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SAP ERP auf Linux: Ein Use Case von Carnation Auto

Darstellung der Implementierung von SAP auf Linux bei Carnation Auto, einem indischen Anbieter von Automobildienstleistungen.

Carnation Auto ist ein Anbieter von Automobil-Dienstleistungen für unterschiedliche Marken. Das Unternehmen wurde von Jagdish Khattar, dem früheren Managing Director und CEO von Maruti Suzuki, gegründet.

Nach Gründung des Betriebs im Januar 2008 ging das Unternehmen im März 2009 offiziell an den Markt. Mittlerweile hat es 18 Zweigstellen und damit fast ein gesamtindisches Netzwerk. Um derartiges Wachstum zu steuern, brauchte Carnation eine verlässliche IT-Infrastruktur – und SAP auf Linux erschien als eine vielversprechende Lösung dafür.

„Wir gründen jeden Monat im Durchschnitt zwei neue Niederlassungen. Deshalb wollten wir eine Anwendung mit guten Prozessen, die in der Lage ist, dieses räumlich verteilte Geschäft zu steuern. Sie musste für zentrale Übersicht sorgen, damit wir alle Vorgänge möglichst eng überwachen können“, berichtet Mohit Agarwal, der CIO des Unternehmens.

Mit der Unterstützung des Managements begann das IT-Team von Carnation mit der ERP-Evaluierung. Gesucht wurde eine ERP-Lösung für die besonderen Anforderungen eines Start-ups, wichtige Faktoren dabei waren Performance, Administration, Skalierbarkeit und Kosten für die Realisierung. Am Ende fiel die Entscheidung auf SAP. Die als SAP Business Suite bekannten Anwendungen bestehen aus Dealer Business Management (DBM), Business Intelligence, Customer Relationship Management (CRM), Rechnungswesen, Human Resources und Material-Management.

Laut Agarwal sah das gesamte Management-Team die SAP-Einführung als strategische Initiative mit langfristigen Vorteilen an. „Die Akzeptanz innerhalb des Managements war enorm, weil wir alle wussten, dass SAP uns mit exakt der technologischen Infrastruktur versehen konnte, die uns weiteres Wachstum ermöglichen würde.“

Der Einstieg: SAP auf Red Hat Linux

Sobald das Carnation-Team SAP als Lösung ausgewählt hatte, drehte sich die nächste Entscheidung um die Auswahl des richtigen Betriebssystems. Im Laufe dieser Evaluierung begutachteten Agarwal und sein Team verschiedene auf dem Markt verfügbare Systeme, die auf Unix und Linux basierten.

Für Carnation als Start-up lag der Fokus auf möglichst niedrigen Betriebskosten. Diese sollten über den Einsatz von SAP auf Linux oder Unix erzielt werden. Nach Abwägung diverser Optionen entschied sich das Unternehmen für die Red Hat Enterprise Linux Advanced Platform, da diese die Anforderungen bestmöglich erfüllte – insbesondere im Hinblick auf die Virtualisierung von Servern, die dem Unternehmen besonders wichtig war.

Die Skalierbarkeit von SAP und Linux war eine der Hauptanforderungen. Wir haben im September 2009 mit nur 30 Benutzern begonnen, und nach nur vier Monaten lagen wir schon bei fast 400 Benutzer-Lizenzen,
Mohit Agarwal, CIO, Carnation Auto

„Die Skalierbarkeit von SAP und Linux war eine der Hauptanforderungen, die Red Hat erfüllt hat. Wir haben im September 2009 mit nur 30 Benutzern begonnen, und nach nur vier Monaten lagen wir schon bei fast 400 Benutzer-Lizenzen. Außerdem sind wir – ausgehend von einem einzigen Standort – auf 18 Standorte gewachsen. Unser Wachstum verlief also relativ abrupt“, berichtet Agarwal.

Der Startschuss für die Implementierung von SAP auf Linux fiel im Mai 2009. Im September desselben Jahres gingen die ersten drei Standorte in den Live-Betrieb, inzwischen sind alle 18  versorgt. Die Implementierung geschah in zwei Phasen.

In der ersten Phase ging es um die Einrichtung aller grundlegenden Transaktionen. Dazu gehörten der Wartungsbetrieb im Dealer-Management-System des Unternehmens, die Materialwirtschaft, das Supply Chain Management (SCM), das Organisations- und Personal-Management sowie das Rechnungswesen. Derzeit befindet sich Carnation in der zweiten Phase des Projekts, in der die übrigen Module von DBM für das Geschäft mit neuen wie gebrauchten Autos in den Roll-out gehen. Multi-Ressource Scheduling ist ebenfalls Bestandteil von Phase zwei; es soll dem Unternehmen eine Echtzeitplanung bei kritischen Teilen für die Wartung ermöglichen.

Aktuell ist das IT-Team von Carnation klein. „Als Teil des Implementierungsprozesses von SAP auf Linux haben wir ein Kernteam aus Vertretern aller Funktionsbereiche zusammengestellt, die einen Beitrag zur Definition der geschäftlichen Anforderungen leisten sollten“, erklärt Agarwal. „Außerdem hat uns unser strategischer Outsourcing-Partner TCS bei Hardware, Software und auch beim Roll-out von SAP auf Linux unterstützt. Wir haben im Durchschnitt 20 Benutzer pro Standort, und jeder davon wurde in der Nutzung der Software geschult.“

Carnation ist das erste Unternehmen in Indien, das dieses Modul in solch einem großen Umfang implementiert hat. Die Unterstützung durch die Technologie-Partner spielte dabei eine Schlüsselrolle. HP hat die gesamte Hardwareausstattung auf Frontend-Seite bereitgestellt, die Empfehlung für SAP auf Linux kam von TCS, das auch ein Kompetenzzentrum für das SAP-Produkt DBM betreibt.

Probleme mit SAP auf Linux

Laut Agarwal gab es eine Reihe von Problemen, bevor Carnation mit der Implementierung von SAP auf Red Hat Enterprise Linux beginnen konnte. Diese waren allerdings schnell zu lösen. „Seitdem wurden wir mit keinerlei weiteren Problemen konfrontiert und arbeiten inzwischen seit sieben Monaten auf dieser Plattform. Unsere Umgebung war etwas komplex, weil wir Dinge wie Server-Partitionierung und Clustering umsetzen wollten. Durch die Probleme gab es eine Lernkurve für alle Beteiligten. Ich würde sie als eine Art Schluckauf beim  Projektstart bezeichnen“, sagt Agarwal.

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Weiter verweist er darauf, dass bei Carnation als Start-up keine Altsysteme vorhanden waren, weshalb es bei dem SAP-Projekt auch keinerlei Probleme mit Change-Management gegeben habe. Andererseits: „Das Geschäftsmodell, das noch in der Weiterentwicklung war, und das schnelle Wachstum waren durchaus Herausforderungen, die es zu bewältigen galt. Unsere Geschäftsmodelle werden sich auch weiterhin ändern, damit sie mit den geschäftlichen Anforderungen Schritt halten. Das müssen wir entsprechend umsetzen.“

Neben SAP auf Linux implementiert Carnation derzeit auch LDAP und eine Mailing-Lösung auf Linux-Basis. „Wir haben ein Konzept, das sich 'Werkstatt auf Rädern' nennt. Dabei kommt ein Transporter vor Ihre Haustür, und unsere Leute warten Ihr Auto vor Ort“, berichtet Agarwal weiter. Aktuell werde eine mobile Lösung dafür gesucht. Die soll mit den Systemen im Back-End wie SAP kommunizieren, um die Transporter zu verfolgen und vor Ort Rechnungen ausschreiben und Aufträge entgegennehmen zu können.

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