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Internes Hosting von Oracle Fusion Applications verlangt enormes Know-How

Die Entscheidung der Hosting-Methode (In-House oder Remote) von Oracle Fusion Applications bedarf einer exakten internen betrieblichen Analyse.

Für Korey Huerter sind die Oracle Fusion Applications eine Art Black Box. Huerter ist Senior IT Analyst bei einem Unternehmen, das an Oracles Early-Adopter-Programm teilgenommen hat. Wie bei allen Frühanwendern hostete Oracle die Fusion Applications für Huerters Firma im Oracle-eigenen Rechenzentrum.

Nun ist das Programm vorbei, die Fusion Applications ist seit Herbst vergangenen Jahres allgemein verfügbar. Und Huerters Firma muss – wie Dutzende anderer aus dem Early-Adopter-Programm sowie viele Erstanwender – entscheiden, ob Fusion Applications Remote oder im eigenen Hause gehostet werden sollen.

Huerter hat sich für letzteres entschieden und hofft, in spätestens sechs Monaten soweit zu sein. Vertrauliche Daten im eigenen Rechenzentrum zu halten, sei ein Faktor für die Entscheidung gewesen, erklärt er, ein weiterer die einfachere Integration mit bestehenden Anwendungen. Doch Huerter hat bereits gemerkt, dass es nicht so einfach wird: „Wir sind zur Zeit in der Planungsphase. Wir hoffen, alles geht glatt, aber das wird sich erst zeigen, wenn es soweit ist. Solange es gehostet war, konnten wir nicht sehen, wie alles richtig zusammengehört.“

Die komplexe Welt selbst gehosteter Oracle Fusion Applications

Nur etwa acht Prozent der professionellen Oracle-Anwender planen, 2012 Fusion Applications anzuschaffen, wie eine Leserbefragung von SearchOracle.com mit 334  Teilnehmern im vierten Quartal 2011 zeigte. Mehr als die Hälfte der Anschaffungswilligen plante eine Installation im eigenen Rechenzentrum.

Sie benötigen einen Datenbank-Administrator, einen Admin für Fusion Middleware, und Sie müssen die Feinheiten des Oracle Identity Management verstehen.
Floyd Teter, VP bei Innowave.

Allerdings benötigen sie dabei die Expertise, tief in eine Anwendungsplattform einzusteigen, deren Entwicklung Jahre dauerte – und Technologien verschiedener von Oracle gekaufter Unternehmen enthält. Sie müssen herausfinden, wie Fusion hinter der schicken Benutzeroberfläche tickt. Und manches könnte sie dabei überraschen.

Auch Innowave Technology installiert gerade Fusion Applications. Da dieses Unternehmen selbst im Oracle-Beratungsgeschäft tätig ist, muss es die Anwendungen in- und auswendig kennen, um Kunden helfen zu können, die ihrerseits Fusion hosten wollen. Denn das, so hat der von Oracle zum ACE Director ernannte Innowave-VP Floyd Teter festgestellt, ist kompliziert.

„Was heute als Fusion Applications angeboten wird, unterscheidet sich erheblich von der Urversion“ sagt Teter. „Oracle hat immer mehr andere Firmen übernommen und dadurch  dadurch neue Funktionen integriert. Das hat die zugrundeliegende Technologie immer komplexer gemacht.“

Teter erwartet, dass die meisten Anwender Fusion hosten lassen werden, vor allem wenn sie eine Koexistenzstrategie verfolgen, also Fusion Apps zusammen mit vorhandenen Oracle-Anwendungen einsetzen. Einige Unternehmen haben allerdings spezielle Sicherheitsbedürfnisse und wollen das Paket deshalb im eigenen Hause betreiben.

Doch das ist nicht immer leicht. Besondere Achtung hat Teter vor dem Know-how über Fusion Middleware, ohne das sich Fusion Applikation intern nicht entwicklen lassen. Er zählt auf: „Sie benötigen einen Datenbank-Administrator, einen Admin für Fusion Middleware, und Sie müssen die Feinheiten des Oracle Identity Management verstehen. Ebenso muss man SOA, BPM und teilweise WebCenter kennen. Und ich spreche hier nur über die Middleware-Komponenten.“

Auch Huerter kämpft gerade mit diesem Problem. Einige Mitarbeiter haben schon Erfahrung mit Fusion Middleware. Weitere lernen von PeopleSoft auf Fusion Applications um.

Unternehmen tendieren zum Bau eigener Oracle Fusion Applications

Debra Lilley, Oracle Alliance Director bei Fujitsu und President der UK Oracle Users Group, arbeitet seit Jahren im Bereich Fusion Applications mit Oracle zusammen. Große Unternehmen mit bestehender Middleware- und SOA-Plattformen seien am besten vorbereitet, Fusion intern zu nutzen, sagt sie. Sie habe "eine Menge Organisationen gesehen, denen das leicht fallen müsste.“

„Größere Organisationen wollen Fusion in Eigenregie betreiben“ sagt Lilley. „Und mit der Zeit, wenn es um Neuanschaffung statt Erweiterung geht, werden es mehr.“

Green Mountain Coffee Roasters ist eine davon. Die Kaffeefirma aus dem US-Bundesstaat Vermont gehörte bei Fusion CRM zu den Early Adopters und lässt es weiterhin bei Oracle hosten. Doch sobald das Unternehmen „eine gewisse Stabilität und Routine“ erreicht habe, sagt CIO Jim Prevo, „werden wir das an uns ziehen. Ich möchte mein Portfolio auf einer Infrastruktur haben, die wir selbst entwickeln und betreiben. Ich weiß, das ist altmodisch, aber nur so habe ich wirklich Vertrauen.“

Andere wiederum wollen Fusion Applications zwar intern betreiben, merken aber bald, dass es zu komplex ist. Teter erzählt von einem Kunden, der auf einen Schlag wechseln wollte. „Nach der Installation starrten sie uns an und sagten: "Mist. Wir wussten nicht, was da auf uns zukommt."

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