar häufig deutlich besser (weiterhin zweistellige Wachstumsraten) als bei den in der Abbildung dargestellten weltweit agierenden Marktführern.

Argumente für einen negativen Einfluss rezessiver wirtschaftlicher Phasen auf die Umsatzentwicklung von BI-Softwareanbietern:

  1. Durch die enge Verflechtung wirtschaftlicher Transaktionen wird so gut wie jede Branche von einer gesamtwirtschaftlichen Schwächeperiode getroffen. Unternehmen senken ihre IT-Budgets und streichen oder verschieben Software-Einführungsprojekte.
  2. Höhere Kostensensibilität auf Käuferseite in schlechten Zeiten gekoppelt mit unsicheren oder schlechteren Verkaufsprognosen auf der Verkäuferseite führt zu niedrigeren Marktpreisen und damit insgesamt zu geringeren Umsätzen der Anbieter.

Das Übergreifen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft und eine damit einhergehende wirtschaftliche Abschwächung ist inzwischen sehr wahrscheinlich. Auch wenn das Ausmaß der Abschwächung noch nicht klar ist, wird sich auch der BI-Softwaremarkt der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung trotz einer gewissen Krisenresistenz nicht entziehen können. Aus unserer Sicht sind die Auswirkungen allerdings begrenzt, weshalb das wahrscheinlichste Zukunftsszenario für die meisten BI-Softwareanbieter eine Stagnation des Umsatzes, aber kein Umsatzrückgang, ist.

Über den Autor:

Dr. Carsten Bange ist geschäftsführender Gesellschafter des Business Application Research Centers (BARC). Er ist seit mehr als 10 Jahren für nationale und internationale Unternehmen verschiedenster Branchen und Größen im Rahmen der Strategie- und Architekturberatung, Werkzeugauswahl und Qualitätssicherung in Business-Intelligence- und Datenmanagement-Projekten tätig. Als neutraler Beobachter des Softwaremarktes ist er ein häufiger Redner bei Tagungen und Seminaren sowie Autor zahlreicher Fachpublikationen und Marktstudien.

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